Noch ist das 55-Millionen-Euro-Bauwerk
im Schwäbisch Haller
Solpark eine der größten Baustellen in der Region. Doch
bereits im August sollen in der Würth-Solarfabrik die ersten
Dünnschichtsolarzellen produziert werden. Die ersten Maschinen
werden schon in diesen Tagen erstmals angeworfen.
Es ist ein gigantisches Gebäude, das direkt neben dem Adolf-Würth-Airport
aus dem Boden gestampft wird. 320 Leute arbeiten zurzeit jeden
Tag auf der Baustelle: Zwischen Grundsteinlegung und dem Produktionsstart
liegen nämlich gerade mal sieben Monate.
Zeit ist in diesem
Fall aber nicht nur Geld: Es geht um den technologischen Vorsprung
der Hohenloher, den die Würth-Elektronik-Geschäftsführer
Jörg Murawski und Jürgen Klohe zwischen einem und zwei
Jahren taxieren. „Auch bei Minus 14 Grad wurde geschafft“,
sagt Murawski anerkennend. Das bautechnische Know-how kaufen sich
die Solarfabrikanten übrigens bei der Konzernmutter in Künzelsau
ein.
Jede Woche zählt - zumal es bis ins erste Quartal 2007 dauern
wird, bis die größte Investition der Würth-Geschichte
tatsächlich Solarzellen am laufenden Band produziert. Pro
Jahr sollen es etwa 200 000 Dünnschicht-Module mit einer Nennleistung
von 14,8 Megawatt werden. Etwa 125 Mitarbeiter werden dann in dem
gigantischen Neubau beschäftigt sein - bisher arbeiten in
der Marbacher Würth-Solarfabrik unter Geschäftsführer
Karl-Heinz Groß etwa 35 Mitarbeiter. Fünf Jahre Forschung
und Entwicklung stecken in der Anlage drin. Und viele Millionen. „Der
Bauprozess läuft wie ein Uhrwerk.“
Sicherheit wird auf der Baustelle absolut groß geschrieben.
Damit keiner der Zulieferer - die Werbeaufschriften auf den Lieferwagen
lesen sich wie das deutsche Hightech-Who-is-who - zu viel von der
Würth ’schen Technologie abkupfern kann, sind die einzelnen
Bereiche der Großbaustelle mit verschiedenen Farben gekennzeichnete.
Nur wer die richtige Sicherheitsstufe hat, darf in die jeweiligen
Bereiche rein. Das technologische Herzstück der Anlage ist
gar so konzipiert, erklärt Groß, dass kein Zulieferer
den Überblick darüber hat, wie die Würth-Leute ihre
Dünnschicht-Zellen wirklich produzieren. Und auch in den eigenen
Reihen ist das Knowhow nur wenigen Köpfen komplett zugänglich.
Viel Geld und Energie setzten die Hohenloher auf ihr Prestigeprojekt.
Sie sind sich ihrer Sache so sicher, dass sie 20 Jahre Garantie
auf die CIS-Module geben - was sich übrigens in der Konzernbilanz
der Künzelsauer durchaus bemerkbar macht, denn jede Garantie
ist mit einer Rückstellung abgesichert. „Unsere Teilziele
haben wir ausnahmslos erreicht“, sagt Murawski. „Das
gibt uns Sicherheit im Prozess.“ Auch was den Markt angeht,
ist Groß zuversichtlich: „In zehn Jahren wird keiner
mehr die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der Photovoltaik stellen.
Wir werden einen wichtigen Beitrag zum Energiemix leisten.“ In
Zahlen beziffert er den mit zehn bis 20 Prozent.
V Auch abseits des Pionier-Projekts hat sich die Elektroniksparte
der Würth-Gruppe im vergangenen Jahr hervorragend entwickelt.
Mit 238 Millionen Euro lag der Umsatz 30 Prozent über dem
Vorjahreswert, mehr als zwei Drittel des Wachstums hat das Unternehmen
aus eigener Kraft geschafft. Ende 2005 beschäftigte Würth-Elektronik
2050 Mitarbeiter in Deutschland und weitere 500 im Ausland. Einer
der Wachstumstreiber ist die in Waldenburg angesiedelte Eisos-Sparte.
Dort wird demnächst das Lager vergrößert. Angedacht
ist zudem die Erweiterung des Niedernhaller Hauptwerks der WE-Gruppe.
Auch in den ersten vier Monaten ist die Würth-Elektronik-Gruppe
kräftig gewachsen: Laut Jürgen Klohe hat das Unternehmen
den Umsatz um 26 Prozent gesteigert. „Und wir haben auch
schon 50 neue Arbeitsplätze geschaffen.“
Quelle Heilbronner Stimme vom 13. Juni 2006 von Manfred Stockburger
www.stimme.de
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