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Ein Mittelständler aus der Region trotzt den Brotfabriken

     
 
 

11.4.06


 

Neckarsulmer Bäckerei expandiert mit traditionellem Rezept. Die Härdtner GmbH in Neckarsulm hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Unternehmen mit 900 Mitarbeitern entwickelt. Gebacken wird mit streng kontrolliertem Getreide von Bauern aus Hohenlohe und dem Kraichgau.

Gerade haben noch etliche Mitarbeiter an dem runden Tisch gevespert und Kaffee getrunken, jetzt nimmt der Chef selbst Platz. "Ich bin zufrieden, mir geht"s gut", sagt Rolf Härdtner. Die Klage, so heißt es oft, sei der Gruß des Kaufmanns. Doch bei dem Bäckermeister aus Neckarsulm ist nicht einmal ein Anflug einer solchen Einstellung zu spüren. "Die Familie ist gesund, ich habe hervorragende Mitarbeiter", sagt Härdtner. Dass sein klagloses Dasein auch Verwunderung hervorruft, weiß der Herr der Backöfen: "Manche glauben, ich sei blöd."

Davon allerdings kann keine Rede sein. Immerhin hat Härdtner aus der kleinen, 1938 von seinen Eltern gegründeten Bäckerei ein Unternehmen mit inzwischen 900 Beschäftigten gemacht. 1973, als er als Teilhaber einstieg, standen gerade 22 Beschäftigte auf den Lohn- und Gehaltslisten. Im Gegensatz zu vielen anderen Mittelständlern macht er auch aus seinem Umsatz kein Geheimnis: Für 30 Millionen Euro gingen im vergangenen Jahr Backwaren über seine Ladentheken, ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2004. Für dieses Jahr wäre er schon zufrieden, wenn er in seinen vorhandenen Läden wieder genauso viel verkaufen würde wie 2005. Aber wahrscheinlich wird eben doch wieder einmal etwas mehr gebacken.

Gewachsen ist das Unternehmen in den vergangenen Jahren auch durch Zukäufe: Härdtner, der größte Bäcker in Neckarsulm, hat bereits 1982 die Bäckerei Böhringer, den Marktführer in Heilbronn, übernommen. Vier Jahre später hat er dort noch ein anderes Unternehmen gekauft: die Bäckerei Mitterer, einen Spezialisten für Holzofenbrot. Circa 600 Mitarbeiter sind inzwischen rund um Heilbronn tätig.

Doch auch fern der Heimat wurde der rührige Bäcker aktiv: Gleich nach der Wende hat er von der Treuhand zwei Niederlassungen in Dresden übernommen. Dank seiner aus Schlesien stammenden Frau hatte er schon zu DDR-Zeiten Kontakte nach drüben, "nach der Wende hieß es dann, helft uns doch". Inzwischen hat Härdtner in Dresden 300 Mitarbeiter - und ein Problem.

"Weil wir inzwischen so viele Beschäftigte haben, gelten wir als Großbetrieb." Und das hat einen gravierenden Nachteil: Der Bäcker aus dem Westen soll jetzt Subventionen des Landes Sachsen zurückzahlen, die er einst für den Aufbau im Osten erhalten hat. Hätte er nur 250 Arbeitsplätze geschaffen, könnte er das Geld behalten.

Doch Härdtner hat nicht nur ein Problem, sondern auch einiges zu erzählen über seine Erfahrungen: "Hier in Neckarsulm rede ich mit jedem. In Dresden denken die Mitarbeiter ziemlich hierarchisch. In seinen sächsischen Filialen hat er gelernt, dass zuerst der Geschäftsführer begrüßt wird, dann schreitet man weiter zum Produktionsleiter, geht schließlich auf den Meister zu und reicht dann den normalen Beschäftigten die Hand. "Die Belegschaft im Osten ist sehr empfindlich, wenn sie meint, sie bekomme etwas übergestülpt." Größer als deren Flexibilität im Denken indes ist die Mobilität auf dem Weg zur Arbeit: "Die Mitarbeiter fahren oft 40 Kilometer weit", erzählt er.

