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Sammlung Würth zeigt „Lust am Malen“

     
 
 

5.4.06


 

Ende der 70er Jahre zeigte eine Reihe von Künstlern ihren Überdruss an intellektueller, der Sinnlichkeit beraubter Kunst. Sie begründen eine neue Malerei in Deutschland. Die Bilder dieser "Jungen Wilden" sind von 31. März bis 17. September 2006 im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim zu sehen in der Ausstellung "Lust am Malen“.

Ende der 70er Jahre zeigte eine Reihe von Künstlern ihren Überdruss an intellektueller, der Sinnlichkeit beraubter Kunst, sie begründen eine neue Malerei in Deutschland - die Bilder dieser "Jungen Wilden" sind von 31. März bis 17. September 2006 im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim zu sehen in der Ausstellung "Lust am Malen. Malerei der Jungen Wilden der 80er und 90er Jahre aus der Sammlung Würth". Es werden rund 40 großformatige Arbeiten von Markus Lüpertz, Salomé, Karl Horst Hödicke, Jörg Immendorf, Rainer Fetting, Elvira Bach, Georg Baselitz, A. R. Penck u. a. gezeigt.

In den 60er Jahren lief die künstlerische Entwicklung auf das "Ende der Malerei" hinaus. Konzeptkunst, abstrakte und konkrete Kunst, Pop Art u. a. führten zu einer starken Theoretisierung der Kunst. Eine Gruppe von Berliner Künstlern wehrte sich gegen diese Entwicklung. Ein "Hunger nach Bildern" brach sich Bahn. Es wurde wieder gegenständlich gemalt, große figurative Bilder entstanden. Die neuen Bilder bestechen durch ihre stark sinnlichen Qualitäten und sprühen oft von überschäumender Lebenslust. Die Rückkehr zu einer Welt der Dinge geschah auf einer hohen Bewusstseinsebene, die ausgewählten, oft banalen Gegenstände wurden dann wieder der Abstraktion unterworfen. Die Künstler thematisieren ihre subjektiven Erlebnisse in der Großstadt, diese Bilder stehen für das tiefe menschliche Bedürfnis nach Selbstausdruck des Individuums und der Thematisierung des wirklichen Lebens. Die Bilder sind Zeugnisse einer scheinbar unbeschwerten Zeit. Das damalige Lebensgefühl einer gesättigten wie gefährdeten Industriegesellschaft zwischen dolce vita und Weltuntergang kommt zum Ausdruck. Die 80er Jahre waren für viele eine unbeschwerte Zeit, man ahnte noch nichts von den Problemen, die die Wiedervereinigung mit sich bringen sollte. Man lebte mit dem Gefühl, daß Krieg, Krankheiten, wirtschaftliche Probleme für die europäische Welt überwunden zu sein schienen. Bald sollten Krieg in Jugoslawien und im Nahen Osten, die Weltseuche Aids, hohe Arbeitslosigkeit und die immensen Kosten der Wiedervereinigung diese glückliche Ära beenden.

Der Berliner Karl Horst Hödicke ist als Lehrer von Salomé und Helmut Middendorf ein Wegbereiter der neuen figurativen Malerei. Von ihm wie auch von Thomas Lange, Elvira Bach u. a. findet man Selbstporträts in der Ausstellung. Die Künstler stilisieren sich als Indianer, Fremdenlegionär oder neue Eva und sind die neuen Helden der Großstadt.
In Bildern von Jörg Immendorf, Markus Lüpertz und A. R. Penck werden Themen der 90er Jahre wie die Wiedervereinigung, der Krieg zwischen Iran und Irak oder die Friedensbewegung thematisiert.

Einige Bilder entstammen der Welt des Theaters. Dramen um große tragische Helden beschäftigen auch die Künstler.

Markus Lüpertz z. B. greift Figuren wie Othello oder Parsifal auf, er analysiert die Konflikte in die sie verwoben sind. Der Künstler legt alte Fabeln neu aus, spielt außerdem mit dem Pathos, das z. B. Wagner dem Parsifal einst verlieh.

Elvira Bach malt athletisch wirkende Frauengestalten mit energisch-agressivem Strich, in sinnlich-greller Farbigkeit und mit rasant kantigen Formen. Diese Frauen sind mal mondän, mal erotisch, verkörpern neue Ideale der Emanzipationswelle.

Aber es geht nicht nur um Selbstbespiegelung und Zeitgeist - in einer Reihe von Stadtlandschaften und Naturidyllen (Fetting, Wintersberger, Baselitz) sieht man Traumvisionen, werden poetische und mystische Stimmungen heraufbeschworen.
Vitale Malerei, lebensfrohe und auch dramatische Themen ziehen den Besucher in den Bann.

Die Sammlung

Die Bilder stammen aus der Sammlung Würth, die von Reinhold Würth in den 60er Jahren initiiert wurde und heute rund 9000 Werke der Malerei, Grafik und Plastik umfasst. Das Unternehmen Würth (2005: rund 51.000 Mitarbeiter in 81 Ländern) pflegt eine besondere Unternehmenskultur mit Kunstausstellungen, Konzerten, Literatur, Kabarett etc. Insbesondere der lebendige und kritische Umgang mit Kunst öffnet Horizonte und vermittelt ein Denken abseits eingetretener Pfade. Das Deutschordensmuseum Bad Mergentheim schätzt sich glücklich, einen besonderen Teil dieser Sammlung zeigen zu können und so der Öffentlichkeit den Kontakt mit dieser bedeutenden Sammlung zu ermöglichen.

BEGLEITPROGRAMM

Kunst-Matineé (zum Internationalen Museumstag)
21. Mai 2006, 11.00-14.00 Uhr
- Kunst-Aktion und Kurzführungen durch die Sonderausstellung für Erwachsene
- Musikalisches Sektfrühstück (Tango, Jazz, etc. gespielt von Ela Andrachyk auf dem Akkordeon)
- Kinder-Kunst-Aktionen

Workshop Heftige Malerei
Kunstbetrachtung und Malaktion für Jugendliche und Erwachsene
mit Barbara Schnirch (Kunsterzieherin und Künstlerin)
Samstag, 29. April 2006, 14.00-17.00 Uhr und
Sonntag, 30. April 2006, 14.00-17.00 Uhr
Information und Anmeldung unter 07931/52212

Führungen
Samstag, 1. April, 14.30 Uhr (Renate Spaeth)
Ostermontag, 17. April, 14.30 Uhr (Renate Spaeth)
Montag, 1. Mai, 14.30 Uhr (Renate Spaeth)
Sonntag, 21. Mai, 14.30 Uhr (Renate Spaeth)
Pfingstmontag, 5. Juni, 14.30 Uhr (Renate Spaeth)
Donnerstag, 15. Juni, 14.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Samstag, 15. Juli, 14.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Samstag, 29. Juli, 14.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Sonntag, 27. August, 14.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Samstag, 16. September, 14.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)

Kinderprogramm
Workshop "Jung und wild"
Für Kinder von 4 bis 8 Jahren:
Dienstag, 18. April, 14.00 Uhr (Renate Kunze)
Mittwoch, 31. Mai, 14.00 Uhr (Christel Nowak)
Für Kinder von 8 bis 12 Jahren:
Mittwoch, 19. April, 14.00 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Mittwoch, 7. Juni, 14.00 Uhr (Christine Wahl)

Führungen für Kinder und Erwachsene
auch nach Vereinbarung unter 07931/52212

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