In diesem Jahr will
der Mulfinger Motoren- und Ventilatorenbauer EBM-Papst die Umsatzmilliarde
knacken. Im abgelaufenen Geschäftsjahr
haben die Hohenloher mit einem Umsatzplus von 12,7 Prozent auf
950 Millionen Euro eine gute Ausgangsposition dafür erreicht.
„Wir schieben zurzeit eine Bugwelle an Aufträgen vor
uns her“, sagt der mittlerweile 71-Jährige EBM-Papst-Chef
Gerhard Sturm. „Für die gibt es zwar keine logische
Erklärung. Aber wenn sie nicht abebbt, dann müssten wir über
die Milliarde kommen.“ Quer durch alle Branchen, die EBM-Papst-Produkte
einsetzen, spüren die Mulfinger seit dem vergangenen Herbst
eine deutlich gestiegene Nachfrage - im ersten Halbjahr des abgelaufenen
Geschäftsjahres 2004/05 waren die Zahlen dagegen noch leicht
unter Plan gewesen.
Um die Nachfrage bedienen zu können, hat das Unternehmen seit
November wie berichtet 150 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt.
Eine besonders hohe Nachfrage verspürt EBM-Papst zurzeit von
Zulieferern der Investitionsgüterindustrie, dem Maschinenbau
und auch der Telekommunikations- und Computerbranche. „Wir
sind in allen drei Kernbereichen gut ausgelastet.“ Dass auch
das Stammwerk in Mulfingen profitiert, macht der deutlich überdurchschnittliche
Umsatzzuwachs deutlich, der dort erreicht wurde: Nach 334 Millionen
Euro wurden dort im abgelaufenen Geschäftsjahr 372 Millionen
Euro umgesetzt.
Dass sich die Chefetage dennoch nicht in Hurra-Rufen ergeht, liegt
an der Sorge um den privaten Verbraucher. „Der Konsument
ist gut gelaunt im Moment“, sagt Geschäftsführer
Thomas Philippiak. Aktuell liege der Auftragseingang um 35 bis
40 Prozent über Vorjahr. „Aber wie lange noch?“ Obwohl
das Unternehmen im vergangenen Jahr - auch in Mulfingen - eine
Menge investiert hat, ist Philippiak skeptisch, was die Zukunft
des Standorts Deutschland angeht: „Ich glaube, dass wir die
guten Mittelständler, um die uns die Welt beneidet, verlieren
werden.“
Globalisierung ist auch für die Hohenloher ein Muss: So arbeitet
EBM-Papst derzeit an einer zweiten Produktionsstätte in China. „Wenn
wir auf dem chinesischen Markt etwas verkaufen wollen, dann müssen
wir schon aus Kostengründen dort produzieren“, sagt
Gerhard Sturm. Aber auch in Deutschland wird weiter investiert.
Und zwar nicht nur in die Entwicklung, auch wenn die Aufwendungen
im abgelaufenen Jahr von 15,6 auf 17,8 Millionen Euro erhöht
wurden. Unter anderem steht der Ausbau der Logistik an.
Noch immer ist die Auflösung der Zusammenarbeit mit der Künzelsauer
Ziehl-Abegg AG ein Thema in Mulfingen. Etwa deswegen, weil dadurch
Investitionen in den Vertrieb notwendig geworden sind. In einigen
Ländern steht der Aufbau getrennter Vetriebsgesellschaften
noch aus. „Aber am Ende wird uns das stärker machen“,
sagt Geschäftsführer und IHK-Präsident Thomas Philippiak.
Was den Hohenlohern derzeit gelegentlich die Lust am Arbeiten nimmt,
sind die Rohstoffpreise: Kupfer koste statt zwei Euro jetzt 5,85
pro Kilo, sagt Sturm. Aluminium 2,85 statt 1,50. „Bei einem
150-Euro Produkt hatten wir eine Materialkostensteigerung um 18
Euro.“ Auf Hochtouren laufen deswegen die Anstrengungen,
so wenig wie möglich der teuren Rohstoffe in die Produkte
zu verarbeiten.
Der Ölpreis wirkt indes doppelt: „Der ist zum Lachen
und zum Weinen.“ Hohe Energiekosten verteuern zwar die eigene
Produktion, andererseits ergeben sich neue Absatzchancen für
die von EBM-Papst propagierte energiesparende EC-Technologie -
sogar in den USA, wie Gerhard Sturm berichtet: „Da haben
wir gerade 1200 Einheiten verkauft, obwohl sie dreimal so viel
kosten wie die konventionellen Motoren.“
Quelle Heilbronner Stimme vom 22.05.2006 von Manfred Stockburger
Siehe www.stimme.de
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