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Familienfreundlichkeit ist für viele Städte Chefsache

     
 
 

6.2.07


 

Beim Thema Familienfreundlichkeit gehen in Baden-Württemberg immer mehr Städte dazu über, zu klotzen und nicht mehr zu kleckern. Nach einer dpa-Umfrage reicht die umfangreiche Angebotspalette vom günstigen Bauland über zusätzliche Kindergartenplätze für Kleinkinder unter drei Jahren bis hin zu Bonusheften sowie Kultur- und Freizeitgutscheinen.

Hohe Ziele hat sich auch Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) gesetzt. Er erklärte das Thema zur Chefsache. Bis 2010 will Schuster die Landeshauptstadt zur «kinderfreundlichsten Großstadt in Deutschland» machen. Dabei verweist das Stadtoberhaupt auf die Broschüre «1001 Angebote und Möglichkeiten» für Kinder und Familien. Eine «FamilienCard» bietet kinderreichen Familien oder solchen mit geringem Einkommen für jedes Kind bis 16 Jahre ein Guthaben von 90 Euro.

Nicht nachstehen auf diesem Gebiet will auch die Stadt Heilbronn: Durch günstiges Wohnen und Bauen soll sich die Attraktivität für Familien deutlich steigern. Nach Angaben der Stadtverwaltung sollen kinderreiche Familien durch 25-prozentige Ermäßigungen auf den Kaufpreis in den Landkreis gelockt werden. Wer mehr als drei Kinder hat, bekommt einen Pass mit freiem Eintritt für Hallen- und Freibäder, Theaterbesuche oder Busfahrten. Ausgebaut werden soll auch die Ganztagesbetreuung an Schulen. Im Frühjahr wird der Heilbronner Gemeinderat über die Möglichkeit einer Gebührenfreiheit im dritten Kindergartenjahr entscheiden.

Für Karlsruhes Oberbürgermeister Heinz Fenrich (CDU) kann die Familienfreundlichkeit einer Stadt mittlerweile auch ein echter Standortvorteil sein. Die Fächerstadt gibt nach eigenen Angaben jährlich rund 28 Millionen Euro für den Betrieb von Kindergärten und Betreuungseinrichtungen aus. Derzeit gibt es 8353 Plätze. Für die «Küken» im Alter von einigen Monaten bis zu drei Jahren sollen die Plätze von 768 auf 822 aufgestockt werden. Neben der Einrichtung eines Betriebskindergartens für den Nachwuchs städtischer Mitarbeiter zahlt die Stadt auch solchen Einrichtungen bei Siemens und dem Technologiepark Investitionszuschüsse. Demnächst soll mit dem Reifenwerk Michelin eine ähnliche Vereinbarung getroffen werden. Ein gebührenfreies Kindergartenjahr ist noch nicht beschlossen worden.

In Heidelberg will der parteilose neue Oberbürgermeister Eckart Würzner die Familienfreundlichkeit zum Schwerpunktthema machen. Eine «Familienoffensive» soll noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden. Schon jetzt gebe es eines der besten Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren. Die Quadratestadt Mannheim bietet Betreuungsgutscheine an, die die monatlichen Gebühren für Kinderkrippen um 50 Euro und für Kindergärten um 25 Euro senken.

Die Stadt Bruchsal kann nach Angaben von Sprecherin Margrit Csiky derzeit mehr Kindergartenplätze als Kinder anbieten. In einem speziellen Waldkindergarten können die Kleinen unter entsprechender Beaufsichtigung viel Zeit an der frischen Luft verbringen. In einer der größten Kunstschulen des Landes können Kinder und Jugendliche nach der Schule in den Sparten Theater, Bildende Kunst und Tanz ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Die Schmuckstadt Pforzheim verfügt nach Angaben von Sprecher Michael Strohmayer über vier Familienzentren und acht Kitas mit flexiblen Modulen. In einem Drittel der Kitas gibt es auch Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren. Bis 2012 soll für 25 Prozent der Grundschüler ein Ganztagesangebot vorhanden sein.

Die Bodenseestadt Konstanz will bis 2010 seine Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren von derzeit 45 auf 129 ausbauen. Das bedeutet nach Angaben der Stadt im Jahr 2010 Mehrkosten von rund einer Million Euro.

Auch Tübingens neuer Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) will die Kinderbetreuung deutlich ausbauen. Bis spätestens 2009 sollen alle Eltern, die einen Betreuungsplatz suchen, ein Angebot erhalten. Kostenfrei werden die Plätze jedoch nicht. Die Stadt könne sich zunächst nur den Ausbau des Angebots leisten, sagte Palmer.

Gute Nachrichten hat auch Wirtschaftsstaatssekretär Richard Drautz (FDP): Die Wohnraumförderung 2007 soll in Zukunft landesweit gelten und auch Familien mit mittleren Einkommen einbeziehen. Kinderreiche Familien würden dadurch stärker begünstigt. Neuer und gebrauchter Wohnraum soll nach den Plänen bei der Förderung gleich gestellt werden.

Quelle: dpa/lsw

 
         
         
 
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