Noch steckt die Zukunft im Labor, denn zurzeit arbeitet die Neckarsulmer Bechtle AG mit fünf mittelständischen Pilotkunden am „Systemhaus der Zukunft“ und damit am größten Wandel in 20 Jahren Systemhausgeschichte.
„Wir sind noch in der Laborphase“, sagt Vorstandschef Ralf Klenk. Im nächsten Jahr soll die Systemhaussparte aber wieder wachsen - nach neun Monaten stagnierte die umsatzstärkere der beiden Bechtle-Sparten bei 567 Millionen Euro Umsatz. Das Ergebnis war sogar weiter rückläufig.
Der Umbau der Sparte, die sich aus 60 unabhängig agierenden Systemhäusern in Deutschland und in der Schweiz zusammensetzt, ist grundlegend. „Das ist der größte Wandel in 20 Jahren Systemhausgeschichte“, sagt Klenk - getrieben werde er vom Bedarf der Kunden und vor allem von der Technologie. Als Marktführer möchte er ihn aktiv mitgestalten.
„Für den Anwender wird die IT-Welt immer einfacher, die Technik dahinter wird aber immer komplexer“, sagt Klenk. Zum Beispiel, wenn es um die Sicherheit der Computersysteme geht. „Ein normaler Mittelständler hat gar nicht mehr die Leute, die er braucht, um ihre Firewall immer up to date zu halten.“ Die Folge für Bechtle: Immer mehr Kunden kaufen nicht mehr nur den Computer und die passende Software, sondern brauchen auch jemanden, der die Systeme betreibt. „Das ist ein völlig anderes Aufgabensprektum“, sagt Klenk. Und erfordere einen komplett anderen organisatorischen Ablauf. „Der Betrieb der IT wird eine ganz normale Dienstleistung werden - wie die Kantine oder das Fuhrparkmanagement.“
Neben einem Qualifizierungsprogramm für weniger qualifizierte Mitarbeiter hat das Unternehmen deswegen auch ein zentrale Einheit geschaffen, über die sämtliche Servicemitarbeiter bundesweit gesteuert werden. „Erst durch Größe wird eine solche Dienstleistung für den Kunden bezahlbar.“ Deswegen sieht Klenk die Bechtle AG in ihrer Struktur auch für die Zukunft gut aufgestellt.
Derweil sorgt die vom Wettbewerb lange Zeit belächelte Handelssparte um Bechtle direkt für die positive Umsatzentwicklung und steigende Gewinne: Der deutlich kleinere Teilbereich steuerte nach neun Monaten mit 17,2 Millionen Euro fast zwei Drittel zum Konzerngewinn bei. Mit dem so gewonnen „kleinen Ergebnispolster“ im Rücken hat Klenk gestern die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr leicht angehoben - auf mindestens 42 Millionen Euro.
Von März 2007 an wird Thomas Olemotz Finanzvorstand der Bechtle AG. Nach Stationen bei der Westdeutschen Landesbank und der Deutsche-Bank-Gruppe war der 44-Jährige zuletzt fünf Jahre lang Finanzvorstand der Microlog Logistics AG. Klenk, der das Finanzressort in der neuen Konzernstruktur kommissarisch mit übernommen hat, möchte sich dann wieder verstärkt um den Vertrieb im Systemhausgeschäft kümmern.
Quelle Heilbronner Stimme vom 16. November 2006 von Manfred Stockburger www.stimme.de
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