Die Auftragsbücher der baden-württembergischen Maschinenbauer sind prall gefüllt. Daher sollen bis Ende dieses Jahres 8000 neue Stellen entstehen. Doch während der Branchenverband VDMA mit der wirtschaftlichen Entwicklung zufrieden ist, steht die Politik der großen Koalition in der Kritik.
In den vergangenen Jahren hat sich der deutsche Maschinenbau vor allem als exportstarke Branche gezeigt. Nach der neuesten Konjunkturumfrage des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) Baden-Württemberg aber zeigt sich erstmals wieder ein anderes Bild: Das für das laufende Jahr prognostizierte Umsatzwachstum in Höhe von acht Prozent „wird vom In- und Ausland ziemlich im Gleichschritt getragen“, sagte VDMA-Geschäftsführer Ulrich Hermani gestern in Stuttgart. Das wäre für die Maschinenbaubranche mit ihren rund 255 000 Beschäftigten im Land das dritte Wachstumsjahr in Folge.
„Die Erholung vollzieht sich auf breiter Front“, ergänzte Thomas Lindner, Vorsitzender des VDMA-Landesverbandes. 80 Prozent der Unternehmen rechneten mit einem Umsatzwachstum. „Offensichtlich löst sich nunmehr der über Jahre aufgebaute Investitionsstau auf“, sagte Lindner. Die Kunden holten dringend notwendige Modernisierungsinvestition nach.
Die Auslandsmärkte hätten aber nicht an Dynamik verloren. Besonders positiv, berichtete Lindner, entwickelten sich vor allem Indien, Russland sowie Nord- und Südamerika sehr positiv. Der chinesische Markt stagniere nach einem leichten Rückgang auf hohem Niveau.
Die von der Konjunktur begünstigte Auftragssituation wirkt sich auch auf die Beschäftigtenzahl aus. Seit Mai 2005 sind in der baden-württembergischen Maschinenbaubranche 3000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Der Bedarf scheint dadurch noch lange nicht gedeckt zu sein, denn bis Ende dieses Jahres sollen noch einmal 5000 neue Stelle hinzukommen. „Vorausgesetzt“, schränkte Thomas Lindner ein, „wir finden qualifizertes Personal.“
Den Ingenieurmangel bezeichnete er als ein „Handicap ersten Ranges“ für den Standort Baden-Württemberg. Erst in drei bis vier Jahren würde sich die Situation durch die gestiegene Zahl an Studienanfängern entspannen. Bis dahin würden etliche Ingenieursstellen auch mit Technikern besetzt.
Gleichwohl liegen Neueinstellungen nicht an erster Stelle wenn es gilt, die anstehenden Aufträge abzuarbeiten. Häufiger setzen die Firmen auf Überstunden, Leiharbeit und eine Ausweitung der Arbeitszeitkonten. Lindner mahnte daher die Politik, „Beschäftigungsbremsen“ durch Veränderungen beim Kündigungsschutz und die einfachere Handhabe von befristeten Arbeitsverhältnissen zu lösen.
Die Arbeit der Regierung sei „ein Thema, das uns ernsthaft Sorgen macht“, sagte Lindner. Während die VDMA-Firmen optimistisch ins Jahr 2007 blickten und mit weiterhin anhaltendem Wachstum rechneten, kämen aus Berlin nur äußerst zögerliche Reformsignale. Vor allem die Interessen des Mittelstandes würden in vielen Fällen kaum gewahrt werden.
Quelle Heilbronner Stimme vom 11. Juli 2006 von Jochen Mayer www.stimme.de
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