Auf der Suche nach einem
klaren Trollinger-Profil sind die Wengerter in den vergangenen
Jahren ein gutes Stück weiter gekommen. Jetzt
stellte Verein Württemberger Weingüter 67 Exemplare des
schwäbischen Nationalgetränks in der Heilbronner Wein-Villa
vor.
Auf der Suche nach einem klaren Trollinger-Profil sind die Wengerter
in den vergangenen Jahren ein gutes Stück weiter gekommen. So
der einmütige Tenor einer Jury aus 16 Kennerköpfen, die
auf Einladung des Vereins Württemberger Weingüter 67 Exemplare
des schwäbischen Nationalgetränks testete. Am Freitag stellte
der von Peter Mayer aus Bad Cannstatt geführte Verein in der
Heilbronner Wein-Villa die sechs Sieger des neunten Trollinger-Wettbewerbs
vor.
Platz eins und zwei stammen aus Stuttgart: von der oft gelobten Weinmanufaktur
Untertürkheim und vom eher unbekannten Weingut R.+W. Diehl.
Die folgenden Plätze belegt das Unterland: Die als Lemberger-Experten
bekannten Weingärtner Brackenheim wurden Dritter, mit einer „ganz
normalen Literflasche“, so Kellermeister Friedrich Hammel,
Dritter. Das Heilbronner Weingut Drautz-Hengerer profilierte sich
als einmal mehr als ambitionierter Trollinger-Betrieb. Die auffallend
hohe Qualitätsdichte des Zabergäu unterstreichen der Jupiter-Weinkeller
Hausen und die Nordheimer Kellerei Willy.
Auf der 20-Punkte-Skala gab die von Dr. Dieter Blankenhorn (Staatsweingut
Weinsberg) geleitete Jury den Siegern 15 bis 15,5 Punkte. Die Preisspanne
reicht von 4,50 bis 5,10 Euro. Anders als in den Vorjahren zeigte
keiner der Weine Holznoten. Im Alkoholgehalt lag nur einer über
12,5 Volumenprozent. Alle Gewinner wuchsen im Jahr 2005, das Organisator
Jürgen Müller wegen kerngesunden Leseguts und früh
durchgefärbter Trauben als „idealen Trollinger-Jahrgang“ bezeichnete.
Ein „wahrer Trollinger“ zeichnet sich durch Frucht, Frische
und Kernigkeit aus, so Jürgen Off aus Untertürkheim. „Er
muss Gelüste auf weitere Schlücke machen“, wusste
Rainer Diehl, „und zwar zu jedem Zeitpunkt des Tages“,
betonte Günter Willy. „Trollinger sind dick und rot, man
trinkt‘s zur Lust und nicht zur Not.“ So zitierte Hartmut
Reiner aus Hausen eine frühe Charakterisierung aus dem Jahr
1586.
Die Sorte hat ihre Wurzeln in Norditalien, wo sie Sciava und Vernatsch
heißt. So leitet sich der Namen aus „Tirolinger“ ab.
Weil sie unkomplizierte Tropfen hervor bringt, die nicht dem Profil
internationaler Rotweine entsprechen, aber auch weil sie oft in übermäßigen
Mengen gewonnen wurde, war es um ihr Image in Fachkreisen vor Jahren
nicht gut bestellt. „Um dagegen zu halten“, so Peter
Mayer, initiierte sein Verein Mitte der 90er, damals noch unter Martin
Heinrich aus Heilbronn, einen Wettbewerb. Über die Jahre hinweg
habe er das allgemeine Qualitätsniveau und somit auch das Image
erheblich gesteigert. Als regionaltypische Sorte erzielt Trollinger
inzwischen trotz aller Unkenrufe sogar außerhalb der Region
Zuwachsraten.
Quelle Heilbronner Stimme vom 3. Juni 2006 von Kilian Krauth
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