Aufschwung 2006 setzt sich 2007 voraussichtlich verlangsamt fort - Konjunkturelle Belebung greift auf Arbeitsmarkt über
Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister rechnet damit, dass sich der Wirtschaftsaufschwung dieses Jahres auch 2007 in Baden-Württemberg fortsetzt, wenn auch in verlangsamter Form. „Besonders freut mich, dass sich die wirtschaftliche Belebung zusehends positiv auf den Arbeitsmarkt niederschlägt. Wir werden in Baden-Württemberg die im Ländervergleich niedrigste Arbeitslosenquote von unter sechs Prozent aller Voraussicht nach 2007 noch weiter senken können“ sagte Pfister heute in Stuttgart.
Die Wirtschaftsbilanz Baden-Württembergs sei in diesem Jahr sehr positiv ausgefallen. Für das Gesamtjahr 2006 rechnet Pfister mit einem starken Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent. Nur einmal in den letzten 14 Jahren hat es ein höheres Wachstum gegeben. „Im Einklang mit den rauschenden Fußballweltmeisterschaftsspielen im Land haben die baden-württembergischen Unternehmen ihre Stärke und Leistungskraft voll ausgespielt und die Wirtschaft auf einen kräftigen Wachstumspfad gebracht. Baden-Württemberg ist Konjunkturlokomotive für ganz Deutschland, selbst Bayern hat sich in den letzten zwei Jahren nicht so dynamisch entwickelt wie Baden-Württemberg“, so Pfister wörtlich.
Trotz der negativen Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung auf die Konsumnachfrage erwartet Pfister für das Jahr 2007 eine Fortsetzung des Aufschwungs, allerdings gegenüber 2006 verlangsamt.
Die Dynamik des Welthandels und der Investitionen wird weiter anhalten und die Industriekonjunktur stützen. Anknüpfend an die aktuelle Prognose des Sachverständigenrats (+ 1,8 Prozent für Deutschland) hält Pfister ein Wachstum für Baden-Württemberg von 2 bis 2 ½ Prozent für wahrscheinlich.
Pfister zeigte sich sehr erfreut, dass die überdurchschnittliche Dynamik der baden-württembergischen Wirtschaft sich in einer spürbaren Belebung auf dem Arbeitsmarkt niedergeschlagen hat und die konjunkturelle Arbeitslosigkeit zurückging. In diesem Jahr kam es zu einer deutlichen Zunahme der offenen Stellen, die den Anstieg der Erwerbstätigkeit in Gang gesetzt hat. Nicht nur Minijobs oder Ein-Eurojobs nahmen deutlich zu, sondern auch die wichtige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. All dies führte im Gesamtjahr 2006 zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 80.000 Personen auf 310.000 Personen im Oktober 2006 und einer Arbeitslosenquote, die am Jahresende wieder unter 6 Prozent liegt. Pfister ist zuversichtlich, dass im nächsten Jahr die Arbeitslosenzahlen sogar deutlich unter die 300.000-Marke gesenkt werden können. „Die günstigen Voraussetzungen für den Arbeitsmarkt sind vorhanden und müssen genutzt werden. Politik und Wirtschaft sind gefordert, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Sorgenkinder des Arbeitsmarktes - die Langzeitarbeitslosen und die Geringqualifizierten - in Arbeit zu bringen. Nächstes Ziel muss es sein, die Arbeitslosenquote wieder in die Nähe von 5 Prozent zu bringen. Auch die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt muss im nächsten Jahr unbedingt verbessert werden“, sagte Pfister. „Die Wirtschaftspolitik des Landes wird dies kräftig unterstützen. Ganz wichtig ist aber, dass die Bundesre¬gierung zügig beschäftigungshemmende Arbeitsmarktbestimmungen abschafft!“
Wirtschaftlicher Aufschwung steht auf breitem Fundament
Die im Land glänzend laufende Konjunktur führte Pfister darauf zurück, dass in diesem Jahr der konjunkturelle Schwung sowohl von der Exportwirtschaft als auch von der Binnenwirtschaft kam, wodurch die Konjunktur fester und widerstandsfähiger geworden sei. Trotz des markanten Öl- und Rohstoffpreisanstiegs sei die Konjunktur das gesamte Jahr über auf Hochtouren gelaufen. Bereits im 1. Halbjahr 2006 erzielte die baden-württembergische Wirtschaft mit 3,3 Prozent ein bemerkenswert hohes Wachstum: „Auch in der zweiten Jahreshälfte setzte sich die wirtschaftliche Dynamik unvermindert fort.“
Der Aufschwung sei diesmal von allen Bereichen der inländischen Verwendung getragen worden. Infolge der deutlich gestiegenen und mittlerweile überdurchschnittlichen Kapazitätsauslastung hätten die Unternehmen kräftig ihre Produk¬tionsanlagen sowie ihren Fahrzeug- und Maschinenpark erweitert. Die hohe Zunahme der gewerblichen Bauten sei ebenfalls Folge der Kapazitätsausweitung und damit der positiven Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen gewesen. Für den Anstieg beim Wohnungsbau wären Sondereinflüsse wie die Abschaffung der Eigenheimzulage und Vorzieheffekte aufgrund der anstehenden Erhöhung der Umsatzsteuer verantwortlich.
