Der Maschinenbau boomt. Noch in diesem Jahr sollen in Baden-Württemberg 5000 Arbeitsplätze in dieser Branche besetzt werden. Bewerber für die Stellen gibt es nur wenige. Ob für Vertrieb, Konstruktion oder Produktion - einigen Hohenloher Firmen fehlen Ingenieure.
Ingenieur bei Bausch und Ströbel in Ilshofen, Leiter der Konstruktionsabteilung bei Sigloch Maschinenbau in Blaufelden oder
Vertriebsingenieur in der Optima-Gruppe - wer einen Arbeitsplatz als
Ingenieur sucht, wird fündig. Die Stellenausschreibungen stehen auf den Internetseiten der Unternehmen. Im deutschen Maschinen- und Anlagenbau fehlen einer Branchenumfrage zufolge rund 7000 Ingenieure, so der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).
"Auf die Annonce im Internet war die Reaktion gleich null", klagt
Professor h.c. Helmut Sigloch, Chef der Sigloch-Gruppe, die unter anderem im Bereich Maschinenbau tätig ist. Selbst wenn sich ein paar Ingenieure auf eine Stellenanzeige melden, ist oft nicht der richtige dabei: "Mit einem Raketenbauer oder einem Ventilingenieur kann ich nichts anfangen", sagt Sigloch. Je weniger Bewerber, um so geringer die Chance, dass der passende dabei ist, erläutert Norbert Fath, Personalchef vom erpackungsmaschinenbauer Gerhard Schubert. Immerhin 30 Bewerber meldeten sich auf die letzte Stellenausschreibung bei Bosch in Crailsheim, teilt die dortige Personalabteilung mit. "Vielleicht hängt das damit zusammen,
dass Bosch ein attraktiver Arbeitgeber ist", vermutet eine Mitarbeiterin des Betriebs, der Verpackungsmaschinen für Pharmazeutika entwickelt. "In dieser Region herrscht eine hohe Identifikation mit dem Arbeitgeber, die Ingenieure sind nicht wechselwillig", hat Fath bemerkt. Anreize müssten gemacht werden, zum Beispiel mit mehr Geld. Allerdings herrsche, nach
Auskunft von Fath, zwischen den Firmen in der Region ein unausgesprochenes Übereinkommen, dass die Gehälter nicht exorbitant steigen. Das scheint Teil der Hohenloher Firmenkultur zu sein.
Wege aus der Krise
Es gibt mehrere Ansätze, Mitarbeiter zu finden. Einer ist, Ingenieure in
ganz Deutschland zu suchen. "Das Problem daran: Die Leute wissen nicht, wo Blaufelden liegt", sagt Helmut Sigloch. Auch Fath sagt: "Der Raum Hall-Crailsheim schreckt viele ab, weil er zu ländlich ist". Hohenlohe sei auf den ersten Blick nicht attraktiv. Wohnen die Mitarbeiter aber erst einmal hier, würden sie schon die Vorzüge zu schätzen wissen. Ein Problem bleibe aber die Mobilität: "Wenn ein Amerikaner in New York lebt, ist es für ihn kein Problem, acht Tage später mit seiner Familie nach Los Angeles zu ziehen und dort eine neue Stelle anzunehmen." Der deutsche Ingenieure hängt offensichtlich enger an seiner Scholle. "Ich kann das schon
verstehen, wenn man eine Familie hat und ein Haus baut, ist man nicht so flexibel", räumt Sigloch ein.
Wäre es eine Lösung, Ingenieure aus dem Ausland anzuwerben? "Wir hatten einen Mitarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien bei uns, der ist aber nach ein paar Wochen wieder gegangen", sagt Sigloch. An der Arbeit hätte es nicht gelegen, der qualifizierte Mitarbeiter hätte aber Probleme gehabt, sich hier in der Region zu integrieren. Arbeitskräfte aus dem Ausland seien dennoch ein Thema. So finanziert Sigloch derzeit drei Russen und zwei Chinesen ein Studium an der Berufsakademie. "Wir bekommen immer wieder Anfragen aus dem Ausland", sagt Fath. Ob der Ingenieur eine Zusage erhält, hänge aber entscheidend von seinen Qualifikationen ab.
Alle befragten Firmenvertreter haben bereits ältere Ingenieure eingestellt und wollen das weiterhin tun. "Die Mitarbeiter müssen aber eine hohe Bereitschaft zeigen, sich zu integrieren und die entsprechenden Qualifikationen vorweisen", sagt Fath. In der Regel falle es einem jungen Hochschulabsolventen leichter, sich der Firmenkultur anzupassen. Schon jetzt würde Schubert gute Erfahrungen machen, mit Absolventen der Fachhochschulen in der Umgebung, wie Heilbronn, Künzelsau und Nürnberg, sagt Fath. "Wenn ich die Studienzahlen anschaue und sehe, dass die Konjunktur
weiter ansteigt, wird schon ein kleiner Engpass entstehen", befürchtet der Personalchef. "Ein Schreckenszenario halte ich allerdings für
übertrieben." Auch Helmut Sigloch sieht Anzeichen für ein weiteres
Wachstum und einen Mangel an Ingenieuren: "Wir sind stark in Osteuropa vertreten und dort sieht man: Die Öl-Dollars kommen wieder zurück". In Russland investiere man in Maschinen. Viele davon kommen aus Deutschland. Eine Lösung, mehr Ingenieure zu finden, sieht Sigloch in einer Stärkung der Fachhochschulen in der Region: "Wenn wir eine FH für Maschinenbau in der Ecke hätten, wären wir mit dabei."
Die Konzentration auf den Nachwuchs scheint berechtigt. Denn die Agentur für Arbeit in Hall meldet, dass es nur fünf arbeitslose Ingenieure in der Region gibt. Darunter sind allerdings nicht nur Maschinenbauer, sondern auch Vermessungs- und Bergbauingenieur.
Quelle Hohenloher Tagblatt vom 19. August 2006 von Tobias Würth www.hallertagblatt.de.
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