Zwei Millionen Euro hat das Bad Wimpfener Unternehmen Solvay in die Hand genommen, um eine neue Schiffsanlegestelle zu bauen. Landrat, Bürgermeister und Werks-Chef durchschnitten gestern das Band für die Zufahrt zur neuen Entladestelle für Flussspat.
250 000 Tonnen Waren erreichen jährlich die Tore der Solvay in Bad Wimpfen, rund zwei Drittel gelangen über den Wasserweg in die Stauferstadt. 100 Schiffe legen jährlich in Bad Wimpfen an, um das Solvay-Werk mit Flussspat zu versorgen.
In Namibia hat Solvay seit 1997 eine eigene Mine. Der gewonnene Rohstoff wird im Überseehafen Rotterdam umgeladen und auf Rhein und Neckar in die Region geschippert. Fluss-Spat ist lebenswichtig für das Wimpfener Unternehmen und andere Solvay-Standorte. Er ist das wichtigste Ausgangsmaterial für Fluorchemikalien.
Aus dem Flussspat wird Fluss-Säure hergestellt. Produkte auf der Basis dieser Verbindung gehören zum Kerngeschäft von Solvay. Beispiel Nocolok, das zum Löten von Aluminiumbauteilen, wie beispielsweise Autokühlern, eingesetzt wird. Solvay ist hier inzwischen Weltmarktführer. Oder Schwefelhexafluorid, das auch als Isoliergas in Hoch- und Mittelspannungsanlagen der Elektrizitätsversorger verwendet wird. Selbst in Wirkstoffkomponenten für die Malaria-Prophylaxe sind Fluorverbindungen enthalten.
Für den Leiter des Bad Wimpfener Werks, Dr. Thomas Müller, ist die Investition von zwei Millionen Euro ein Bekenntnis in den Standort Bad Wimpfen und die Zukunfts- und Beschäftigungssicherung. Müller: „Ich bin froh, in einem Unternehmen zu arbeiten, das diese Sichtweise noch zulässt.“
Die 100 000 Tonnen Flussspat, die jährlich Wimpfen erreichen, wurden seit den 80er Jahren an der Frießinger Mühle entladen. 10 000 Lkw-Fahrten waren bislang pro Jahr erforderlich, um das gemahlene Material vom Neckar 1,5 Kilometer quer durch Wimpfen im Tal zum Chemiewerk zu karren. Daher ist der Bau der neuen Anlegestelle unmittelbar vor der Neckarbrücke und vis-à-vis der Chemieanlagen eine große Entlastung auch für die Menschen, die Wimpfener Tal leben.
Durch den kurzen Weg vom Ufer zum Werk spart Solvay Zeit und Geld. Das ließe sich noch ausbauen, meint Rudi Holzmann. Der Werkskontrolleur hofft, dass der Neckar zur Bundeswasserstraße entwickelt werden kann. Größere Schleusenanlagen ermöglichten dann auch den kostengünstigeren Transport mit größeren Schiffen nach Europanorm. Darauf ist die 120 Meter lange Anlegestelle bereits ausgelegt.
„Die Solvay-Gruppe hat ein Stück weit Bad Wimpfens Geschichte mitgeschrieben“, blickte Landrat Detlef Piepenburg ins Jahr 1960 zurück. Damals hatte die zu Solvay gehörende Kali-Chemie eine Beteiligung an der Wimpfener Saline erworben, die vor 24 Jahren zu 100 Prozent in die Kali-Chemie AG eingegliedert wurde. Mit der neuen Schiffsanlegestelle als Investition in die Infrastruktur beweise Solvay, dass die Binnenschifffahrt auf dem Neckar auch künftig als betriebswirtschaftlicher Standortvorteil genutzt werden kann. „Die Investitionen von Solvay sind als Maßnahmen zur Sicherung des Bad Wimpfener Standorts zu werten.“
Auch in diesem Punkt war sich der Landrat mit Bürgermeister Claus Brechter einig, der die besondere Verbundenheit zwischen Werk und Stadt unterstrich. Diese wurde durch ein Geschenk des Werks an die Stadt deutlich. Thomas Müller: „Wir verzichten heute bei der Einweihung auf Kaviar und Champagner und stiften der Feuerwehr dafür lieber eine Wärmebildkamera.“ Eine großzügige Geste, die das Stadtsäckel um 12 000 Euro entlastet.
Quelle Heilbronner Stimme vom 27. Juni 2006 von Rolf Muth www.stimme.de
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