Ebenso spielten beim Zuwachs der privaten Konsumausgaben Sondereinflüsse eine wichtige Rolle. Pfister führte dies darauf zurück, dass die privaten Haushalte im zweiten Halbjahr 2006 vermehrt Käufe von langlebigen Konsumgütern vorgezogen hätten, um die zum 1. Januar 2007 anstehende Anhebung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte zu vermeiden. Zudem hätten auch die Belebung des Arbeitsmarktes und die besseren Beschäftigungsaussichten den Konsum positiv beeinflusst.
Der Wirtschaftsminister befürchtet jedoch, dass die Bundesregierung im nächsten Jahr die jetzt endlich in Gang gesetzte Inlandskonjunktur gefährdet. „Mit der Erhöhung der Umsatzsteuer verspielt man die Chance, Wachstum und Beschäftigung zu verstetigen!“
Exportwirtschaft boomt
In diesem Jahr steuern die baden-württembergischen Exporteure erneut auf ein Rekordergebnis zu. Nach den vorliegenden Januar bis September-Ausfuhrergebnissen zeichnen sich für das gesamte Jahr 2006 Warenausfuhren in Höhe von 137 Milliarden Euro ab. Obwohl in diesem Jahr der Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar um fast 8 Prozent gestiegen ist, wird das bereits schon im Vorjahr hohe Ausfuhrergebnis nochmals um 12 Prozent gesteigert.
Pfister erklärte, dass die gut laufende Weltkonjunktur und die Wettbewerbsstärke baden-württembergischer Produkte, allen voran Investitionsgüter, den Exportboom ausgelöst hätten.
Vor allem die Paradebranchen des Landes hätten kräftige Auftragsbestellungen aus dem Ausland erfahren. Im Kraftfahrzeugbau und den Branchen des elektrotechnischen Bereichs seien Exportzunahmen von jeweils 18 Prozent und im Maschinenbau von 9 Prozent verzeichnet worden. Im Metall- und Eisenwarenbereich sowie in der Chemie sei es sogar zu Exportsteigerungen von 24 Prozent bzw. 20 Prozent gekommen.
Die höchsten Exporterfolge erzielten die Exporteure auf dem asiatischen Markt. 2006 wurden fast 19 Prozent mehr Waren in die asiatischen Länder, in die 13 Prozent aller Produkte des Landes exportiert werden, abgesetzt. Neben den kauffreudigen ölexportierenden Ländern des Nahen und Mittleren Ostens verlief das Exportgeschäft im ost- und südostasiatischen Raum wieder dynamischer als im vergangenen Jahr. Hierfür war vor allem die besonders hohe Exportnachfrage aus China (+ 30 Prozent) verantwortlich.
Ein enorm dynamischer und wichtiger Absatzmarkt blieb der nordamerikanische Raum (NAFTA), der 14 Prozent der baden-württembergischen Produkte aufnimmt. Hier nahm die Warenausfuhr um 14,5 Prozent zu.
In die Europäische Union – dem größten Absatzmarkt, 56 Prozent der baden-württembergischen Produkte werden dort abgesetzt - fiel der Exportzuwachs mit 11 Prozent nicht ganz so hoch aus. Weil in den großen Exportabnehmerländern Frankreich und Großbritannien nur Exportzunahmen von 8 Prozent erfolgten, verlief das Exportwachstum in die Europäische Union gegenüber dem Exportwachstum in die Länder der Welt unterdurchschnittlich. Der Export mit den neuen Beitrittsländern sowie mit den Niederlanden, Belgien und Österreich wurde allerdings weiter stark ausgeweitet.
Industrie auf Hochtouren - Inlandnachfrage steigert Produktion und Umsatz
Die Schubkraft des Exportbooms brachte vor allem die Industriebereiche, und hier besonders die traditionell starken Investitionsgüterbranchen auf Hochtouren.
