Die Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung hat sich zum Erfolgsmodell entwickelt. Wesentliche Leistungsmerkmale ergeben sich durch die feste Anbindung an das Stamminstitut in Würzburg, das ein breites Know-how auf dem Gebiet der Werkstoffentwicklung und Kompetenz bei der technologischen Umsetzung hat.
High-Technik hinter Klostermauern: Zu einem "außerordentlichen Erfolgsmodell" hat sich die Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung (ISC) in Kloster Bronnbach entwickelt. Diese Anerkennung zollten neben anderen Rednern auch Landrat Reinhard Frank und Wertheims Oberbürgermeister Stefan Mikulicz im September 2005, als das zehnjährige Bestehen dieses wissenschaftlichen Zentrums gefeiert wurde. Und wirft man einen Blick hinter die Kulissen dieses Instituts, kann in der Tat festgestellt werden: "Technik aus Bronnbach erobert die Welt".
Klöster waren schon immer Kristallisationspunkte des geistlichen und geistigen Arbeitens, der Kompetenz, der Naturwissenschaften und Technik. Dies gilt auch für Kloster Bronnbach, in dem sich heute wieder Tradition und Innovation verbinden. So ist neben den Geisteswissenschaften auch die Forschung präsent.
Innovationen auf den Weg bringen, den unmittelbaren Technologietransfer fördern, Forschungs- und Entwicklungsprojekte kompetent bearbeiten und partnerschaftlich umsetzen, aber auch Dienstleistungen wie Analyseservice, Werkstattarbeiten im Geräte- und Maschinenbau sowie Prüfdienste und Qualitätssicherungsmaßnahmen für die regionale Wirtschaft bereit stellen: Das sind die Aufgaben, denen sich die Techniker und Wissenschaftler der Fraunhofer-Einrichtung in Bronnbach verschrieben haben, und zwar sehr erfolgreich.
Wesentliche Leistungsmerkmale ergeben sich durch die feste Anbindung an das Stamminstitut in Würzburg, das ein breites Know-how auf dem Gebiet der Werkstoffentwicklung und Kompetenz bei der technologischen Umsetzung hat. Der gemeinsame Bereich Glas bildet dabei das Bindeglied dieser Verknüpfung, wobei die verschiedenen Schwerpunkte sich einander ergänzen.
In Bronnbach arbeiten insbesondere Glasexperten im Spannungsfeld zwischen dem Schutz von Kulturgütern und industrieller Entwicklung neuer Technologien, wie es weiter auch in der Broschüre "Wirtschaftsstandort Wertheim" heißt. Das interdisziplinäre Team aus rund 20 Materialwissenschaftlern, Chemikern und Maschinenbauern untersucht neue Prüfmethoden, erarbeitet komplette Schutz- und Beschichtungsprogramme für gefährdete Kulturgüter und entwickelt moderne Bearbeitungstechnologien.
Die Kompetenz rund um das Material Glas steht dabei immer im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit. Denn wie sich Glas gegenüber Flüssigkeiten, Gasen und Temperatur verhält, muss genau bekannt sein, um etwa eine hochmoderne Einbrennmethode für Glasemaille oder genau angepasste Konservierungsmaterialien für ein von Korrosion gefährdetes Kulturgut zu entwickeln. So befasst sich die international tätige Arbeitsgruppe "Kulturgüterschutz" in Bronnbach bei ihren Forschungen mit der Restaurierung und Konservierung für die Denkmalpflege und für Museen. Dabei entwickelt sie spezielle Umweltmesstechniken und -simulationen zur Bestimmung von Schadstoffeinflüssen und korrosiven Belastungen.
Dass "High-Tech im Kloster", aber auch "Forschung ohne Mauern" bedeutet, belegt die Außenstelle mit ihrem Seminar- und Weiterbildungsprogramm beispielsweise für Restauratoren oder Archäologen und rundet damit ihr Dienstleistungsangebot in Bronnbach ab.
Wie Wissenschaft und Industrie erfolgreich zusammenarbeiten, wird ebenso im Bereich Mess- und Prozesstechnik deutlich. So bieten die Ingenieure ihre Leistungen auch für den Bau von Spezialanlagen und im Gerätebau an. Vier Geräte hat der eingetragene Maschinenbaubetrieb mittlerweile auf den Markt gebracht, wie Dr. Andreas Diegeler, der Leiter der Bronnbacher Außenstelle, in einem Vortrag unter dem Titel "Technik aus Bronnbach erobert die Welt" erläuterte.
So ist "Autojust" ein computergesteuertes Justiergerät für Mess-, Vollpipetten und Bürettenrohre, während "Aquajust" ein ebenfalls computergesteuertes Justiergerät für Messkolben und -zylinder darstellt. "Speedcal" dagegen kann Kolbenhubpipetten innerhalb von zehn Minuten auf ihre Genauigkeit überprüfen. Und dank "Tommi" können bei thermischen Prozessen die optischen Veränderungen einer Probe gemessen werden. Auch Masseverluste sowie die Veränderung einer Probe unter Krafteinwirkung kann "Tommi" bestimmen. Letzteres ist beispielsweise bei der Erforschung von Bremsen unerlässlich.
Derzeit werden in Bronnbach neue Brennstoffzellen für das Unternehmen BMW entwickelt. Zudem sind die Wissenschaftler mit der Erarbeitung von Vakuum-Isolier-Glas beschäftigt, das doppelt so gut dämmen kann, aber nur halb so teuer sein soll wie ein Standardglas. Maschinen und Geräte aus Bronnbach werden in die ganze Welt exportiert. Derzeit konzentriert sich der Markt vor allem auf den amerikanischen und asiatischen Raum. Und hier schließt sich der Kreis: "Technik aus Bronnbach erobert die Welt."
Quelle Fränkische Nachrichten vom 29. Juli 2006 von Bernhard Müller www.fnweb.de
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