Jetzt haben sie Audi und das GiF noch als Studenten unter die Lupe genommen. Schon bald werden die Produktionsmanager und Logistiker der FH Ansbach in diesen Bereichen ihre Arbeitsstellen suchen. Die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF) ermöglichte ihnen schon mal einen Einblick in die dynamische Region Heilbronn-Franken.
„Besonders beeindruckt hat die Studenten der FH Ansbach die Präzision der Abläufe, die bei der Produktion Luxusfahrzeuge oberste Priorität hat“, sagt WHF-Geschäftsführer Steffen Schoch, der für die rund 15 Studenten der FH Ansbach diesen Exkursionstag organisiert hat. Alle studieren derzeit noch das Fach Betriebswirtschaft mit dem Studienschwerpunkt Produktionsmanagement und Logistik. Ziel von Schoch ist es, junge Menschen für die Region Heilbronn-Franken und deren Unternehmen zu begeistern. Denn eines der größten Herausforderungen sowohl für die Wirtschaftsförderung als auch für die Unternehmen sei es, qualifizierte Fachkräfte für eine Tätigkeit in der Region zu gewinnen.
Natürlich war für die „Logistiker“ bei der Führung durch das Audi-Werk das auf dem Just-in-Sequence-Konzept basierende „Perlenkonzept“ von großem Interesse. Der Werkführer – selbst ehemaliger Logistiker - beschrieb, dass der Unterschied zum Just-in-Sequence-Konzept darin läge, dass der Hersteller die zu produzierende Reihenfolge für die nächsten Arbeitstage vorhersage. Ziel sei es, eine 100%-Genauigkeit bei der prognostizierten Perlenkette zu erreichen. Eine Verwirbelung der Fahrzeugreihenfolge führe zu einer geringeren Genauigkeit. Selbst eine 99,8%-Genauigkeit würde zu einer Instabilität des Systems führen, da bei einer täglichen Produktion von 1.000 Fahrzeugen immer noch zwei Reihenfolgeänderungen vorgenommen werden müssten.
Da der Rohbau einer der wesentlichen Verursacher von Verwirbelungen im Perlenkettenkonzept darstellt, hat die Audi AG in Neckarsulm die Rohbaufertigung quasi mit dem Status eines Systemlieferanten in der Perlenkette integriert. Damit verfügt dieser über die gleichen zeitlichen Vorgaben. Eine große Anzahl von
Reihenfolgeänderungen konnte dadurch eliminiert werden.
„Durch den deutlich längeren Vorlauf besteht die Möglichkeit, deutlich früher sequenzgenau zu produzieren“, so der Audi-Werkführer. Hierdurch könnten mehrere Produktionsstätten in einer größeren Entfernung zu der jeweiligen Abladestelle zusammengefasst werden. Fixkosten könnten abgebaut und kostensparende Synergien durch einen flexiblen Personal- und Anlageneinsatz gebildet werden. Die Kostenreduzierung bei Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer wurde auf mindestens 15-20% geschätzt.
Bereits heute werden komplette Kabelsätze in Tunesien und Marokko sequenzgenau erstellt und über ein Logistikzentrum an den OEM in der vorgegebenen Reihenfolge geliefert. Wie das in der Praxis funktioniert, wurde bei dieser Exkursion am Beispiel des Zuliefererpark Gewerbe- und Industriepark Bad Friedrichshall GmbH (kurz GiF) in Bad Friedrichshall vorgestellt.
Der ehemalige Friedrichshaller Bürgermeister Peter Knoche, der heute GiF-Geschäftsführer ist, stellte die Idee dieser interkommunalen Einrichtung vor den Werktoren von AUDI vor. „Wir bieten hier flexible Gewerbeflächen an, die es den AUDI-Zulieferern ermöglichen, just-in-sequence ans Band der A 6 und A 8 – Modelle zu liefern“, sagt der ehemalige Bürgermeister.
Das im Jahr 1996 gegründete GiF gehörte zu den ersten Lieferantenparks in Deutschland. Richtungweisend war damals schon die Trägerschaft von öffentlichen und privaten Bereichen zusammen. Mitglieder des Zweckverbandes sind die Städte Neckarsulm und Bad Friedrichshall und die Audi AG. Peter Konoche stellte die Vorteile des GiF sowohl für die Region als auch für die Audi AG und die Zulieferer vor. Und es ist sich sicher: „Das GiF hat wesentlich zur Sicherung des Audi-Standortes Neckarsulm und damit zur Sicherung zahlreicher Arbeitsplätze in der Region beigetragen.
Beim abschließenden Rundgang konnten die Studenten die ansässigen Unternehmen Faurecia und Fritz Logistik kennen lernen. Spontan zeigten sich viele interessiert daran, ihre Diplomarbeit bei einem Unternehmen in der Region zu schreiben oder hier noch ein Praxissemester einzulegen. Denn Wirtschaftsförderer Schoch freut das. „Wenn es uns gelingt, Sympathien für unsere Region zu gewinnen, dann kommen junge Menschen automatisch zu uns!“
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