„Das Auslandsgeschäft boomte bei allen Produktionssparten und das Inlandsgeschäft war das gesamte Jahr über im Trend klar aufwärts gerichtet und gab der Industriekonjunktur ein ganz wichtiges zweites Standbein“, erklärte der Minister.
Binnen Jahresfrist wurde von Januar bis September die Industrieproduktion um 6 ½ Prozent ausgeweitet. Die preisbereinigten Umsätze stiegen insgesamt um 8 Prozent, wobei die Inlandserlöse um 3 ½ Prozent und die Auslandserlöse um 12 ½ Prozent zunahmen. Von dem starken Aufwärtstrend wurden, abgesehen vom Konsumgüterbereich, alle Industriewirtschaftsbereiche erfasst.
Die Vorleistungsgüterproduzenten, die besonders von der metallerzeugenden und metallbearbeitenden Industrie geprägt werden, erhöhten ihre Umsätze im Inland um 6 Prozent und im Ausland um 10 ½ Prozent, so dass das gesamte Umsatzergebnis um 8 Prozent gesteigert wurde. Noch bessere Umsatzgeschäfte machte der größte Industriebereich des Landes – der Investitionsgütersektor -, zu dem die Schlüsselbranchen Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die elektrotechnische Industrie gehören.
Dagegen nahm im Zuge der nur moderaten Nachfrage der privaten Haushalte das Umsatzgeschäft von Konsumgütern lediglich um 2 Prozent zu. Dem stagnierenden Inlandsgeschäft stand ein Umsatzzuwachs von 5 ½ Prozent beim Auslandsgeschäft gegenüber.
Industriekonjunktur bleibt 2007 in Fahrt
Laut Wirtschaftsminister Pfister wird sich die positive Umsatzentwicklung der Industrie in den kommenden Monaten fortsetzen. „Der hohe Auftragsbestand nach industriellen Gütern aus dem Inland und Ausland sind klare Signale dafür, dass die Industriekonjunktur auch 2007 unter Dampf steht. Die Kapazitätsauslastung bleibt auf hohem Niveau und zieht eine kräftige Nachfrage nach Ausrüstungsgütern nach sich. Zudem verschlechtern sich die Abschreibungsbedingungen im Jahr 2008, so dass die Unternehmen im kommenden Jahr nochmals erheblich investieren werden“, erklärte Pfister.
In diesem Jahr erhielt die Industrie 12 Prozent mehr Auftragsbestellungen als im Jahr 2005. Sehr erfreulich war, dass neben den hohen Auslandsbestellungen (+ 15 %) auch die Auftragseingänge aus dem Inland um 8 Prozent recht deutlich stiegen. Für den hohen Auftragseingang der Industrie war hauptsächlich der große Bedarf an Investitionsgütern verantwortlich. Die Investitionsgüterindustrie, die von herausragender Bedeutung für die baden-württembergische Wirtschaft ist, verzeichnete daher einen sehr starken Auftragszugang von 14 ½ Prozent, wobei 10 Prozent mehr Aufträge aus dem Inland und 18 Prozent mehr Aufträge aus dem Ausland kamen.
Bauwirtschaft stabilisiert sich Die Aufwärtsbewegung der Bauwirtschaft zeichnete sich bereits im letzten Jahr ab. Bis zum Herbst 2006 erhöhte sich der baugewerbliche Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 8 ½ Prozent. Die verbesserte Lage kam hauptsächlich dadurch zustande, dass viele Wirtschaftsunternehmen an die Grenze ihrer Kapazitätsauslastung kamen und auch in gewerbliche Bauten investierten. 2006 zogen die Aufträge für den gewerblichen Hochbau spürbar an. Im Zeitraum Januar bis September 2006 übertrafen sie das Vorjahresniveau um 23 Prozent deutlich. Auch im Wohnungsbau stiegen die Aufträge um 7 Prozent. Hier wurden die hohe Zahl der Baugenehmigungen, die vor Ablauf der Eigenheimzulage beantragt wurden, abgearbeitet. Das Ausbaugewerbe verzeichnete hohe Aufträge bei Ausbau- und Modernisierungsprojekten, die teilweise von den Bauherren erteilt wurden, um die höhere Mehrwertsteuer im Jahr 2007 zu vermeiden.
Vieles deutet darauf hin, dass im kommenden Jahr die gute Auftragsentwicklung für den gewerblichen Hochbau anhält. Dagegen rechnet der Wohnungsbau mit weniger Bauaufträgen, weil 2006 Aufträge vorgezogen wurden, die im Jahr 2007 dann fehlen. Vom öffentlichen Bereich kann erwartet werden, dass er aufgrund seiner besseren Finanzlage bislang aufgeschobene Bauvorhaben verwirklicht.
