Firmen und Verbände setzten eine Million Euro für kommunale Projekte um die Region Heilbronn-Franken in den vier Handlungsfeldern Mensch, Bildung, Infrastruktur und Innovation zukunftsfähig zu machen. Dadurch soll mehr Systematik in die regionale Lobbyarbeit kommen.
Eine Million Euro soll bewirken, was Arbeitskreise bisher unzureichend geschafft haben: die Region zukunftsfähig machen. Mit dem Geld sollen nach dem Willen der IHK Heilbronn-Franken Projekte gefördert werden, die den Zielen des Pakts entsprechen.
Die ersten 100 000 Euro hat die IHK-Vollversammlung gestern für den „Pakt Zukunft“ bewilligt. IHK-Hauptgeschäftsführer Heinrich Metzger ist sicher, dass Unternehmen und andere Verbände die verbleibenden 900 000 Euro aufbringen - erste Zusagen liegen der Kammer vor. Eine finanzielle Beteiligung der Kommunen erwartet er nicht. Die befürchten, dass der Pakt „eine neue institutionalisierte gesamtgesellschaftspolitische Vertretung der Region“ wird, wie die Bürgermeister des Kreises Heilbronn diese Woche diskutierten: „Das ist nicht unser Ziel“, sagt Gemeindetagssprecher Harry Brunnet.
Deshalb erklärte gestern IHK-Präsident Thomas Philippiak, mit dem Pakt solle keinesfalls die Handlungsfreiheit der Kommunen eingeschränkt werden. „Wir wollen, dass es nur Gewinner gibt.“
An Analysen mangelt es nicht. Angefangen mit der Troje-Studie, die Mitte der 90er Jahre die Region, die damals noch Franken hieß, unter die Lupe nahm. Sie verschwand schnell in der Schublade. Den nächsten Anlauf nahm die IHK - diesmal im Alleingang - mit der Prognos-Studie, aus der die Zukunftsinitiative Heilbronn-Franken 2020 entstanden ist.
Auch der jüngste 2020-Neuaufguss aus diesem Februar hat bisher wenig Konkretes bewirkt. „Die große Aufbruchstimmung ist ausgeblieben“, sagt Heinrich Metzger. Gleichzeitig wird hinter verschlossenen Türen durchaus alarmiert darüber diskutiert, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Region in den vergangenen Jahren an Dynamik verloren hat. Ein Indiz: Im bundesweiten Ranking der Gewerbeerträge ist die Region von Platz 14 im vergangenen Jahr auf Platz 40 von 81 zurückgefallen.
Mit dem „Pakt Zukunft“ und der Million will die Wirtschaft jetzt Bewegung in die Entwicklung bringen. In den vier Handlungsfeldern Mensch (Demografie und Familienfreundlichkeit), Bildung (von der Vorschule bis zum lebenslangen Lernen), Infrastruktur (Autobahn, Neckar, Bahn) und Innovation will der Pakt kommunale Projekte fördern, die Heilbronn-Franken weiterbringen sollen.
Die Leitlinien des Paktes sollen in einer Arbeitsgruppe, in der neben der Wirtschaft und den Kommunen auch das Stuttgarter Staatsministerium vertreten ist, konkretisiert werden. Die Koordination übernimmt die IHK, der Vorsitz des Pakts soll jährlich wechseln zwischen dem Heilbronner OB und dem IHK-Präsidenten.
Welche Ideen finanziell gefördert werden, sollen die Partner entscheiden. Je mehr Geld die Unternehmen in die Kasse bringen, umso mehr Mitspracherecht sollen sie bekommen.
Metzger hat die Statuten so gestaltet, dass Projekte nachhaltig sein müssen - auch, was die Finanzierung angeht. Dass die Projektergebnisse allen zur Verfügung stehen müssen. Dass eine Übereinstimmung mit den Pakt-Zielen besteht. Und dass die Organisatoren auch mit eigenem Geld agieren: Der Pakt übernimmt maximal die Hälfte der Projektkosten.
Es geht aber nicht allein ums Geld: „Wir wollen mehr Systematik in die regionale Lobbyarbeit reinbringen“, sagt Metzger. „Nur dann können wir unsere Belange politisch durchsetzen.“ Wer mitmacht, müsse sich verpflichten, die im Pakt festgeschriebenen Ziele zu vertreten.
Mit der Bürgerinitiative Pro Region wird die IHK den Zukunftspakt am 14. Dezember in Künzelsau vorstellen. Im Frühling 2007 soll der Pakt feierlich unterzeichnet werden.
Quelle Heilbronner Stimme vom 8.12.2006 von Manfred Stockburger www.stimme.de
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