Heilbronn will aus dem ehemaligen Fabrikgebäude Hagenbucher ein Science Center für Naturwissenschaft und Technik machen. Zwölf Millionen Euro sind dazu notwendig. Die Stadtspitze informierte gestern die Gemeinderäte in einer internen Sitzung des Verwaltungsausschusses.
Auf allen Ebenen der Verwaltung wurde in den Monaten seit der Präsentation einer Machbarkeitsstudie an dem Vorhaben gearbeitet. Konzept, Personalausstattung waren der eine Schwerpunkt, der andere natürlich dies: die Finanzen.
Fünf der zwölf Millionen Euro hat die Verwaltungsspitze jetzt zusammen, auf eine weitere Million hofft man noch. Die Wirtschaft beteiligt sich an den Kosten für Umbau und Ausstattung dessen, was Heilbronns Kultur- und Bildungsbürgermeister Harry Mergel eine „Lern- und Erlebniswelt“ nennt. Vier Namen sind nach Recherchen unserer Zeitung im Gespräch für die Sponsorengelder aus den Geldbörsen der Wirtschaft, unter anderem der Künzelsauer Unternehmer Reinhold Würth und mit dem größten Einzel-Anteil die Stiftung des Heilbronner Unternehmers Dieter Schwarz.
Gibt der Gemeinderat Heilbronn am 5. Oktober seine Zustimmung in einem Grundsatzbeschluss, dann kann die Stadtspitze weitere Sponsoren mit ins Boot holen. Denn je nachdem wie die Finanzhilfen des Landes aussehen, muss Heilbronn bis zur geplanten Eröffnung Ende 2009 mindestens 1,7 Millionen, im schlimmsten Falle aber sechs Millionen Euro aus eigenen Geldquellen finanzieren. Beispielsweise könnten Staatszuschüsse fließen für das Sanierungsgebiet Altstadt, in dem das Speicher- und Fabrikgebäude der ehemaligen Ölmühle Hagenbucher steht.
Das Science Center im Hagenbucher, für das noch kein Name feststeht, könnte das erste in Süddeutschland werden. Bisher sind die interaktiven Wissenschaftserlebniswelten vor allem im Norden Deutschlands und im Ausland anzutreffen. Stuttgarts OB Wolfgang Schuster träumt seit seinem letzten Wahlkampf von einem „Science Center für Mobilität“, doch sein Gemeinderat hat sich schon über den Standort heillos zerstritten.
Streitpunkt in Heilbronn könnten zwei Dinge werden. Zum einen: Die Rathausspitze möchte das Naturhistorische Museum in das Science Center integrieren - sein Personal, die Exponate und sein Budget müsste dazu aus den städtischen Museen herausgelöst werden. Der Hagenbucher soll eine private Rechtsform, möglicherweise eine Betriebs-GmbH bekommen. 5,5 Vollzeitstellen und weitere Besucherbetreuer in Teilzeit sind die Personalausstattung. 1,5 Millionen Euro werden als jährliche Betriebsausgaben geschätzt. Nur mit Hilfe des Budgets des Naturhistorischen Museums von 304 000 Euro wäre diese Summe zu finanzieren. Die Immobilie in der Kramstraße, jetziger Standort dieses Museumsteils, könnte verkauft werden.
Zweiter Anlass für Unstimmigkeiten könnte die bisherige Nutzung des Hagenbucher werden. Dort hat die Heilbronner Künstlerin Mechthild Bauer-Babel einen Anziehungspunkt für Neue Kunst geschaffen. Im Science Center-Konzept der Stadtspitze ist dafür kein Platz mehr.
Aufmerksamkeit erhofft sich Heilbronn in einem Umkreis von bis zu eineinhalb Stunden Anfahrtsweg. 65 000 Besucher könnten es im ersten Betriebsjahr sein, ab dem vierten Jahr will man 90 000 Gäste anlocken. Die Macher des Flensburger Science Centers „Phaenomenta“, die für Heilbronn im Frühjahr eine Machbarkeitsstudie fertigten, errechneten gar ein Potenzial von 125 000 Besuchern. Sie hatten für den Hagenbucher ein Restaurant auf dem Dach des Ziegelsteingebäudes am Neckar vorgeschlagen, ebenso einen privatwirtschaftlichen Betreiber.
Leiter des Science Center soll der Leiter des Naturhistorischen Museums, Dr. Wolfgang Hansch (Jahrgang 1954), werden. Der Diplom-Geologe, habilitierte sich 1991 und war bis 1993 Privatdozent. In Heilbronn war er für die Besuchermagneten der Städtischen Museen verantwortlich - die Eiszeit- und die Bionik-Ausstellung - letztere im Hagenbucher. Dem Verwaltungsausschuss und den Medien wurden gestern Abend erste Pläne vorgestellt.
Quelle Heilbronner Stimme vom 26. September 2006 von Iris Baars-Werner
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