Statistiker prognostizieren 2,5 Prozent Wachstum im nächsten Jahr. Die Auslandsnachfrage soll weiterhin kräftig steigen. Die wichtigsten Märkte sind die USA, Frankreich, Italien, Großbritannien und die Schweiz.
Die Erhöhung der Mehrwertsteuer wird „die dynamische Konjunktur in Baden-Württemberg etwas dämpfen, aber nicht stoppen“: Gisela Meister-Scheufelen, die Präsidentin des Statistischen Landesamts, geht von einem zweieinhalbprozentigen Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr aus. Für Deutschland insgesamt wird eine Steigerung von zwei Prozent erwartet.
Die günstigen Zahlen sollen sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Die Landesstatistiker rechnen mit 40 000 Erwerbstätigen mehr im Jahr 2007. Das entspricht einem Plus von 0,75 Prozent. Neue Jobs werden vor allem im unternehmensnahen Dienstleistungssektor entstehen, sagte Meister-Scheufelen gestern in Stuttgart. In der Industrie gehe der Beschäftigungsabbau weiter.
Dennoch wird die Industrie - vor allem aufgrund der Auslandsnachfrage - „weiterhin kräftig expandieren“ und Motor der Wirtschaftsentwicklung sein. „Unternehmen im Maschinenbau, im Fahrzeugbau sowie in der Elektrotechnik und Nachrichtentechnik dürften gute Geschäfte machen.“ Für den privaten Konsum sagen die Statistiker dagegen „keinen nennenswerten Wachstumsbeitrag“ voraus. Eher Stagnation steht der Baubranche, dem Einzelhandel und dem Gastgewerbe bevor.
Schon im zu Ende gehenden Jahr 2006 war die Industrie Antrieb für den kräftigen Aufschwung in Baden-Württemberg. Die Wirtschaft sei so dynamisch wie zuletzt im Jahr 2000, sagte Meister-Scheufelen. Das Wachstum lag im Südwesten mit 3,5 Prozent um einen Prozentpunkt höher als der gesamtdeutsche Wert -und über den Steigerungszahlen der USA (3,3 Prozent), von Japan und der Schweiz (je 2,8 Prozent). Um sieben Prozent stiegen die Umsätze des produzierenden Gewerbes, die Exporte nahmen sogar um 14 Prozent zu und hatten ein Gesamtvolumen von 140 Milliarden Euro.
Die wichtigsten Märkte sind die USA, Frankreich, Italien, Großbritannien und die Schweiz. Besonders stark steigerten die baden-württembergischen Unternehmen ihre Ausfuhren nach China und Russland - um 30 beziehungsweise 25 Prozent. Deutlich schwächer ging es im Einzelhandel und in der Gastronomie aufwärts. Der private Konsum hat immerhin einen Anteil von 60 Prozent am Bruttoinlandsprodukt.
Meister-Scheufelen spricht zwar von einer weiterhin hohen strukturellen Arbeitslosigkeit - im Durchschnitt waren 353 000 Baden-Württemberger ohne Job. Wegen der positiven Wirtschaftsentwicklung hat sich die Gesamtzahl der Erwerbstätigen um 35 000 erhöht. Insgesamt sind 5,4 Millionen Einwohner in Lohn und Brot. Erstmals seit dem Jahr 2001 registrierten die Statistiker eine Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse um 20 000. Die Lehrstellenlücke - es fehlen rund 2500 Ausbildungsplätze - habe sich nur unwesentlich verkleinert. Immerhin um 13 Prozent zurückgegangen ist die Zahl der Insolvenzen im Land.
Quelle Heilbronner Stimme vom 21.12.2006 von Joachim Rüeck www.stimme.de
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