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Wettlauf um den Technik-Vorsprung

     
 
 

15.6.06


 

Noch ist das 55-Millionen-Euro-Bauwerk im Schwäbisch Haller Solpark eine der größten Baustellen in der Region. Doch bereits im August sollen in der Würth-Solarfabrik die ersten Dünnschichtsolarzellen produziert werden. Die ersten Maschinen werden schon in diesen Tagen erstmals angeworfen.

Es ist ein gigantisches Gebäude, das direkt neben dem Adolf-Würth-Airport aus dem Boden gestampft wird. 320 Leute arbeiten zurzeit jeden Tag auf der Baustelle: Zwischen Grundsteinlegung und dem Produktionsstart liegen nämlich gerade mal sieben Monate.

Zeit ist in diesem Fall aber nicht nur Geld: Es geht um den technologischen Vorsprung der Hohenloher, den die Würth-Elektronik-Geschäftsführer Jörg Murawski und Jürgen Klohe zwischen einem und zwei Jahren taxieren. „Auch bei Minus 14 Grad wurde geschafft“, sagt Murawski anerkennend. Das bautechnische Know-how kaufen sich die Solarfabrikanten übrigens bei der Konzernmutter in Künzelsau ein.

Jede Woche zählt - zumal es bis ins erste Quartal 2007 dauern wird, bis die größte Investition der Würth-Geschichte tatsächlich Solarzellen am laufenden Band produziert. Pro Jahr sollen es etwa 200 000 Dünnschicht-Module mit einer Nennleistung von 14,8 Megawatt werden. Etwa 125 Mitarbeiter werden dann in dem gigantischen Neubau beschäftigt sein - bisher arbeiten in der Marbacher Würth-Solarfabrik unter Geschäftsführer Karl-Heinz Groß etwa 35 Mitarbeiter. Fünf Jahre Forschung und Entwicklung stecken in der Anlage drin. Und viele Millionen. „Der Bauprozess läuft wie ein Uhrwerk.“

Sicherheit wird auf der Baustelle absolut groß geschrieben. Damit keiner der Zulieferer - die Werbeaufschriften auf den Lieferwagen lesen sich wie das deutsche Hightech-Who-is-who - zu viel von der Würth ’schen Technologie abkupfern kann, sind die einzelnen Bereiche der Großbaustelle mit verschiedenen Farben gekennzeichnete. Nur wer die richtige Sicherheitsstufe hat, darf in die jeweiligen Bereiche rein. Das technologische Herzstück der Anlage ist gar so konzipiert, erklärt Groß, dass kein Zulieferer den Überblick darüber hat, wie die Würth-Leute ihre Dünnschicht-Zellen wirklich produzieren. Und auch in den eigenen Reihen ist das Knowhow nur wenigen Köpfen komplett zugänglich.

Viel Geld und Energie setzten die Hohenloher auf ihr Prestigeprojekt. Sie sind sich ihrer Sache so sicher, dass sie 20 Jahre Garantie auf die CIS-Module geben - was sich übrigens in der Konzernbilanz der Künzelsauer durchaus bemerkbar macht, denn jede Garantie ist mit einer Rückstellung abgesichert. „Unsere Teilziele haben wir ausnahmslos erreicht“, sagt Murawski. „Das gibt uns Sicherheit im Prozess.“ Auch was den Markt angeht, ist Groß zuversichtlich: „In zehn Jahren wird keiner mehr die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der Photovoltaik stellen. Wir werden einen wichtigen Beitrag zum Energiemix leisten.“ In Zahlen beziffert er den mit zehn bis 20 Prozent.

V Auch abseits des Pionier-Projekts hat sich die Elektroniksparte der Würth-Gruppe im vergangenen Jahr hervorragend entwickelt. Mit 238 Millionen Euro lag der Umsatz 30 Prozent über dem Vorjahreswert, mehr als zwei Drittel des Wachstums hat das Unternehmen aus eigener Kraft geschafft. Ende 2005 beschäftigte Würth-Elektronik 2050 Mitarbeiter in Deutschland und weitere 500 im Ausland. Einer der Wachstumstreiber ist die in Waldenburg angesiedelte Eisos-Sparte. Dort wird demnächst das Lager vergrößert. Angedacht ist zudem die Erweiterung des Niedernhaller Hauptwerks der WE-Gruppe.

Auch in den ersten vier Monaten ist die Würth-Elektronik-Gruppe kräftig gewachsen: Laut Jürgen Klohe hat das Unternehmen den Umsatz um 26 Prozent gesteigert. „Und wir haben auch schon 50 neue Arbeitsplätze geschaffen.“

Quelle Heilbronner Stimme vom 13. Juni 2006 von Manfred Stockburger www.stimme.de

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