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Die Krönung eines ehrgeizigen Großprojektes

     
 
 

23.6.06


 

Mit einem Sieg für Audi endete die 74. Auflage der 24 Stunden von Le Mans. Dabei schrieb der Autobauer Motorsport-Geschichte: Erstmals triumphierte ein Rennwagen mit Dieselmotor. Nach 380 Runden jubelte das Fahrer-Trio Frank Biela, Emanuele Pirro und Marco Werner.

Wolfgang Ullrich kann trotz aller Sachlichkeit, die sein Beruf mit sich bringt, ein sehr emotionaler Mensch sein. Als um kurz nach 17 Uhr die R 10 TDI unter dem Jubel des Teams über die Ziellinie rollen, steht der Audi-Motorsportchef mit Tränen in den Augen auf der Boxenmauer. „Jetzt fällt der ganze Druck ab“, sagt Ullrich. „Ich bin wahnsinnig stolz auf meine Mannschaft. Die Mechaniker, die Ingenieure, die Fahrer - alle haben einen fantastischen Job gemacht.“

Im Rennen gab es vor allem am Wagen mit der Sieben von Tom Kristensen, Rinaldo Capello und Allan McNish reichlich Arbeit für die Audi-Truppe. Bereits drei Stunden nach dem Start wurden die Injektoren des Dieselmotors getauscht, Capello hatte über Zündaussetzer geklagt. „Die Operation am offenen Herzen verlief erfolgreich“, sagte Motorenchef Ulrich Baretzky aus Neckarsulm. Dennoch stand der R 10 mehr als 20 Minuten in der Audi-Box.

Weitere unplanmäßige Reparaturpausen, bei denen ein Turbolader und der Unterboden gewechselt wurden, warfen das Trio noch weiter zurück. Nach einer furiosen Aufholjagd glückte mit Platz drei hinter dem Pescarolo-Judd von Eric Hélary/Franck Montagny/Sébastien Loeb noch der Sprung aufs Podest. In der Nacht auf Sonntag fuhr Le Mans-Rekordsieger Tom Kristensen gar Streckenrekord.

„ Auf den Geraden waren wir etwas langsamer, aber auf der Gesamtstrecke dann doch wesentlich schneller als der Rest“, sagte Frank Biela. Im Ziel hatte der langjährige Audi-Werksfahrer mit seinen Teamkollegen einen Vorsprung von vier Runden herausgefahren. Schlüssel zum Sieg war neben der Zuverlässigkeit auch der geringe Verbrauch des Zwölfzylinder-Diesels aus dem Werk Neckarsulm. „Wir konnten bis zum nächsten Boxenstopp stets zwei Runden länger draußen bleiben als die Konkurrenz“, sagte Ulrich Baretzky.

Sorgen bereiteten den Verantwortlichen bei Audi nur die hohen Temperaturen an der Strecke. Doch die V12 TDI-Motoren liefen nahezu wie ein Uhrwerk. 650 PS sind eine Zahl, die selbst den routiniertesten Rennfahrern bei Audi Respekt einflößt. „In den Kurven brauchte man sehr viel Gefühl“, sagte Tom Kristensen. „Da durfte man das Auto auf keinen Fall rutschen lassen und zu früh aufs Gas gehen.“

Die Konkurrenz sah einmal mehr nur die Rücklichter. Allen voran das Team von Henri Pescarolo. Dabei hatte sich die Mannschaft des viermaligen Le Mans-Siegers besonders gut vorbereitet. „Der Judd-Zehnzylinder ist eine völlige Neukonstruktion“, verriet der Franzose, „doch Audi war einfach zu stark.“ Rallye-Ass Sébastien Loeb freute sich dennoch: „Ich habe allen gezeigt, dass ich nicht nur über Stock und Stein richtig gut fahren kann.“

Mit dem Sieg an der Sarthe schloss Audi ein Kapitel in der 83-jährigen Geschichte des größten Wagenrennens seit Ben Hur. Mit einem Dieselmotor hat noch nie ein Hersteller den Sieg in Le Mans errungen. Audi war für das Rennen, das der Distanz einer kompletten Formel-1-Saison entspricht, top vorbereitet. Nach 30 000 Testkilometern und 1500 Stunden auf den Motoren-Prüfständen krönte Audi das bisher ehrgeizigste Motorsport-Projekt des Unternehmens. „In Serien-Autos hat der Diesel längst eine einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben“, sagte Audi-Chef Martin Winterkorn, „nun haben wir bewiesen, dass der Diesel auch im Motorsport für Furore sorgen kann.“

Doch: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. „Bei uns läuft in den nächsten Wochen bereits die Vorbereitung für 2007 an“, sagte ein Insider. Denn Audi erhält Konkurrenz: Peugeot tritt im nächsten Jahr ebenso mit einem über 700 PS starken Diesel-Zwölfzylinder an.

Quelle Heilbronner Stimme vom 20. Juni 2006 von Alexander Schnell siehe www.stimme.de

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