Und er könnte noch mehr berichten, besonders über die Anfänge im Osten, wo er mit 20 Beschäftigten begann. Einmal wollte ihm die Treuhand sogar ein Gelände verkaufen, das ihr gar nicht gehörte: "Ich habe drei Treuhanddirektoren kennen gelernt, die alle im Gefängnis gelandet sind." Doch nicht nur dort hatte er Erlebnisse, die ihm denkwürdig vorkamen - auch zu Hause gab es derartige Erfahrungen. "Vor fünf Jahren wurden wir noch ausgelacht, weil wir alles selber machen", erzählt er. "Ein Betriebsberater würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen, das ist doch alles viel zu teuer." Gerade dies aber hat ihm geholfen, sich gegen die Brotfabriken nicht nur zu behaupten, sondern den eigenen Betrieb kräftig auszubauen. Die Bäckerei aus dem Unterland lässt von Bauern in Hohenlohe und im Kraichgau eigenes Getreide anbauen, das auch streng kontrolliert wird.

Zusammen mit zwei Wissenschaftlern wurde ein Brot aus frisch gekeimtem Getreide entwickelt, das besonders viele Vitamine und Nährstoffe enthalten soll. In den Regalen der Läden ist auch Demeter-Ware zu finden - aber nicht ausschließlich.

"Mit dem Schlagwort Gesundheit kann man nichts verkaufen", sagt der Firmenchef, der sich im Übrigen wundert, wie viele eher verhärmte Gestalten vom Angebot in den Reformhäusern zehren. "Die gesündeste Ernährung hat keinen Wert, wenn nicht mit Genuss gegessen wird", sagt Härdtner. "Bei uns kommt nur Mehl, Salz, Hefe und Wasser ins Brot hinein", sagt er zu einem Standpunkt, den er in den vergangenen Jahren konsequent verfolgt hat: "Backmischungen gibt es bei uns nicht." Der Mann, der so gerne lacht, kann in solchen Fragen auch ziemlich ungemütlich werden. Als die Heilbronner AOK vor Jahren im Rahmen einer Gesundheitskampagne auch Brot anpries, dem Backmischungen beigefügt waren, konterte Härdtner mit einer Plakataktion: "Wir backen kein AOK-Brot" konnten die Verantwortlichen der Krankenkasse lesen.

Standhaft bleibt der Bäcker auch gegen Managementmoden, die Beschäftigte in Unternehmen nur als Kostenfaktor ansehen: "Mein Personal ist mein größtes Kapital", sagt er zu solchen Weisheiten, "ich darf meinen Mitarbeitern doch nicht jeden Tag sagen, du bist ein Kostenfaktor, du bist viel zu teuer." Stattdessen bietet er Familiendarlehen an, es gibt firmeneigene Wohnungen, viel wird für die Weiterbildung getan, wofür sich besonders seine Gattin Annemarie stark macht. Etwa 90 Prozent der Beschäftigten im Unternehmen wurden dort selbst ausgebildet. Die Mitarbeiter sind offenbar ganz zufrieden: "Bei uns gibt es fast keine Fluktuation, wir haben Leute, die schon 50 Jahre da sind."

Gattin Annemarie sorgt dafür, dass nicht jede Filiale gleich aussieht. "Wir passen uns der Umgebung an", erklärt sie. So werden Filialen in wohlhabenden Gegenden etwas anders eingerichtet als Niederlassungen neben Sozialwohnungen - und zwei Filialen hat Annemarie Härdtner bereits nach der asiatischen Feng-Shui-Lehre eingerichtet.

Quelle Stuttgarter Zeitung von Ulrich Schreyer, Neckarsulm vom 6. April 2006

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Die Region bietet Gaumen-Freuden für jeden Geschmack: Dass Heilbronn-Franken top ist, zeigt sich auch in den Gourmetführern. Ob Michelin, Varta, Gault Millau, Aral oder Feinschmecker - die Gastronomie der Region ist mit zahlreichen Kochlöffeln, Kochmützen und Sternen ausgezeichnet.