Ohne Euphorie, aber mit einem differenzierten Optimismus haben
die regionalen Auguren bei den Konjunkturprognosen der Wirtschaftsjunioren
in das neue Jahr geblickt.
Ließe sich allein von der Qualität der Veranstaltung
auf die wirtschaftliche Lage schließen, dann bräuchte
man sich um die regionale Wirtschaft wahrlich keine Sorgen zu machen:
Trotz Konkurrenz war die Traditionsveranstaltung der Heilbronner
Wirtschaftsjunioren im Intersport-Messezentrum Redblue sehr gut
besucht.
Die Referenten waren kompetent und unterhaltsam. Und sie boten überaus
interessante Einblicke in ihre Unternehmen. Stimmung und Konjunktureinschätzungen
sind durchweg gut, und doch fehlte eine dem Thema angemessene Nachdenklichkeit
nicht: Die Folgen der weiterhin angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt
zog sich wie ein roter Faden durch die Vorträge - und durch
die anschließenden Diskussionen. Zumal in diesem Jahr die
Erfolgsträger der Region das Bild prägten.
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Oswald Metzger,
Die Grünen:
Die Lage ist besser als die Stimmung |
Die Rahmenbedingungen, dass wir eine Zwei
vor dem Komma bekommen, halte ich für gegeben. Die Stimmung ist schlechter als die
Lage - im Vorjahr war es umgekehrt. Begünstig werden die
Tendenzen dadurch, dass unserer Lohnkostenstruktur im Vergleich
zu den anderen europäischen Industrieländern sich verbessert
hat, dass Rationalisierung, die Erschließung neuer Märkte
und das effizientere Bankensystem Füchte tragen und dass
die Trendwende zum längeren Arbeiten in der Wirklichkeit
angekommen ist. Schließlich bedient die große Koalition
das Harmoniebedürfnis und die Sehnsucht der Menschen nach
guten Nachrichten. Das darf jetzt nur nicht durch die Politik
zerstört werden.
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German Drechsler,
WJ-Chef:
Mehr Geld kurbelt den Konsum an |
Es gibt echte Anzeichen, dass wir auf dem
richtigen Weg sind. Die Leute sind überzeugt, dass es besser wird. Sie sind müde,
immer nur zu jammern. Die Weichen für eine positive Konjunkturentwicklung
sind gestellt. Nach wie vor werden es aber kleine und mittlere
Unternehmen, die nicht international agieren, schwer haben.
Auch in Sachen Konsum hat sich die Stimmung der Menschen aufgehellt.
Das heißt aber nicht, dass sie mehr Geld ausgeben. Dazu müsste
man ihnen erst mehr Geld geben, statt durch die Ankündigung
von Jobabbau Verunsicherung zu schaffen. Nötig ist außerdem
ein Vertrauen in die Politik - dann fangen auch die kleinen und
mittleren Unternehmen an zu investieren.
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Jürgen Lunemann,
Audi AG:
Die Konsumfreude kehrt zurück |
In Zeiten, in denen der Standort Deutschland
zunehmend in Frage gestellt wird, machen Produktionsrekorde der
deutschen Automobilindustrie
Mut. Die Branche bleibt eine Schlüsselindustrie, auch wenn
sie mehr denn je um ihre Wettbewerbsfähigkeit kämpfen
muss. Audi verzeichnete 2005 das zehnte Rekordjahr in Folge,
2006 zünden wir ein Modellfeuerwerk, mit dem wir unsere
starke marktposition weiter ausbauen werden. Eine Chance für
uns ist das hohe Durchschnittsalter des Fahrzeugbestandes, das
mittlerweile bei 8,4 Jahren liegt. Auch kehrt die Konsumfreude
zurück. Eine Verbesserung der regionalen Infrastruktur würde
die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Neckarsulm verbessern.
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Richard Lohmiller,
Lidl:
Treue Kunden werden selten |
Im ersten Halbjahr wird sich der Einzelhandel ähnlich wie
im Vorjahr entwickeln, die für nächstes Jahr anstehende
Mehrwertsteuererhöhung wird im zweiten Halbjahr sicherlich
zu einer Belebung führen. Die weitere Entwicklung hängt
auch davon ab, ob es gelingt, dass wir positive Schlagzeilen bekommen.
Das hängt davon ab, wie sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt
entwickelt. Für uns gilt: Essen und Trinken geht immer. Wir
werden verstärkt auf Bio-Produkte und regionale Sortimente
setzen. Der Kunde bleibt eine unbekannte Größe; es gibt
fast mehr treue Mitarbeiter als Kunden. Insgesamt gilt: Wir dürfen
nicht immer nur schwarz sehen, aber wir sollten immer bei Schwarz
einkaufen.
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Thomas
Aurich, Dehoga:
Langfristig von der WM profitieren |
Nach einem Umsatzrückgang um 3,9 Prozent von Januar bis September
2005 rechne ich für die Hotel- und Gaststättenbranche
mit einer deutlichen Trendwende: Drei Millionen Menschen werden
zur Fußball-WM nach Deutschland kommen - viele davon ohne
Eintrittskarte. Sie werden sich nicht bloß über Fußball
unterhalten, sondern auch essen und trinken gehen. 30 000 Medienvertreter
werden erwartet. Die müssen wir überzeugen. Baden-Württemberg
ist mehr als Schwarzwald und Bodensee - wir sind das Bäder-
und Wellnessland und das Land mit den meisten Sternehotels. Von
einem Image-Gewinn können wir zehn Jahre lang profitieren.
Eine Zwei vor dem Komma machen wir mindestens.
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Ralf
Klenk, Bechtle AG:
Ohne Euphorie, aber mit
Zuversicht |
Die Investitionsbereitschaft der IT-Kunden hat sich seit 1999
sehr defensiv entwickelt. Nur, wenn es gar nicht mehr anders ging,
wurde investiert. Inzwischen erhöhen Firmen und auch die öffentliche
Hand ihre IT-Budgets wieder, wenn auch nicht ganz freiwillig:
Der wirtschaftliche Druck ist stärker geworden und die Wartung
der alten Geräte wird zu teuer. Außerdem steigt das
Risiko eines Systemausfalls mit dem Alter der Geräte. Das
größte Wachstumspotenzial hat das Thema Outsourcing.
Größe wird zunehmend zum Erfolgsfaktor. Wir bei Bechtle
blicken mit Spannung und ohne Euphorie, aber zuversichtlich nach
vorn und gehen davon aus, dass wir wieder etwas schneller als
der Markt wachsen werden.
Quelle Heilbronner Stimme vom 20.01.2006 von Manfred Stockburger
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