Robolux ist klein, aber fein. Außerdem gehört der schwedische Hersteller von Spezialventilen seit einigen Wochen zu der Ingelfinger Firma Bürkert: Von der Übernahme des bisherigen Kooperationspartners verspricht sich der neue Bürkert-Chef Heribert Rohrbeck einen Technologievorsprung im heiß umkämpften Markt für Pharma-Ventile.
Wir hätten selbst auch etwas Ähnliches entwickeln können, aber hätte sehr lange gedauert. So bringt uns die patentierte Robolux-Technologie in eine andere Umlaufbahn“, erklärt Bürkert-Geschäftsführer Heribert Rohrbeck. „Deswegen war der Kauf für uns war es eine ganz logische Konsequenz.“ Und zugleich eine kleine Revolution: Denn bisher haben die Hohenloher noch nie eine Firma übernommen. Dass es bei Robolux anders gekommen ist, hat zwei Gründe: Man kennt sich, weil schon seit drei Jahren eine Vertriebskooperation von Bürkert mit der Technologieschmiede bestand - allerdings nur für die Robovalve-Membranventile auf demdeutschen Markt. Außerdem, erklärt Heribert Rohrbeck, hätten die Robolux-Gesellschafter einen „Exit“ gesucht, also ihre als Risikokapital einbezahlten Beteiligungen verkaufen wollen.
Die Robolux-Ventile bestehen aus Edelstahl und sind für komplexe Anwendungen mit hohen Anforderungen an Sauberkeit konzipiert. Weil sie deutlich kleiner sind als Wettbewerbsprodukte, sind die Robovalves einfacher zu handhaben, erklärt Rohrbeck. Für ihn sind die Robolux-Produkte sogar eine „entscheidende Ergänzung“ der eigenen Produktpalette. Mit der Robolux-Technologie will Bürkert verstärkt in den Markt für Pharma- und Biotech-Ventile einsteigen, der zurzeit zu den wachstumsstärksten der Branche zählt. Deswegen werden die Robolux-Aktivitäten in die neu gegründete Bürkert BioTech GmbH eingebracht - übrigens einschließlich der Robolux-Führungsriege, die auch unter der Bürkert-Flagge an Bord bleibt. Geschäftsführer Bengt Sahlin sieht jetzt ganz neue Möglichkeiten, seine Produkte weltweit zu vertreiben. Für Heribert Rohrbeck ist der Zukauf Teil der Strategie, Bürkert stark und unabhängig zu halten. Denn: „Der Wettbewerb ist härter geworden“, sagt er. Und, in Anspielung auf die veränderten Weltmarktbedingungen: „In China fällt kein Sack Reis mehr um. Da fahren die Siebener BMWs über die Autobahn.“ Kein Wunder, dass der Preisdruck zunimmt.
Statt über Preise um Aufträge zu kämpfen, möchte er seinen Kunden mit intelligenten Lösungen einen „messbaren Mehrwert“ bieten. Und zwar weltweit. Bisher geht seine Strategie auf; das weiterhin zweistellige Umsatzwachstum des Unternehmens spricht eine deutliche Sprache. „Wir wachsen im Kerngeschäft und auch in Deutschland, und müssen deswegen auch keine Verlagerungsdiskussion führen“, sagt Rohrbeck. Gleichwohl werde jeder Einzelne immer mehr gefordert, weil die Komplexität der Aufgabenstellungen stetig zunehme. „Das Geschäft wird immer kurzfristiger. Da ist eine extreme Flexibilität gefordert.“ Als größte Gefahr sieht Rohrbeck, „dass man zu satt wird und glaubt, man müsse nichts mehr verändern“. Seine Antwort lautet so: „Wir ermutigen die Leute, mehr und mehr selbst Unternehmer zu werden.“ Weltweit beschäftigt Bürkert 1750 Mitarbeiter, etwa 1050 davon in der Region. Durch Ausgründungen sind im Umfeld des Stammsitzes weitere 400 Jobs entstanden.
Quelle: Heilbronner Stimme vom 29.12.2005 von Manfred Stockburger www.stimme.de
|