Handwerk profitiert von der günstigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
Die Konjunkturlage im baden-württembergischen Handwerk hat sich im Jahr 2006 deutlich aufgehellt. Verstärkte Unternehmensinvestitionen und gestiegene private Konsumausgaben haben allen großen Handwerksgruppen zu einer guten Geschäftssituation verholfen. Umsätze, Betriebsauslastung und der Auftragsbestand erhöhten sich teilweise sehr spürbar.
Gute Geschäftslage im Handel
Auch in diesem Jahr liefen die Geschäfte bei den Großhändlern und Handelsvermittlern sehr gut. Sie profitierten sowohl von der hohen Auslandsnachfrage als auch von der anziehenden Inlandsnachfrage und erzielten im laufenden Jahr (Januar bis September) ein reales Umsatzplus von 6 ½ Prozent.
Die privaten Haushalte haben 2006 die Bremse bei den Konsumausgaben etwas gelockert. Daher verbesserte sich in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres das reale Umsatzergebnis des klassischen Einzelhandels um 1 ½ Prozent. Der Kfz-Handel verzeichnete eine reale Umsatzsteigerung von 2 ½ Prozent.
Im nächsten Jahr muss jedoch davon ausgegangen werden, dass die Einzelhandelsumsätze aufgrund der Erhöhung der Umsatzsteuer stagnieren. Hinzu kommt, dass die in das Jahr 2006 vorgezogenen Käufe fehlen.
Konjunktureller Aufschwung hält an
Laut Wirtschaftsminister Pfister sind im Jahr 2007 die Voraussetzungen für eine Fortsetzung des Aufschwungs in Baden-Württemberg gegeben. Nach den zuletzt guten Daten zur Industrieproduktion und zu den Auftragseingängen bleibt die Wachstumsdynamik nach oben gerichtet. Zudem deutet die anhaltend gute Stimmung der Unternehmen auf eine Fortsetzung der positiven konjunkturellen Entwicklung hin. Besonders die Industrie rechnet damit, dass die Produktion auch im nächsten Jahr auf Hochtouren läuft, da die entscheidenden Impulse weiterhin vom lebhaften Welthandel und von der Investitionstätigkeit der Unternehmen ausgehen. Pfister sieht hier einen großen Vorteil für die exportintensive Wirtschaft Baden-Württembergs mit seiner stark auf die Herstellung von Investitionsgütern spezialisierten Industrie. „Die anhaltend weltweit hohe Nachfrage nach Ausrüstungsgütern verschafft dem innovativen Investitions- und Vorleistungsgüterbereich unseres Landes eine besonders günstige Auftragssituation“, erklärte der Minister. Allerdings sind die Voraussetzungen für die eher konsumausgerichteten Wirtschaftsbereiche weniger günstig. Vor allem die Mehrwertsteuererhöhung um 3 Prozentpunkte wird sich 2007 negativ auf den privaten Konsum niederschlagen.
Pfister versicherte, dass die Wirtschaftspolitik des Landes an allen Hebeln ansetze, um den in Gang gesetzten Aufschwung zu verstetigen „Eine Wirtschaftspolitik, die auf Wachstum und Eigenverantwortung setzt, leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Die Wachstumsperspektiven wären wesentlich günstiger, wenn die Bundesregierung bei den drei großen Baustellen „Unternehmenssteuerreform, Gesundheitsreform und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes“ zügiger vorankäme und vor allem dort die Eingriffe des Staates zurückführte, wo der Marktprozess bessere Lösungen liefert“, sagte Pfister.
Im Land sei die Wirtschaftspolitik weiter darauf ausgelegt, die infrastrukturellen Grundlagen zu festigen und wirtschaftspolitisch bedeutsame Initiativen und Projekte zu unterstützen. Aktuell seien hier beispielsweise die Task Force Unternehmensbetreuung und das erste Public-Private-Partnership (PPP)-Projekt in Baden-Württemberg (Landratsamt Friedrichshafen) zu nennen.
Besonders erfreulich ist für den Minister, dass die Landespolitik in Rankings und Wettbewerben häufig sehr gut abschneidet: „Das gilt für die Gründungspolitik, in der die im Wirtschaftsministerium angesiedelte ifex (Initiative für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolge) beim European Enterprise Awards 2006 auf internationaler Ebene die Nase vorne hat, und für die Innovationspolitik, in der Baden-Württemberg in der Studie Innovationsindikator Deutschland 2006 bei der Umsetzung von Innovationen weltweit Rang 1 belegt“, hob Pfister hervor.




