Hyundai hat ehrgeizige Ziele: Bis 2010 will die koreanische Marke mit ihrem Partner Kia zu den fünf größten Automobilkonzernen der Welt gehören. Dabei spielt vor allem der europäische Markt eine entscheidende Rolle, wie das Management am Rande des Autosalons in Paris bekannt gab. Hyundai managt sein Deutschlandgeschäft in der Region Heilbronn-Franken.
Hyundai ist auf dem Weg nach oben. Erst vor kurzem haben die Koreaner mit etwas mehr als 3,7 Millionen verkauften Fahrzeugen jährlich den Mitbewerber Nissan überholt. Damit ist der Autobauer im Verbund mit Kia nun auf den sechsten Platz der weltgrößten Autobauer aufgerückt. Am nötigen Selbstbewusstsein mangelt es in der Chefetage daher nicht. Auf die Frage, wen er als stärksten Konkurrenten auf dem Markt sieht, antwortet Bong Gu Lee, Executive Vice President der Hyundai Motor Company kurz und knapp: „Niemanden.“
In der Tat fahren die Koreaner auf der Überholspur. Von 1998 bis heute wurde der weltweite Absatz verdreifacht, bei der aktuellen J. D.- Power-Studie belegt Hyundai bei der Qualität den dritten Platz - noch vor dem gleichermaßen verhassten wie bewunderten Erzfeind Toyota. Dabei will man es in Seoul aber nicht belassen: Hyundai will weiter nach oben. „Wir werden an unserer Strategie festhalten, Werke auf der ganzen Welt zu eröffnen“, sagt Bong Gu Lee. „Zudem wollen wir die Entwicklungszeit für unsere Fahrzeuge von 24 auf 18 Monate senken, um schneller auf Trends reagieren zu können.“
Eine große Stärke Hyundais ist, den Markt genau zu beobachten. Die Koreaner bauen ganz bewusst kein Weltauto, sondern reagieren gezielt auf die unterschiedlichen Ansprüche der einzelnen Märkte. Beispiel Getz: Während der Kleinwagen in Korea oder den USA keine Rolle spielt, ist er in vielen europäischen Ländern - wie etwa Deutschland - das mit Abstand erfolgreichste Modell der aufstrebenden Marke.
Stichwort Europa. Im vergangenen Jahr hat Hyundai hier 350 000 Fahrzeuge verkauft. „Diese Zahl wollen wir bis 2010 verdoppeln“, gibt Lee die Richtung vor. „Um global weiter aufzusteigen, müssen wir in Europa Erfolg haben.“ Ihren Angriff auf die Konkurrenz planen die Koreaner vom tschechischen Nosovice aus. Dort ist in Kürze Baubeginn für ein neues Werk. Rund 1,3 Milliarden Euro investiert der Konzern, damit in der zweiten Jahreshälfte 2008 die ersten Fahrzeuge vom Band rollen. Läuft die Fabrik unter Volllast, ist eine Kapazität von 300 000 Autos und 600 000 Getrieben pro Jahr möglich.
Die Fabrik ist der eine, die Modellpalette der andere wichtige Punkt. In Paris zeigt Hyundai die Studie Arnejs, die einen Ausblick auf ein neues Fahrzeug im C-Segment gibt. In der so genannten Golf-Klasse sind die Koreaner bislang unterrepräsentiert. 2007 kommt die Serienversion des Arnejs auf den Markt - im Frühjahr als Fünftürer, im Herbst folgt erstmals ein für Europa so wichtiges Kombimodell. „2008 schieben wir noch ein Cabrio-Coupé mit vier vollwertigen Sitzplätzen nach“, verrät Hyundai-Manager Lee. „Mit diesen drei Modellen sollten wir den europäischen Geschmack treffen.“
Bis 2010 wollen sich die Entwickler jedes Segment vornehmen, bis dahin soll sogar ein zweiter Kombi folgen. Dabei setzt vor allem Hyundai Motor Europe in Rüsselsheim nicht nur auf den Preis, sondern verstärkt auf die Optik der neuen Fahrzeuge. „Wir wollen unsere Kunden nicht nur mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungsverhältnis überzeugen, sondern mit viel Emotionen auch das Herz ansprechen“, sagt Bong Gu Lee.
Der deutsche Importeur mit Sitz in Neckarsulm wird ebenfalls in die Pflicht genommen. Bis 2010 soll der Absatz hierzulande von 52 000 auf 90 000 Autos jährlich steigen. „Wenn die Lücke in der Golf-Klasse geschlossen wird, dann packen wir das auch“, sagt Deutschlandchef Karl-Heinz Engels. „Zudem wird uns das Engagement als Sponsor der Fußball-Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und in Österreich einen weiteren Imageschub geben und die Bekanntheit von Hyundai in Europa erneut steigern.“
Quelle Heilbronner Stimme vom 29. September 2006 von Alexander Schnell www.stimme.de
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