Übersicht

 
 
 

Heilbronn-Franken mit Thomas Bach im IOC vertreten

     
 
 

13.2.06


 

Thomas Bach fehlt nur noch ein Schritt auf den Olymp. Der Rechtsanwalt aus Tauberbischofsheim wurde in Turin von der 118. IOC-Vollversammlung zum zweiten Mal zum IOC-Vizepräsidenten gewählt.

« Meine Freude ist riesig, ich habe in meinen kühnsten Träumen nicht damit gerechnet», sagte der 52-Jährige, der damit den Grundstein dafür gelegt haben dürfte, 2009 oder 2013 dem Belgier Jacques Rogge als IOC-Präsident nachfolgen zu können. 24 Stunden vor Beginn der Medaillenjagd bei den XX. Olympischen Winterspielen haben die Deutschen bereits ihren ersten großen Sieger.

Bach setzte sich gegen den Italiener Mario Pescante (57:34) ebenso mit überwältigender Mehrheit durch wie vor sechs Jahren in Sydney gegen den Japaner Chiharu Igaya (64:32). Der amerikanische Amtsinhaber James Easton hatte vor dem Wahlgang seine Kandidatur zurückgezogen. Ihm dankte der Deutsche nach der Wahl besonders «für die große Geste der Freundschaft und die faire Kampagne». Er sei sehr zufrieden, wie die Wahl abgelaufen ist, erklärte Rogge, weil «die Interessen des IOC vor persönliche Interessen gestellt wurden».

Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Klaus Steinbach, zeigte sich «begeistert» von der Wahl Bachs. «Das ist ein unglaublicher Vertrauensbeweis für seine qualifizierte Arbeit im IOC und eine hervorragende Stärkung der deutschen Position in der Olympischen Bewegung.» Der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, sprach von «einem persönlichen Erfolg» Bachs. Er sei «gleichzeitig ein gutes Signal für den deutschen Sport, der künftig auch auf internationaler Ebene wieder stärkere Akzente setzen will».

Dazu könnte Bach besonders auch dann beitragen, wenn er am 20. Mai bei der Gründungsversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) als Kandidat für die Wahl des Präsidenten zur Verfügung stehen würde. Zu Gesprächen mit der Findungskommission hat sich der Fecht- Olympiasieger von 1976 schon bereit erklärt. Fragen nach einer Kandidatur allerdings parierte Bach wie einst auf der Planche: «Jetzt wollen Sie mich schon mit der nächsten Wahl konfrontieren - das finde ich nicht fair.»

Bach, der bereits 1996 als einfaches Mitglied in das 15-köpfige Exekutivkomitee eingezogen war, hatte im Vorfeld der Abstimmung Pescante zum Favoriten erklärt. Der Italiener hatte nicht nur den Heimvorteil, sondern als Chef der Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees (NOK) auch ein Prestigevolles Amt einzubringen. «Das hat es noch nie gegeben, dass ein Gastgeber oder ein Amtsinhaber die Wahl verloren haben», hatte Bach erklärt.

Nun hat er diesen Grundsatz bei der frühesten Wiederwahl-Möglichkeit locker durchbrochen. Pescante konnte sich damit trösten, dass er anschließend neben dem Südafrikaner Sam Ramsamy ins Exekutivkomitee gewählt wurde, obwohl dem Gremium mit Ottavio Cinquanta, dem Vorsitzenden der Internationalen Wintersport-Verbände, bereits ein Italiener angehört. Easton als Verlierer des Tages fiel nach seinem Rückzug bei der Vizepräsidenten-Wahl zwei Mal durch, so dass die USA nicht mehr in der Exekutive vertreten sind.

Bach, bereits von 2000 bis 2004 im Amt und danach satzungsgemäß ausgeschieden, ist erst der dritte deutsche Vizepräsident in der 102-jährigen Geschichte des IOC. Vor ihm gehörten Willi Daume (1972 bis 1976) und Berthold Beitz (1984 bis 1988) der «olympischen Regierung» an. Auch während seiner zweijährigen Pause als Mitglied der Exekutive hatte Bach als Vorsitzender der Juristischen Kommission ein einflussreiches IOC-Amt inne.

Nach dem glänzenden Comeback in Turin könnte Bach, der 1991 ins IOC eingezogen war, die Präsidentschaft aus der Exekutive heraus anstreben. Dies macht auch Exekutiv-Mitglied und Stabhochsprung- Weltrekordler Sergej Bubka mit seiner Aussage zu Bachs Wahl klar: «Ohne Zweifel ist er der sehr starke Mann.» Tritt Rogge bei der Session 2009 in Kopenhagen nicht für eine weitere Amtszeit an, wäre die Vizepräsidentschaft ein starkes Faustpfand für den Wahlkampf. Stellt sich Rogge noch einmal zur Verfügung, könnte sich Bach 2010 erneut als einfaches Mitglied in die Exekutive wählen lassen und hätte eine ähnlich gute Ausgangsposition für mögliche Präsidentschafts-Ambitionen. Bach wiegelte allerdings noch entschieden ab: «Was 2013 ist, das entzieht sich meiner Vorausschau.»

Die Mitglieder des Exekutivkomittees im Überblick:

Präsident:
Jacques Rogge (Belgien) gewählt 2001 - 2009

Vize-Präsidenten:
Gunilla Lindberg (Schweden) 2004 - 2008
Lambis V. Nikolaou (Griechenland) 2004 - 2008
Chiharu Igaya (Japan) 2005 - 2009
Thomas Bach (Deutschland) 2006 - 2010

Mitglieder:
Gerhard Heidberg (Norwegen) 2003 - 2007
Denis Oswald (Schweiz) 2004 - 2008
Mario Vazquez Rana (Mexiko) 2004 - 2008
Ottavio Cinquanta (Italien) 2004 - 2008
Sergej Bubka (Ukraine) 2004 - 2008
Zaiqing Yu (China) 2004 - 2008
Richard L. Carrion (Puerto Rico) 2004 - 2008
Ser Miang Ng (Singapur) 2005 - 2009
Mario Pescante (Italien) 2006 - 2010
Sam Ramsamy (Südafrika) 2006 - 2010

Quelle: Lycos vom 12.02.2006