Auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei in Lauda-Königshofen ist ein Freizeitpark geplant. In einem Keltendorf sollen Häuser nach historischem Vorbild entstehen. Später sollen Schulklassen selbst das Dorf weiterbauen können.
Die Kelten kommen ins Taubertal: Auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei in Lauda-Königshofen (Main- Tauber-Kreis) soll ein Keltendorf als experimentell-archäologischer Freizeitpark entstehen. Ein örtlicher Verein will in einem ersten Bauabschnitt für rund 1,3 Millionen Euro 16 Häuser nach historischem Vorbild aufbauen. Dabei haben die Kelten in Lauda-Königshofen gar keine Spuren hinterlassen. Das stört den Initiator Matthias Weber aber nicht im geringsten. Der Grabungstechniker und Restaurator beim Landesdenkmalamt ist fasziniert von der keltischen Lebensweise und Kultur und hat seine Umwelt in Lauda-Königshofen mit seiner Begeisterung angesteckt.
Um das Interesse an den Kelten zu testen, organisierte Weber vor zwei Jahren auf dem seit Jahren brachliegenden Gelände der ehemaligen Ziegelei den «Dubra-Kelt-Sommer». Der Andrang bei dem Spektakel rund um das Keltentum war so groß, dass Weber mit interessierten Bürgern einen Verein aus der Taufe hob. Ziel des Vereins: Auf dem vier Hektar großen Gelände soll ein Erlebnispark entstehen. Weber konnte auch einflussreiche Mitstreiter gewinnen: So sind der Landrat sowie Mitarbeiter der Stadt Lauda Vereinsmitglieder. Zudem arbeitet an der Konzeption des Parks ein wissenschaftlicher Beirat mit, dem Vertreter des Württembergischen Landesmuseums und des Landesamts für Denkmalpflege angehören.
Nach den Plänen des beauftragten Architekten Helmut Schattmann wird das Dorf «Dubra-Park» - Dubra ist das keltische Wort für Tauber - aus neun Bereichen bestehen. Über eine keltische Toranlage werden die Besucher zunächst den Gastronomie-Komplex erreichen, ein keltisches Langhaus, das auch für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen vermietet werden soll. Der Park soll ein aus heimischen Steinblöcken erbautes überdachtes Amphitheater mit 500 Plätzen erhalten und einen experimentell-archäologischen Bereich, der über keltische Gebräuche, Bautechniken und Lebensweise informiert.
Hier kann man zum Beispiel Bogenschießen, Holzgeschirr schnitzen und andere keltische Handwerkstechniken kennen lernen. Im Hauptteil des Parks werden keltische Bauwerke in einem frühen Baustadium zu sehen sein. Schulklassen und andere Interessierte sollen unter fachkundiger Anleitung auf keltisch-antike Weise weiterbauen können. Im Museumsbereich will man komplette Bauten zeigen mit Werken aus der Zeit von etwa 800 vor bis 200 nach Christus, sowie eine Grabhügelanlage. Der Verein in Lauda will auch keltische Wohnhäuser in modernem Standard als Ferienhäuser errichten.
Bei den Kelten handelte es sich um eine Gruppe von Völkern und Stämmen in Europa und Kleinasien, die sich kulturelle Gemeinsamkeiten auszeichneten. Besonders bedeutend war die «Hallstadtkultur», die sich um 750 vor Christus von Ostfrankreich nach Süddeutschland bis nach Slowenien ausbreitete. Reich ausgestattete Fürstengräber aus dieser Zeit fand man unter anderem in Hochdorf/Enz bei Ludwigsburg, wo es ebenfalls ein Keltenmuseum gibt.
Anfang Februar erörtert der Verein in Lauda die Finanzplanung. Laut Vereinschef Matthias Weber hat die Stadt beantragt, in das EU- Programm «Leader-Plus» aufgenommen zu werden. «Die Chancen stehen gut, dass das klappt», sagt Weber. «Dann sind bis zu 70 Prozent Zuschuss für den Park möglich.» Er rechnet mit einer Entscheidung bis April. Sollte alles nach Plan laufen, könnten die 16 keltischen Häuser in etwa zwei Jahren stehen. Aber darauf will Weber nicht warten: Bereits in diesem Jahr will er damit beginnen, auf dem ehemaligen Ziegelei-Gelände mit Schulklassen ein keltisches Grubenhaus mit historischen Bautechniken aufzubauen.
Quelle: dpa/lsw vom 11. Januar 2007
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