Das Geschäft mit der Sauberkeit brummt. Mit konsequenten
Investitionen in seine deutschen Standorte baut der Reinigungstechnik-Spezialist
Kärcher seine weltweite Position aus. Zurzeit erweitert die
Firma ihre Werke im Bühlertal hinter Schwäbisch Hall
für fünf Millionen Euro.
Geräte wie die Hochdruckreiniger sind prädestiniert
für Billiglohnländer - könnte man meinen. Kärcher
geht einen anderen Weg. Mit Erfolg: Seit auf der Packung des 49-Euro-K2 „Made
in Germany“ aufgedruckt ist, laufen die Geschäfte noch
besser - übrigens in ganz Europa, wie Hartmut Jenner, der
Vorsitzende der Geschäftsführung der Firma aus Winnenden,
erzählt.
Der neue Produktionsrekord im Werk Bühlertann, wo im März
erstmals mehr als 450 000 der Kleingeräte hergestellt wurden,
spricht eine deutlich Sprache. Durch den Anbau soll die hoch automatisierte
Fertigung noch effizienter werden: Bisher wurden die gelben Spritzgussteile
quer über den Standort gefahren und eingelagert. Künftig
liegen Gießerei, Montage und der Versand direkt nebeneinander.
In zweieinhalb Jahren soll sich die Investition bezahlt gemacht
haben.
Auch beim zweiten Investitionspaket, das die Schwaben für
das Bühlertal geschnürt haben, geht es um mehr Effizienz:
Das Werk Obersontheim bekommt ein Produktionsversorgungshalle.
Bisher seien die Einzelteile für die dort gefertigten Kehrmaschinen
an zahllosen externen Lagerstandorten zwischengelagert worden,
bis sie wieder an die Montagelinie transportiert wurden. Mit der
Investition sollen die Abläufe vereinfacht und Platz für
Wachstum geschaffen werden. Ein Personalabbau ist in Folge der
Effizienzsteigerung nicht geplant, wie viele neue Stellen entstehen,
sei aber noch offen, sagt Jenner. Bis zu 20 neue Stellen seien
möglich.
„
Unser Asset sind die Menschen“, sagt Hartmut Jenner. 950
festangestellte Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen an
den Standorten im Kreis Schwäbisch Hall - in der Saison kommen
bis zu 450 Leiharbeiter hinzu. „Die Leute sind gut qualifiziert,
fleißig und sehr loyal“, sagt Jenner. Und: „Die
Lohnstückkosten sind nicht schlechter.“
Deshalb engagiert
sich das Unternehmen so weit wie möglich in Deutschland. Hier
beschäftigt Kärcher auch 2900 der weltweit gut 6000 Mitarbeiter. „Natürlich
produzieren wir auch im Ausland“, sagt Jenner. In der Regel
allerdings dann, wenn es die Nähe zum Markt erfordert. „Es
macht keinen Sinn, eine schwere Kehrmaschine von hier in die USA
zu transportieren. Mit dem Schiff braucht das sechs Wochen - so
lange wartet kein Kunde.“ Trotz eines Exportanteils von rund
80 Prozent werde etwa die Hälfte der Wertschöpfung in
Deutschland erbracht.
Was ist das Geheimnis des Erfolgs? „Wir haben knallhart in
unsere Märkte investiert“, sagt Jenner. Etwa ein Drittel
der Beschäftigten sind Vertriebsleute - obwohl das Unternehmen
jedenfalls an Endverbraucher nur über den Fachhandel verkauft.
Allein in Frankreich sind 380 Verkäufer für die Gelben
unterwegs, in England sind es 200. Wachstum verspricht er sich
von Osteuropa - und von Japan. „Das ist ein Riesenpotenzial
für uns.“ Trotzdem, sagt Jenner: „Wir sind allergisch
gegen Overhead-Kosten.“ Der Verwaltungsapparat wird so schlank
wie möglich gehalten.
Wichtig ist außerdem Geschwindigkeit: Um besser zu bleiben
als die Kopien, belässt er alles wichtige Knowhow im Hause.
Und: 82 Prozent aller Produkte im Kärcher-Sortiment-sind jünger
als vier Jahre.
Quelle Heilbronner Stimme von Manfred Stockburger www.stimme.de
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