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Hohenlohe mausert sich zur Vorzeigeregion des Landes

     
 
 

28.2.07

 

Die Bundesregierung beendet Ende 2007 ihr Förderprogramm "Regionen aktiv". Es ist 18 Gebieten in Deutschland zugute gekommen. Zwei davon liegen in Baden-Württemberg - an der Spitze aller Initiativen liegt Hohenlohe.

Schon einige Tage kurvte die "Yellow Revolution" durch Hohenlohe. Im Gegensatz zu den herkömmlichen japanischen Reisegruppen, die auf ihren Siebentagetrips rund um die Welt gewöhnlich für ein paar Stunden Station in dem mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber machen, haben sich die gelben Revoluzzer aus dem Reich der aufgehenden Sonne viel Zeit genommen. Eri Joshida und ihre Mitstreiter wollten alles ganz genau wissen. Vor allem das mit den erneuerbaren Energien, für die sich die Japaner daheim auf ihrer Insel stark machen. Wie ist es mit dem Biogas, wie mit dem Raps, wie ist es mit der Sonnenenergie und den Solardächern?

"Nach dem zu urteilen, wie die Japaner eifrig fotografiert und mitgeschrieben haben, hat sie das alles mächtig interessiert", meint Werner Schmidt, der Wirtschaftsförderer des Landkreises Schwäbisch Hall. Sie kamen wohl präpariert und gut informiert in die hohenlohesche Modellregion, die im Jahr 2002 von der vormaligen Bundesregierung unter mehr als 200 Bewerbern als eine der achtzehn deutschen "Regionen aktiv"-Gebiete ausgesucht wurde. Die zweite in Baden-Württemberg liegt um Reutlingen.

"Einen Wunsch hätten sie noch zum Abschied", sagte Eri Joshida, "wir wollen einen Blick in einen deutschen Haushalt werfen dürfen." Für Werner Schmidt war nichts leichter als dies. Er lud die Gruppe einfach zu sich nach Hause ein. Ehefrau Jutta backte Kuchen und Nussecken, während die Japaner sozusagen das Haus auf den Kopf stellten. Vom Dachboden bis zum Keller schauten sie in jedes Zimmer und öffneten die Schränke, ob im elterlichen Schlafzimmer oder in der Küche. Für die Japaner war dieser nicht alltägliche Einblick ins deutsche Alltagsleben das beeindruckendste Erlebnis ihrer gesamten Europareise. Während der Tour durch die beiden Landkreise wurden die Japaner von Bäuerinnen begleitet, die sich im Rahmen des Förderprogramms "Regionen aktiv" zu Reiseführerinnen herangebildet haben.

In den nächsten Tagen will auch die dänische EU-Kommissarin Marian Fischer Boehl durch Hohenlohe reisen, um hinter das Geheimnis zu kommen, weswegen die nordwürttembergische Region die erfolgreichste ist. Für Werner Schmidt ist die Antwort einfach: Man konnte auf vorhandene Organisationsstrukturen zurückgreifen, die woanders erst noch gebildet werden mussten. Zudem machte sich positiv bemerkbar, dass die Landesregierung seit Jahrzehnten eine mehrgleisige Entwicklungspolitik für den ländlichen Raum verfolgte. Die Entwicklung für Hohenlohe seit den 1970er-Jahren verlief rasant, wie es in dem Gutachten von Euronatur heißt; so stürmisch, dass das Gebiet 2000 aus der EU-Förderkulisse herausfiel.

Schwach ausgebildet war immer noch der gesamte Dienstleistungssektor. Da lieferte die grüne Landwirtschaftsministerin Renate Künast mit ihrem geradezu auf Hohenlohe zugeschnittenen Programm "Regionen aktiv" ein neues Werkzeug. Künast ging es um die Neuausrichtung der Agrarpolitik in Deutschland und die Verknüpfung einer umweltverträglichen Landwirtschaft mit einer erfolgreichen ländlichen Entwicklung, einfach um neue Konzepte und deren Erprobung im Kleinen. Die Fördergelder sollten, wie es Werner Schmidt sieht, zur Erhöhung der betrieblichen Wertschöpfung beitragen. Schmidt moderiert die noch bis Ende des Jahres laufende Aktion. Deren Hauptmerkmal ist die Verlagerung der Verantwortung auf die Projektebene. So haben sich seit fünf Jahren mehr als fünfzig Initiativen gebildet.

Profitiert haben ganz unterschiedliche Gruppen, am meisten jedoch die bäuerliche Erzeugergemeinschaft in Wolpertshausen um Rudolf Bühler, der gern als "Retter der Schwäbisch-Hällischen Sau" bezeichnet wird. Um die Wertschöpfung zu erhöhen und alles in einer Hand zu behalten, von der Erzeugung bis zur Vermarktung, kaufte er vor Jahren den sanierungsbedürftigen Schlachthof in Schwäbisch Hall und bekam dafür einen Zuschuss von knapp 500 000 Euro aus dem Regionenfonds. Geld floss auch in Ecoland- und Demeter-Projekte, in die Bäckerberatung, einen landwirtschaftlichen Lehrpfad in Brackenheim, eine Ferkelsammelstelle in Niederstetten, ein Online-Buchungssystem für den örtlichen Tourismus, den Kocher-Jagst-Radweg und ein Kompetenzzentrum für regionale Lebensmittel in Neckarsulm.

Die Stadt Kirchberg bekam einen Zuschuss, um ein Gesamtkonzept für die örtliche Jugendherberge auszuarbeiten, die seit Jahren von der Schließung bedroht ist. Unterstützt wurde durch die Künast-Initiative auch das Energiezentrum als Teil der landkreiseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft in Wolpertshausen. Sein Stellenwert hat sich durch die steigenden Energiepreise und durch neue Anstrengungen im Klimaschutz erhöht. Im Energiezentrum wurden die Grundlagen erarbeitet, um selbst in die Energieerzeugung einzusteigen.

Mittlerweile sind 12 000 Quadratmeter umfassenden Fotovoltaikmodule auf hauptsächlich öffentlichen Gebäuden im Landkreis installiert. Für den Baukredit von mehr als vier Millionen Euro hat der Kreistag die Bürgschaft übernommen - was sich jetzt schon auszahlt. Das Energiezentrum erwirtschaftet mittlerweile ein jährliches Plus von 60 000 Euro. Bis jetzt flossen 4,2 Millionen Euro aus der Regionalkasse nach Nordwürttemberg. "Ich kenne keine erfolgreichere Region in Deutschland als Hohenlohe", sagt dazu Werner Schmidt.

Quelle Stuttgarter Zeitung vom 26. Februar 2007 von Martin Geier www.stuttgarter-zeitung.de

Weitere Informationen unter

Tourismus in der Region Heilbronn-Franken
 
         
         
 
 

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