Mit einem Sieg für
Audi endete die 74. Auflage der 24 Stunden von Le Mans. Dabei schrieb
der Autobauer Motorsport-Geschichte:
Erstmals triumphierte ein Rennwagen mit Dieselmotor. Nach 380 Runden
jubelte das Fahrer-Trio Frank Biela, Emanuele Pirro und Marco Werner.
Wolfgang Ullrich kann trotz aller Sachlichkeit, die sein Beruf
mit sich bringt, ein sehr emotionaler Mensch sein. Als um kurz
nach 17 Uhr die R 10 TDI unter dem Jubel des Teams über die
Ziellinie rollen, steht der Audi-Motorsportchef mit Tränen
in den Augen auf der Boxenmauer. „Jetzt fällt der ganze
Druck ab“, sagt Ullrich. „Ich bin wahnsinnig stolz
auf meine Mannschaft. Die Mechaniker, die Ingenieure, die Fahrer
- alle haben einen fantastischen Job gemacht.“
Im Rennen gab es vor allem am Wagen mit der Sieben von Tom Kristensen,
Rinaldo Capello und Allan McNish reichlich Arbeit für die
Audi-Truppe. Bereits drei Stunden nach dem Start wurden die Injektoren
des Dieselmotors getauscht, Capello hatte über Zündaussetzer
geklagt. „Die Operation am offenen Herzen verlief erfolgreich“,
sagte Motorenchef Ulrich Baretzky aus Neckarsulm. Dennoch stand
der R 10 mehr als 20 Minuten in der Audi-Box.
Weitere unplanmäßige Reparaturpausen, bei denen ein
Turbolader und der Unterboden gewechselt wurden, warfen das Trio
noch weiter zurück. Nach einer furiosen Aufholjagd glückte
mit Platz drei hinter dem Pescarolo-Judd von Eric Hélary/Franck
Montagny/Sébastien Loeb noch der Sprung aufs Podest. In
der Nacht auf Sonntag fuhr Le Mans-Rekordsieger Tom Kristensen
gar Streckenrekord.
„
Auf den Geraden waren wir etwas langsamer, aber auf der Gesamtstrecke
dann doch wesentlich schneller als der Rest“, sagte Frank
Biela. Im Ziel hatte der langjährige Audi-Werksfahrer mit
seinen Teamkollegen einen Vorsprung von vier Runden herausgefahren.
Schlüssel zum Sieg war neben der Zuverlässigkeit auch
der geringe Verbrauch des Zwölfzylinder-Diesels aus dem Werk
Neckarsulm. „Wir konnten bis zum nächsten Boxenstopp
stets zwei Runden länger draußen bleiben als die Konkurrenz“,
sagte Ulrich Baretzky.
Sorgen bereiteten den Verantwortlichen bei Audi nur die hohen Temperaturen
an der Strecke. Doch die V12 TDI-Motoren liefen nahezu wie ein
Uhrwerk. 650 PS sind eine Zahl, die selbst den routiniertesten
Rennfahrern bei Audi Respekt einflößt. „In den
Kurven brauchte man sehr viel Gefühl“, sagte Tom Kristensen. „Da
durfte man das Auto auf keinen Fall rutschen lassen und zu früh
aufs Gas gehen.“
Die Konkurrenz sah einmal mehr nur die Rücklichter. Allen
voran das Team von Henri Pescarolo. Dabei hatte sich die Mannschaft
des viermaligen Le Mans-Siegers besonders gut vorbereitet. „Der
Judd-Zehnzylinder ist eine völlige Neukonstruktion“,
verriet der Franzose, „doch Audi war einfach zu stark.“ Rallye-Ass
Sébastien Loeb freute sich dennoch: „Ich habe allen
gezeigt, dass ich nicht nur über Stock und Stein richtig gut
fahren kann.“
Mit dem Sieg an der Sarthe schloss Audi ein Kapitel in der 83-jährigen
Geschichte des größten Wagenrennens seit Ben Hur. Mit
einem Dieselmotor hat noch nie ein Hersteller den Sieg in Le Mans
errungen. Audi war für das Rennen, das der Distanz einer kompletten
Formel-1-Saison entspricht, top vorbereitet. Nach 30 000 Testkilometern
und 1500 Stunden auf den Motoren-Prüfständen krönte
Audi das bisher ehrgeizigste Motorsport-Projekt des Unternehmens. „In
Serien-Autos hat der Diesel längst eine einzigartige Erfolgsgeschichte
geschrieben“, sagte Audi-Chef Martin Winterkorn, „nun
haben wir bewiesen, dass der Diesel auch im Motorsport für
Furore sorgen kann.“
Doch: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. „Bei uns läuft
in den nächsten Wochen bereits die Vorbereitung für 2007
an“, sagte ein Insider. Denn Audi erhält Konkurrenz:
Peugeot tritt im nächsten Jahr ebenso mit einem über
700 PS starken Diesel-Zwölfzylinder an.
Quelle Heilbronner Stimme vom 20. Juni 2006 von Alexander Schnell
siehe www.stimme.de
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