Übersicht
 
 
 

Ökobauern der Region suchen nach neuen Wegen

     
 
 

6.2.07


 

Öko-Lebensmittel sind „in“. Die Nachfrage steigt. Das wollen auch die Ökolandwirte der Region nutzen. So denken sie über die Bündelung der Kundenbelieferung nach. Und sie hoffen auf neue Kollegen.

 „Es wäre schade, wenn sich die Landwirtschaft diese Chance entgehen lässt“, sagt Thomas Lang, neben Jürgen Winkler einer der beiden Sprecher der „Arbeitsgruppe Ökolandbau Heilbronn“ mit rund 50 Öko-Betrieben in Stadt- und Landkreis.

Er sagt es auch mit Blick auf Umstellungsüberlegungen bei konventionell wirtschaftenden Kollegen, denn er sieht Platz für weitere Produzenten. „In den letzten Jahren sind kaum neue Betriebe hinzu gekommen“, weiß Thomas Lang. „Allerdings haben sich alle bestehenden entwickelt“, ergänzt Winkler. „Ohne Know-how und persönliches Engagement geht es aber nicht“, meint er. Deshalb, so Lang, „sind unsere Betriebe sehr stark auf den Betriebsleiter und seine Familie orientiert“. Ist deren Kapazität ausgelastet, sind Erweiterungen ein riskanter Schritt. Zumal Öko-Anbau personalintensiver, also teurer ist.

Mehr Produktion ist aber nur eine Voraussetzung für größere Teilhabe am Boom. Bessere Logistik und bessere Information über das Potenzial in der Region gehören auch dazu. „Manche Ladenbesitzer oder Gastronomen wissen gar nicht, was es überhaupt an Lebensmitteln aus der Region gibt“, sagt Winkler. Die Regionalität soll besser herausgestellt werden. Auch mit ihren Vorzügen wie Frische und kurzen Wegen.

Dabei müssen die Ökobauern den Spagat schaffen, alte Kunden zu halten und neue zu finden. Lang: „Es gibt eine stabile Stammkundschaft in den Hof- und Naturkostläden. Die setzt auf die Vertrauensbasis und das persönliche Kennen. Das dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.“ Den Leuten ist klar, was die Ökobauern neuen Kunden erst noch vermitteln müssen: Dass es, so Lang, ein „gravierender Unterschied ist“, zwischen dem europaweit geltenden Anbau-Standard (nebenstehendes Logo), der beim großen Discounter reicht, und den strengeren Bewirtschaftungsauflagen, die die deutschen Öko-Verbände haben. Beispielsweise Demeter, Bioland, Naturland und Ecovin, wie die vier heißen, in denen die meisten Ökobauern der Region Heilbronn Mitglied sind. Würden sie diese Standards nicht mehr bieten, würden sie ihre Stammkundschaft vergraulen. Gleichzeitig sehen sie die Standards - neben der Beratung - als Verkaufsargument, um gegen die großen Ketten zu bestehen. Ein anderes ist die größere Vielfalt, die moderne Hofläden gegenüber Supermarkt und Discounter zu bieten haben. Diese Vielfalt liegt an den klimatischen Vorzügen der Region und daran, dass die Ökobauern ihre Produkte mit den Kollegen austauschen.

Angebot bündeln In der Gastronomie besteht ein anderes Problem: Der Boom, sprich: Die Nachfrage der Gäste nach „Bio“-Lebensmitteln, wurde auch hier größer. Viele Gastronomen wären bereit, einzusteigen. Doch wer kann es sich leisten, für seine Einkäufe zehn oder mehr Höfe anzufahren?

Deshalb haben die Öko-Betriebe jetzt intern eine Erzeugerabfrage gestartet, wer welche Produkte anbietet. Daraus lassen sich Verhandlungs- und Angebotsgrundlagen für eine gemeinsame Vermarktung und Auslieferung erarbeiten. Wie es am Ende aussehen wird, ist allerdings noch unklar, sagen Lang und Winkler.

Man hofft allerdings, auch bei der Großhandels-Schiene Fuß zu fassen. Dazu wären mehr Öko-Produzenten nötig. Kollegen, die eine Umstellung erwägen, fänden bei den Bio-Verbänden inzwischen gute Angebote für Einsteigerinformationen und Fortbildung, machen die beiden Mut. „Gartenfrisch Jung fragt uns nach Ware an, die WG Lauffen sucht Wengerter, die auf Öko-Weinbau umstellen, die WLZ Baywa baut den Bioapfelmarkt aus“, nennt Winkler einige Beispiele der gestiegenen Nachfrage.

Haben die Ökobauern keine Angst vor Konkurrenz? Sie verneinen. Zu Zeiten, als die Grünen-Landwirtschaftsministerin Renate Künast 20 Prozent Öko-Agrarproduktion erzwingen wollte, sei der Markt nicht da gewesen. „Jetzt“, sagt Jürgen Winkler, „strebt der Markt dieser Marge zu, und die Produktion kommt nicht hinterher“. Es sei letztlich nur eine Frage, ob diese Chance in der Region genutzt werde: „Der Prozess findet statt, ob wir das wollen oder nicht.“

Nähere Infos über die Ökobauern der Region steht im Internet unter

www.oekolandbau-heilbronn.de