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Flightteam aus Lauda-Königshofen fliegt für Olympia

     
 
 

22.2.06


 

Wo immer die Menschen dieser Tage vor dem Fernseher sitzen und die olympischen Winterspiele verfolgen, sehen sie, sofern es sich um bewegte Bilder aus der Luft handelt, Szenen, die von der Cessna Grand Caravan der Firma Flightteam aus Lauda-Königshofen aufgenommen und übertragen werden.

Joachim Engl fliegt über dem Geschehen, als Sylke Otto, Silke Kraushaar und Tatjana Hüfner Gold, Silber und Bronze beim Rodeln in Cesena Pariol holten, sah Antoine Deneriaz aus der Vogelperspektive die Abfahrt der Herren beim Ski Alpin gewinnen und kreiste hoch über Skispringer Lan Bystoel, der auf der Normalschanze in Pragelato nicht zu schlagen war. Und er wird bis zum Schluss der Winterspiele alle wichtigen Wettkämpfe aus der Luft begleiten, sofern die Athleten kein Dach über dem Kopf haben.

Flightteam-Chef Jochen Engl hatte am Samstag Zeit, um mit den Fränkischen Nachrichten zu telefonieren. Denn die alpine Kombinations-Abfahrt der Damen in San Sicario war zunächst wegen starken Schneefalls verschoben und schließlich wegen starken Windes abgesagt worden - und da konnte auch die Cessna Grand Caravan eine Pause einlegen. Der 56-jährige Inhaber des gewerblichen Luftfahrtunternehmens Flightteam hat das schier Unmögliche erreicht.
Seine Cessna Grand Caravan ist der einzige Flieger, von dem aus die Winterspiele 2006 aus der Luft gefilmt werden. Wann und wo immer ein Blick auf Sportstätten, Landschaft und natürlich die Athleten von oben interessant und möglich ist, steigen die Piloten Jochen Engl, Matthias Engl (32) und Tim Gebele (28) mit ihrem Kameramann auf und filmen, was sich unter ihnen abspielt. Und das für alle Fernsehsender der Welt, wie Jochen Engl stolz verkündet.

" Wir haben unter uns drei bis vier Polizeihubschrauber, über uns das AWACS-Aufklärungsflugzug und rund um das Gebiet der olympischen Spiele, die Abfangjäger des Militärs. Außer uns und einem Hubschrauber für Pressefotografen ist keine andere Maschine zugelassen", beschreibt er die Rahmenbedingungen seiner Arbeit und spricht von extrem strengen Sicherheitsstandards. Automatische Freund-Feind-Erkennung an Bord, genaue Angabe der Start- und Zielortes und der Flugroute sind unerlässlich.

Doch wie kam der Flightteam-Chef überhaupt zu dem einzigartigen Exklusivauftrag, der auch "die beste Werbung, die man sich überhaupt nur vorstellen kann" ist?, wie Engl sagt. Das sei schon ein Stück weit Geschäftsgeheimnis, meint der 56-Jährige. Aber er gibt preis, dass er schon im vergangenen April in Verhandlungen mit der olympischen Organisation getreten sei und im November dann Berge, Täler und Sportstätten vor Ort vom Cockpit und vom Boden aus erkundete. Dann kam der Vertrag mit den Organisatoren zustande, nicht direkt mit dem Olympia-Komitee, sondern mit dem US-amerikanischen Fernsehsender NBC, der sich für 480 Millionen Dollar die Übertragungsrechte des großen Wintersport-Spektakels gekauft hatte.

Seine Caravan hatte Engl im Herbst 2004 gekauft, in erster Linie als Transportmittel für Fallschirmspringer, von denen er jeweils 18 auf 4000 Meter Absetzhöhe befördern kann. Aber auch als Reiseflugzeug für Geschäftsflüge mit bis zu acht Passagieren oder als Frachtflieger mit Laderaum für fünf moderne Europaletten bzw. ein Volumen von 12,5 Kubikmeter hat die Grand Caravan einen exzellenten Ruf. Vor allem aber verfügt das als sehr sicher geltende Fluggerät über eine kräftige Turbine: "In den Alpentälern westlich von Turin wird durch die Turbulenzen und engen Täler eine besonders starke Maschine benötigt", erläutert Engl, was der Vorteil seiner 675 PS starken Turbine ist: Sie ermöglicht dem Mann am Steuerknüppel den Steilaufstieg etwa vor den Felswänden in den Tälern bei Sestriere.

