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Museum Würth zeigt 100 Neuerwerbungen

     
 
 

16.3.07

 

Was für Reinhold Würth «Liebe auf den ersten Blick» ist, zeigt der schwäbische Schrauben-Milliardär jetzt jedem in seinem Museum auf dem Firmengelände im ländlichen Künzelsau.

Deutlich mehr als 1.000 Kunstwerke hat sich der oft auch bei staatlichen Vorhaben spendable Mäzen in den vergangenen drei Jahren zulegt und damit seine Privatsammlung von internationalem Ruf weiter ausgebaut. 100 Gemälde und Skulpturen wählte der Kurator und Max-Ernst-Experte Werner Spies aus, um einen repräsentativen Querschnitt von Würths Sammlungsschwerpunkt der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in dem lichtdurchfluteten Museum zu zeigen. Bis 1. Juni 2008 ist ein Kaleidoskop von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart mit schillernden Namen wie Claude Monet, Georg Baselitz und Gerhard Richter zu sehen.

«So lange dauerte bisher noch keine unserer Ausstellungen», sagt Organisatorin Kirsten Fiege. Viele der zwischen 1877 und 2006 entstandenen Arbeiten würden nun erstmals gezeigt, wie die Skulptur «Two Nuns» (Zwei Nonnen) von Henri Moore. Kunstfreunde hätten sich in der Vergangenheit mehr Zeit gewünscht. Zeit ist auch nötig, um den Kunsttempel im Gewerbegebiet im Hohenlohekreis zu erreichen. Er macht auf den ersten Blick weniger her als Würths Kunsthalle in der malerischen Altstadt von Schwäbisch Hall ganz in der Nähe. Und die Besucherzahlen zeigen das: 40.000 bis 60.000 Menschen zählt das Museum Würth, die Kunsthalle kommt auf bis zu 160.000 pro Jahr.

Dabei ist das Haus in Künzelsau, zumindest bis zum Start einer großen Edvard-Munch-Ausstellung in Schwäbisch Hall mit rund 100 Werken des norwegischen Künstlers im August, der Besuchermagnet. Es beginnt mit einem eigenen, vom Rest der Ausstellung räumlich und farblich abgetrennten Surrealismuskabinett. André Masson, René Magritte und in hohem Maße Max Ernst treffen in diesem weinrotem Raum aufeinander. Neben Bildern an der Wand liegen in Vitrinen Künstlerbücher aus - auch mit Ideen Salvador Dalís. Ernst ist hier mit Freunden auch beim Grimassenschneiden in einem Passbildautomaten zu sehen. Masson lässt mit intensiven Farben «Insektenmatadoren» kämpfen seine Sichtweise auf die spanischen Stierkämpfe.

Was nach diesem liebevollen Auftakt folgt, sind ganz verschiedene zeitgenössische Positionen, die ohne Chronologie und zwingende Logik dicht gehängt und gestellt sind: bleierne Skulpturen von Anselm Kiefer, Verhüllungsobjekte von Christo und Jean Claude, Pop Art von Roy Lichtenstein. Einer der Glanzpunkte ist die mehr als zwei Meter hohe Baselitz-Bronze «Donna di Venezia». Von Pablo Picasso und abstrakten Werken Willy Baumeisters geht es zu expressionistischer Kunst, unter anderem von Ernst Ludwig Kirchner. Die Ausstellung endet vorbei an Arbeiten von Alfred Hrdlicka und Fernando Botero - mit impressionistischen Landschaften von Claude Monet, Camille Pissarro und Max Liebermann und führt damit zu den Anfängen der Moderne zurück.

Museumsleiterin Sylvia Weber will mit der Schau auch weiter die Kunst- und Arbeitswelt «im Sinne eines lebenslangen Lernens» zusammenführen. «Wir wollen einen unelitären und kostenlosen Zugang zur Kunst ermöglichen», sagt die Chefin von Würths Kunstbetrieb, der inzwischen zehn Außenstellen so genannte Art Rooms (Kunsträume) hat. Art Rooms will die Würth-Handelsgruppe, die 2006 rund 7,7 Milliarden Euro Umsatz machte und weltweit rund 55.000 Mitarbeiter hat, in diesem und im nächsten Jahr auch an Standorten in Belgien, Spanien und im Elsass einrichten. So scheint die Liebe Reinhold Würths, der seit 35 Jahren Kunst kauft und vor drei Jahren einen eigenen Kunstbeirat mit demokratischer Abstimmung gründete, unendlich. Wie viele Millionen sich der Kunstfreund diese eigene Firmenabteilung mit 14 Mitarbeitern kosten lässt, darüber schweigt sich der Schwabe aber weiter aus.

(Geöffnet täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt kostenlos, Katalog zur Ausstellung im Swiridoff-Verlag zum Preis von 32 Euro.)

Quelle: dpa/lsw vom 16. März 2007

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