Die Europäische Union gilt vielen Menschen als abgehoben und fern. Die Landwirtschaft ist im Bewusstsein vieler ein Subventionsempfänger ohne große Zukunft. Das Gegenteil beider Klischees bewies jetzt die in Schwäbisch Hall vorgestellte Studie und der Besuch von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel mit Betriebsbesichtigungen.
Los ging es mit dem Schlachthof der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Entschlossen zog die Dänin Kopfhaube, Umhang und Schuhüberzieher aus Plastik an und folgte mit einem Politiker-Tross - darunter der Gaildorfer Wolfgang Reimer aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium und Landesminister Peter Hauk - aufmerksam den Erklärungen des Vorsitzenden Rudolf Bühler. Auch von Schweinehälften an Haken und Bluttropfen auf dem Boden ließ sie sich nicht irritieren. Immer wieder fragte die EU-Kommissarin fachkundig nach. Beeindruckt zeigte sie sich vor allem von Qualität und Eigeninitiative der 960 Mitglieder starken Erzeugergemeinschaft.
Auch bei der kleinen Dorfkäserei in Geifertshofen wollte die ehemalige dänische Agrarministerin alles ganz genau wissen. Als sie alte Milchkannen entdeckte, ging sie drauf zu und sagte: „Solche habe ich als Kind geschleppt.“ Die EU-Kommissarin kommt aus einer alten Bauersfamilie und ihr Mann betreibt bis heute einen Betrieb mit Getreide, Obst und Wald.
Beim Mittagessen kam die nahbare und humorvolle Frau mit Landwirten ins Gespräch. Auf Deutsch. Schon ihr „Du“ in der Anrede sorgte für Vertrauen, auch wenn die Ursache darin liegt, dass das Dänische kein „Sie“ kennt. Etliche Bauern machten deutlich, dass die Einführung von Gen-Feldern in der Nachbarschaft für sie das Aus bedeuten würde. Fischer Boel nickte, sagte aber, dass eine EU-weite Regelung dagegen nicht in Sicht sei.
„Wir können nicht mit Brasilien konkurrieren. Die Zukunft der Landwirtschaft in Europa liegt in hoher Qualität“ und „in der Geschichte dahinter“, zog Fischer Boel das Fazit. Das bedeutet: „starke regionale Identität“ mit kurzen Wegen und langen Wertschöpfungsketten. Das schaffe beim Verbraucher Vertrauen - und Arbeitsplätze. Die Kreise Hohenlohe und Schwäbisch Hall seien vorbildlich. Die Eindrücke - und als Argumentationshilfe die Studie - will Fischer Boel mit nach Brüssel nehmen. Denn: „Wir reformieren ständig die Agrarpolitik.“ Sprach es mit beiden Beinen auf dem Boden und hob dann erst ab - mit dem Hubschrauber.
Quelle Heilbronner Stimme vom 16. März von Gernot Stegert www.stimme.de
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