Das Klima ist gut - fürs Geschäft. In Spanien, weil die dortigen Temperaturen das Land zusammen mit dem zunehmenden Wohlstand zu einem wichtigen Absatzmarkt für eine ganze Reihe Unternehmen aus der Region machen. Auch die Debatte um den Klimawandel beflügelt die Geschäfte.
Für die Hohenloher Ventilatorenbauer ist der Auftritt in Madrid ein Muss. Alle sind sie da - und doch hat sich seit dem vergangenen Jahr eine Menge verändert. 2006 stellten EBM-Papst und Ziehl-Abegg noch gemeinsam aus: Die Trennung des Auslandsvertriebs der beiden Hohenloher Branchengiganten war noch nicht vollzogen. Jetzt zeigen beide Flagge - in Sichtweite voneinander.
Familiäres Klima
Man kennt sich, man duzt sich, man lässt die Frauen grüßen. Zumindest vor Ort ist das Klima zwischen den Wettbewerbern nicht schlecht. Aber auf dem Markt arbeiten die beiden jetzt gegeneinander. Dennoch sind beide Unternehmen zuversichtlich: Der spanische EBM-Geschäftsführer Ricardo Prieto rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatz von etwa 13 Millionen Euro - deutlich mehr, als ursprünglich geplant war. Allerdings: Märkte wie Spanien müssen kräftig wachsen, wenn der neue EBM-Papst-Chef Hans-Jochen Beilke die von ihm angepeilte mittelfristige Umsatzverdoppelung tatsächlich stemmen möchte. Die neuen Produkte, die das Wachstum bringen sollen, stehen bereits am Messestand in Madrid: Unter anderem setzen die Mulfinger auf einen Ventilator, dessen Flügel aus einer Kunststoff-Aluminium-Verbindung hergestellt sind. Leichter, leiser und günstiger sei die nächste Ventilatoren-Generation, erklärt Gerhard Sturm, der den Besuch in Madrid auch zum Abschiednehmen nutzt und seinen Nachfolger Hans-Jochen Beilke den Mitarbeitern der Niederlassung vorstellt.
Mehr Lagerfläche
Platz für den Zuwachs hat Prieto in seinem neuen Gebäude in einem Madrider Industriegebiet bereits: 4000 Quadratmeter Lagerfläche stehen ihm zur Verfügung - doppelt so viel, wie unter dem gemeinsamen Dach mit Ziehl-Abegg. Die gemeinsame Tochterfirma, in die Prieto zur Gründung vor 27 Jahren eingestiegen war, hatte zuletzt einen Umsatz von 18,8 Millionen Euro erwirtschaftet.
Doch nicht nur bei EBM-Papst gibt es zufriedene Gesichter. Auch am Ziehl-Abegg-Stand herrscht Zuversicht. „Wir haben recht schnell Fuß gefasst“, sagt Harald Stumpf, der als Verkaufsleiter für die Region Mittelmeer von Künzelsau nach Madrid gekommen ist. Auch bei Ziehl-Abegg liegen die Verkaufszahlen in Spanien über Plan. Er zeigt den Eulenflügel und den Kupfermotor, mit dem die Künzelsauer gegen die von EBM-Papst als Energiespartechnik ins Feld geführte EC-Technik antreten.
Überflüssige Kraftwerke Die Klimadebatte verleiht den Hohenlohern Flügel. Am EBM-Stand laufen in einem Vergleichsversuch zwei Ventilatoren. Der moderne verbraucht nur 7,5 Watt und heizt sich dabei auf 27 Grad Celsius auf. Der andere - ebenfalls aus dem Programm der Mulfinger - verbraucht mehr als dreimal so viel Strom. Und produziert dafür im wahrsten Sinne heiße Luft: Der Motor heizt sich auf über 50 Grad auf. Für den Vertriebsgeschäftsführer Thomas Borst das Thema: „Das müssen wir den Kunden sagen.“ Während Hans-Jochen Beilke ausrechnet, wie viele Atommeiler überflüssig würden, wenn alle Kunden die EC-Technik einsetzen würden, schlägt ein Mitarbeiter - in Anlehnung an den insolventen Handybauer BenQ-Mobile - eine Schlagzeile vor: Ban Q. Der Energieverschwender läuft unter der Typenbezeichnung Q.
Quelle Heilbronner Stimme vom 2. März 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de
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