Die Bauerntochter Irma Oettinger aus Hardthausen im Landkreis Heilbronn hat Queen Elizabeth II. zum Vorbild genommen und eigens für sie ein Museum eingerichtet.
Ganz besonders stolz ist Irma Oettinger auf ein Foto, auf dem fünf Menschen in offensichtlich heiterem Gespräch zu sehen sind. "Aber der Weizsäcker hat sich ein bisschen vorgedrängelt, deshalb ist die Königin nicht so gut zu sehen", bedauert die 65-Jährige den einzigen Mangel an dem Erinnerungsstück, das sie an ein ganz besonderes Datum erinnert. Damals, am 19. Oktober 1992, hat Irma Oettinger aus Hardthausen im Landkreis Heilbronn der englischen Königin Elizabeth II. bei deren Staatsbesuch in Bonn die Hand geschüttelt und ihrer Majestät einen Topf mit künstlichen Rosen geschenkt. Dass erzählt, und dass sie um fünf Uhr morgens im Unterland aufgebrochen sei. Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker übersetzte höflich, seine Gattin Marianne, Prinz Philip und Königin Elizabeth lauschten lächelnd. Nicht zu sehen sind die zahlreichen Fernsehkameras und Polizisten, durch die sich Irma Oettinger zuvor geschmuggelt hatte, um endlich einmal dem gekrönten Oberhaupt des britischen Commonwealth Aug in Aug gegenüberzustehen.
Damals ist die Geschäftsfrau aus Baden-Württemberg mit einem Schlag so etwas wie berühmt geworden. Eine Zeit lang haben sich die Medien um die blonde unbekannte Frau gerissen, die in ihrer Begeisterung für das englische Königshaus das starre Protokoll und die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen des Staatsbesuchs so erfolgreich durchbrochen hatte. "Vorher haben die Gochsener immer über mich gelacht", sagt Irma Oettinger heute, "aber damals saßen sie alle vor der Glotze und haben sich gewundert." Das hat der im Hardthausener Teilort Gochsen aufgewachsenen Bauerntochter so etwas wie eine späte Befriedigung verschafft. Und seit sie vor sieben Jahren in ihrem leer stehenden Elternhaus direkt hinter dem alten Backsteinrathaus von Gochsen auch noch ein Queen-Museum eröffnet hat, ist Irma Oettinger vollends an ihrem Ziel angekommen: Jetzt kann sie den seltenen Besuchern für drei Euro Eintrittsgeld nicht nur eine Queen-Mum-Torte oder eine Elisabeth-II-Torte zum Kaffee anbieten, sondern endlich auch noch all das zeigen, was sie mit der englischen Königsfamilie verbindet.
Da ist einiges zusammengekommen. Denn schon als Kind ist die Tochter eines im Krieg gefallenen Vaters aus ihr selbst unerfindlichen Gründen von einer tiefen Bewunderung für Königliches gepackt worden. "Aber ich schwärme nicht für irgendein Königshaus", schränkt Irma Oettinger streng ein, "sondern nur für das englische." Im zarten Alter von sieben Jahren hat die kleine Irma zum ersten Mal in einer Zeitung ein Bild der Prinzessinnen Elizabeth und Margret Rose mit ihren Eltern gesehen, ab da war es um das Kind armer Leute geschehen. "Ich hab das Bild mit heimgenommen und im Schrank versteckt", erinnert sich Irma Oettinger. "Und von da an habe ich alle Bilder von der Königsfamilie gesammelt, die ich kriegen konnte." Das waren am Anfang nicht viele, aber dann umso mehr: "Jetzt hab ich vielleicht so um die 100 000 Bilder."
Die Begeisterung für die britischen Royals hat auch nicht abgenommen, als die berufslose Bauerntochter 1965 heiratete und hinfort zusammen mit ihrem Mann Paul Gerhard einen Speditionsbetrieb mit heute zwanzig Angestellten aufbaute. Zwei Buben und ein Mädchen haben die Oettingers aufgezogen, sieben Enkel sind inzwischen dazugekommen. Die können zwar alle nicht viel mit dem Sammelsurium von Zeitungsausschnitten, selbst gebastelten Kronen, royalen Porträts und Bergen von Nippes anfangen, die das Elternhaus der Mutter anfüllen. Aber gemeinsam mit der Tochter hat es Irma Oettinger doch geschafft, den britischen Hoheiten immer wieder ganz nahe zu kommen.
Zwischen 1994 und 1999 waren die beiden Damen auf Einladung hilfsbereiter deutscher Politiker und britischer Diplomatenfreunde jedes Jahr dabei, wenn sich die Highsociety der Insel zur Geburtstagsparade der Königin in London und zum berühmten Pferderennen in Ascot versammelt hat. "Die Queen ist einfach mein Vorbild", begründet Irma Oettinger ihre hartnäckigen Versuche, der Königsfamilie so nahe wie möglich zu kommen. "Die ist einfach anständig und hat Haltung. Ein Filmstar wäre für mich kein Idol." Die Mitglieder des Königshauses bekommen jedes Jahr Geburtstagskarten aus Hardthausen, und gelegentlich kommen auch Dankesbriefe zurück. "Charles gibt mir immer Antwort", sagt Irma Oettinger und verweist auf gerahmte Schreiben.
Ein bisschen traurig ist die Museumsgründerin schon, dass sich nur wenige Interessenten unter ihrer privaten Telefonnummer 0 71 39/12 19 für eine Besichtigung anmelden. Aber entmutigen lassen will sie sich davon auf keinen Fall. Immerhin hat ihr die britische Botschaft in Berlin zur Einweihung im April 2000 schriftlich "Glück und viel Erfolg" gewünscht und bedauert, dass die Königin "leider" nicht daran teilnehmen könne. Irma Oettinger hat die Hoffnung allerdings immer noch nicht aufgegeben, eines Tages doch noch königliche Besucher im Kochertal willkommen heißen zu dürfen: "Es ist mein größter Wunsch, dass die Queen oder Charles mal herkommen!"
Quelle Stuttgarter Zeitung vom 19.03.2007 von Wieland Schmid www.stuttgarter-zeitung.de
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