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Wüsten-rote Tonkübel aus Finsterrot für die Oper in Sydney

     
 
 

8.9..06


 

Fast mannshohe Pflanzkübel aus der Finsterroter Werkstatt der Lautertalkeramik schmücken bald das Opernhaus in Sydney. Die Tüftler Volker Wunderlich und Roland Wurst sind mächtig stolz und werden ihr Produkt an Ort und Stelle in der australischen Metropole in Augenschein nehmen.
 
 „Dest. Sydney Opera House Darling Harbour“ steht in schwarzen Lettern als Adresse auf einer der zwei Meter hohen Holzkisten. Darüber ein Prüfzeichen. „Eine Besonderheit“, erklärt Volker Wunderlich, Mitarbeiter der Lautertalkeramik. Der Prüfcode bestätigt, dass das Holz gegen die Larven der Sirex-Wespe behandelt wurde. Eine Import-Vorschrift für Down Under.

Neben der Transportkiste stehen die beiden Exemplare: unten schlank, oben bauchig, aus naturbelassenem Ton mit einem Strukturmuster, einer Baummaserung nachempfunden. 1,60 Meter groß und etwa 200 Kilogramm schwer sind die Pflanzkübel aus den Brennöfen der Lautertalkeramik. „Wüsten-rot“ nennt Wunderlich diese Farbe - doppelt passend, einmal für seinen Wohnort, einmal für den Bestimmungsort, den „roten Kontinent“ mit seinen ausgedehnten Wüstenlandschaften. Mit einem Luftpolster arretiert werden die tönernen Dekorationselemente auf eine lange Reise geschickt. Zuerst im Container per Lkw nach Hamburg, von dort per Schiff in etwa vier Wochen in den Hafen Sydneys, wo die berühmte „Muschel“ steht.

Wie kamen Volker Wunderlich und Roland Wurst, Ingenieur für keramische Verfahrenstechnologie, an den Auftrag, für den sie extra eine Werkstatt in Finsterrot eingerichtet haben? Ihr australischer Vertriebspartner sponsert das Opernhaus und wünschte sich große Pflanzkübel. Weil asiatische Hersteller dem nicht nachkommen konnten, wandte er sich an die Lautertalkeramik von Heike Becker in Wüstenrot-Neulautern.

Sollte kein Problem sein, könnte man meinen. Doch die Größe ist der Knackpunkt. Solche Maße seien ein Novum in der Keramik, sagt Wunderlich, der auch nur von einem einzigen Anbieter in Europa, in den Niederlanden, weiß. Ein halbes Jahr lang experimentierten die beiden Männer. „Die Formgebung hatten wir relativ schnell im Griff“, sagt Wunderlich. Die Tücken waren das Material und die Technik. Gefäße explodierten im Ofen. „Die ersten zehn waren kaputt“, erinnert sich Wurst. „Das ist das Lehrgeld, das man bei einer solchen Entwicklung bezahlt.“

Präziser formuliert: rund 25 000 Euro. Die hat der Handwerksbetrieb investiert, zum Beispiel in die Spezialanfertigung eines Brennofens. Da die tönernen Rohlinge, die auf der Töpferscheibe mit Hilfe einer Schablone entstehen, ein lichtes Maß von zwei Metern haben, sind die Elektro-Öfen im Dreierpack gestapelt zehn Zentimeter höher.

Auf die Qualität des Rohmaterials kommt es an. Eine Dachziegelmasse aus einer Tonlagerstätte im Westerwald verwenden Wunderlich und Wurst. Diese Spezial-Tonmischung verschmilzt bei niedriger Temperatur, „wird dicht und frostsicher“, erklärt Wurst die Vorzüge. Zwei Tage dauert der Brennprozess bei bis zu 1040 Grad Celsius.

„Natürlich ist das ein riesiger Werbeeffekt für uns“, sind Wunderlich und Wurst stolz auf den Standort ihrer Neuentwicklung, den sie Anfang 2007 selbst aufsuchen werden. Sollten die Pflanzkübel vor dem Haupteingang platziert werden, dann wird in vielen privaten Alben die Dekoration aus dem fernen Deutschland verewigt sein. Die Oper von Sydney ist ein beliebtes Motiv für Hochzeitsfotos.

Quelle Heilbronner Stimme vom 8. September 2006 von Sabine Friedrich www.stimme.de

www.icma.de

 
         
         
 
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