Und warum wird nicht von Hubschraubern aus gefilmt? "Hubschrauber geben erheblich mehr Geräusche ab, brauchen viel mehr Wartung und sind daher auch erheblich teurer im Einsatz", sagt Engl. Für den Einsatz bei den Winterspielen musste er sein Flugzeug umrüsten, die Caravan wurde im Außenbereich der Frachttür mit einer hochauflösenden, 450 000 US-Dollar teuren HD -Fernsehkamera ausgestattet. "Das ist die modernste Technik, die es weltweit gibt", meint Engl zu dem System, das ein Kameramann im Passagierraum mit einer Steuerkonsole steuert. Das Kamerasystem wird mit Hilfe einer Kreiselplattform stabil gehalten, so dass die durch Turbulenzen erzeugten Bewegungen des Flugzeuges nicht mit übertragen werden. Mit einem 54-fachen optischen Zoom entgeht der Linse beim Flug in 300 bis 600 Meter über Boden kein Lächeln oder keine Träne eines Sportlers, jede Einzelheit lässt sich festhalten.

" Bei der Abfahrt zum Beispiel fliegen wir parallel zu den Skiläufern mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 120 Stundenkilometer die Piste hinunter. Über dem Zielbereich wird gewendet, und dann wieder nach oben zum Starthäuschen zurückgeflogen. Dort wird dann der nächste Läufer abgeholt, berichtet Engl. Die TV-Aufnahmen werden überwiegend live über einen an Bord befindlichen Sender an den TV-Lkw am Boden gesendet und von dort direkt per Lichtleiter an das zentrale Olympia-TV-Studio in Turin übertragen. Von dort erfolgt die Verteilung der Bilder in alle Welt. "Zusätzlich zeichnen wird die TV-Aufnahmen im Flugzeug auf Tape auf, um bei einem Ausfall der Senderanlage die Daten nachträglich einspielen zu können", erläutert Engl.

Bei den deutschen Medien wie ARD und ZDF sei man höchst beeindruckt von der Kameratechnik gewesen, die er an Bord seiner Cessna hat, sagt der Pilot. Sechs bis acht Stunden fliegt das Flighteam täglich über den Sportstätten in den Westalpen, nach vier Stunden wird eine kurze Tankpause in Turin eingelegt. Für den Kameramann, ein Amerikaner, der in seiner Heimat Golfturniere, Football und Superbowl aus der Luft verfolgt und hierfür über eigene Maschinen verfügt, eine harte Arbeit, hat Jochen Engl mitbekommen. Etwa dann, wenn Dreharbeiten über dem engen Eiskanal anstehen, beim Rodeln und Bobfahren also, oder beim Wettbewerb der Snowboarder in der Halfpipe von Bardonecchia. Da bedarf es höchster Konzentration und entsprechender Kondition, um das Objekt der Begierde nicht aus dem Objektiv zu verlieren.

Aber auch die Cessna und ihre Piloten kommen an ihre Grenzen, gibt Engl zu. In den engen, steilen Talzügen muss der rotweiße Vogel herausholen, was er kann. Und das Flightteam ist stets zu dritt an Bord. Ein Mann an Steuerknüppel, ein Mann hält den Funkkontakt aufrecht und der dritte Pilot achtet, dass man den Felswänden nicht zu nahe kommt. Da bleibt der Crew, wenn sie am oberen Talende angekommen ist und gleich das nächste Ski-Ass "abholen" muss, kaum Zeit für einen Blick auf die fantastische Bergwelt mit Mont Blanc, Gran Paraiso oder Pelvoux-Gruppe im Horizont.

Apropos Sportler: Die Olympioniken haben Jochen Engl und seine Mitstreiter, die zusammen mit rund 1600 Journalisten nur im Bereich NBC in umfunktionierten Kasernen bzw. einem neuen Militärhospital untergebracht sind, bisher tatsächlich nur aus der Vogelperspektive zu Gesicht bekommen. Prominenten allerdings ist er schon zahlreichen begegnet - am Flugplatz von Turin, wo am Rollfeld am Tag der Eröffnung der Winterspiele den Bundespräsidenten und später Verteidigungsminister Jung aus nächster Nähe gesehen hat. So sind zur Eröffnung 40 Staatsoberhäupter und Regierungschefs hier gelandet. Das war aber beileibe nicht sein schönstes VIP-Erlebnis.

An einem Abend sei eine Dame neben ihnen aus einem Lufhansa-Flieger gestiegen, mit einer Eskorte abgeholt worden und danach mit ihren beiden Bodyguards auf die drei am Eingang des Terminals stehenden Piloten zugegangen. "Und dann hat sie uns freundlich die Hand geschüttelt und gesagt. "Hallo, ich bin Anastacia". So gehen hier täglich Prominente aus aller Welt, von Regierungen, Industrie und aus der Unterhaltung wie selbstverständlich ein und aus Der Flightteam Flieger wird bis Ende Februar das Geschehen aufzeichnen. Flt

Quelle Fränkische Nachrichten www.fnweb.de

Weitere Informationen unter

www.flightteam.de

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