Hohenlohe ist nicht gerade für seine Bootsbauer bekannt. Das könnte sich langsam ändern. Ein Team von acht Handwerkern aus Hohenlohe hat einen Dreimaster in Holland restauriert.
Der Kirchberger Schreiner und Drechsler Jürgen Melber (38) und sein Vater Eberhard Melber (68) waren mit dabei. Nicht irgendeinen Kahn haben sie wieder flott gemacht, sondern den stolzen Schoner Oosterschelde. Den kennt in Holland jedes Kind.
"Das ist ein Kreuzfahrtschiff der gehobenen Klasse", berichtet Jürgen Melber über die Oosterschelde. 28 Passagiere genießen auf dem Segelschiff ihre teuren Rundreisen. Zurzeit macht der "Gaffeltop-Segelschoner" schnelle Fahrt auf Cannes in Südfrankreich. Dort dürfen die betuchten Gäste zu den Filmfestspielen an Land gehen. Das Boot ist auch für noch längere Fahrten rund um die Welt gerüstet. Die Passagiere wohnen bei ihrer Überfahrt seit kurzem zwischen Hohenloher Eichenholz. Fünf Kubikmeter des Baumaterials aus den Wäldern rund um Dörzbach hat Melber verarbeitet. "Wir haben drei Kabinen mit Duschen, Toiletten, eine Küche und mehrere Treppen eingebaut", sagt Jürgen Melber. Die Restaurierung eines Teils des Bootes war notwendig, weil große Tanks im Rumpf ausgetauscht wurden und das Holzboot aus dem Jahr 1918 fit für die neuesten EU-Richtlinien für Kreuzfahrtschiffe gemacht werden musste.
Am Melberschen Betrieb in Kirchberg gluckert die Jagst in Sichtweite vorbei. Vielleicht löste der plätschernde Bach bei Jürgen Melber das Verlangen nach dem großen Meeresrauschen aus? Denn der Hohenloher ist alles andere als eine Landratte: "Als wir nach Rotterdam gefahren sind, war das für mich, wie nach Hause zu kommen." Der 38-Jährige ist vor zehn Jahren eineinhalb Jahre lang als Bootsmann zur See gefahren, auf dem Holzboot Louisiana, das er damals restauriert hatte. Und eben auf der Louisiana hat das Handwerker-Team jetzt, zehn Jahre später, in Rotterdam übernachtet, als es im Januar und Februar 2007 die Oosterschelde wieder in Schuss gebracht hat.
Von der Jagst zum Ozean
Doch wie kamen die Hohenloher überhaupt zur See? Können die Holländer ihre Schiffe nicht selbst restaurieren? Das ist eine Geschichte, die zehn Jahre zurück liegt. Jürgen Melber war gerade von seinen "Wanderjahren" auf den Weltmeeren zurück, als ihn sein alter Chef, der holländische Kapitän, anrief. Er fragte, ob Melber bei der Restaurierung des nächsten Schiffs mitmachen wolle. Das passte dem Schreiner damals gar nicht.
Denn im heimischen Betrieb in Kirchberg gab es genug Holz aufzuarbeiten. Melber vermittelte damals daher Alexander Hofrichter aus Wolpertshausen nach Rotterdam. Der Bootsbaumeister war so begeistert, dass er auf Dauer auswanderte und jetzt in einem Hausboot seine Werkstatt eingerichtet hat, wo er nun auch wohnt.
Zehn Jahre zogen ins Land: Hofrichter erhielt mit seinem Mitarbeiter, dem Haller Philipp Stumpf, vor kurzem den Großauftrag für die Oosterschelde. In sechs Wochen musste alles fertig sein. Das sind eigentlich vier Wochen zu wenig. Hofrichter erinnerte sich an seine Kollegen in Hohenlohe, die etwas wegschaffen können. Ein Team aus acht, später zehn Helfern reiste nach Rotterdam. Unter ihnen die Melbers, Steffen Egner aus Eltershofen, Zimmermann Andreas Baumann und Glaser Manfred Liebig.
Vom 3. Januar bis 10. Februar 2007 schufteten die fleißigen Handwerker. Es wurden Holzböden verlegt, Treppen gezimmert, Schränke eingebaut. Zum Schluss haben die Melbers sogar noch den Fahnenmasten, der ganz hinten am Boot ist, gedrechselt. Eine tolle Zeit: Immer mittags saßen alle Bootsbauer am 20 Meter langen Tisch und plauderten im Kauderwelsch mit den Amerikanern, Australiern und Brasilianern der Bootsmannschaft. "Wir haben uns glänzend verstanden", sagt Eberhard Melber - er war der älteste Handwerker im Team.
Die Hohenloher Bootsbauer haben rangeklotzt, um bis zum Abfahrtstermin der Kreuzfahrt nach Cannes fertig zu sein. Für Jürgen Melber ist es kein Problem, mal in die Hände zu spucken: "Wir haben 13 bis 14 Stunden täglich gearbeitet. So ein Schiff muss einfach fertig werden, egal ob man dafür Samstag und Sonntag durchschaffen muss." Für das nächste Bootsprojekt wurden sie bereits angefragt. Doch die Holzbauer mussten absagen. "Hier haben wir auch genug zu tun", sagt Jürgen Melber und schaltet die laute Drechselmaschine in der Kirchberger Werkstatt an.
Quelle Hallertagblatt vom 27.02.2007 von Tobias Würth www.hallertagblatt.de
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