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Abtauchen in die Welt des Mittelalters

     
 
 

20.3.07

 

In Neckarsulm können Besucher im neuen Stadtmuseum am "Rad der Zeit" drehen. Auf 400 Quadratmetern, verteilt auf drei Etagen, wird Zeitgeschichte lebendig inszeniert. Ein multimediales Konzept macht das kürzlich eröffnete Neckarsulmer Stadtmuseum zum Vorzeigeprojekt.

Schwarz. Felix sucht Schwarz. Vor ihm liegt ein Schild, wie ihn früher die Kreuzritter hatten. Ganz genau hat Felix das Kreuz der Deutschordensritter mit Bleistift auf sein Schild aus Pappe gezeichnet. Nun will er es ausmalen. Und dazu braucht er unbedingt einen schwarzen Stift. Schließlich soll sein Schild genauso aussehen, wie das, das er vorhin gesehen hat. Knapp zwei Stunden ist es her, dass Felix mit seinen Freunden aus Heilbronn ins Neckarsulmer Stadtmuseum stürmte und von Mitarbeiterin Katja Grabbe in Empfang genommen wurde. Eine kleine wuselige Meute, die nun abgetaucht ist in die Welt des Mittelalters, der Ritter und ihrer eigenen Fantasie.

Kinder, die zuvor Filme gesehen, durch ein Fernrohr in die Vergangenheit geblickt, Kettenhemden und Rüstungen hautnah erlebt, sogar gregorianischen Gesängen gelauscht haben. Kinder, die ein "normales" Museum mit unspektakulären Ausstellungsstücken, dazugehörigen Tafeln mit langen schriftlichen Erklärungen gelangweilt hätte. Doch im Neckarsulmer Stadtmuseum ist dies anderes. Dort wird Geschichte von der frühesten Besiedelung der Stadt bis in die heutige Zeit nicht einfach nur aus-, sondern in modernster Form dargestellt. 2,5 Millionen Euro wurden investiert, davon allein 800 000 Euro in die multimediale Inszenierung, um das Museum zu einem kulturellen Erlebnisort zu machen. Umgesetzt wurde das Konzept von dem Stuttgarter Bernd Reinecke und seiner Agentur. Reinecke: "Entstanden ist ein Vorzeigeprojekt, das in Deutschland in dieser Form einmalig ist." Und während die Kleinen mit Katja Grabbe den Deutschen Orden kennen lernen, macht sich Günter Rieß aus Lauffen mit seiner Frau, seinen Kindern und den Großeltern auf Entdeckungsreise im Museum. Da gibt es das "Rad der Zeit", an dem man sich durch die Geschichte drehen und dazu auf einem Monitor Informationen abrufen kann. Dort befinden sich Räume und Winkel, in denen die jeweiligen Zeitepochen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden. So können sich die Besucher in einer Winzerstube niederlassen und per Knopfdruck im Fenster der Stube wahlweise ansehen und anhören, wie Vater, Mutter oder Kinder die damalige Zeit erlebt haben. Alle erzählen Geschichten in der Ich-Form. Der Winzerbub, der Ingenieur, der Arbeiter oder der Künstler versetzen den Besucher in ihre Welt. Im nachgebauten Luftschutzbunker wird die Nazivergangenheit Neckarsulms dargestellt, im 50er-Jahre-Zimmer lebt das Wirtschaftswunder auf. Alles ist eindrücklich mit Einspielungen und Lichteffekten in Szene gesetzt worden. Günter Rieß: "Ich bin beeindruckt. Es ist fantastisch, wie hier Geschichte dargestellt und begreifbar gemacht wird. Die multimediale Umsetzung macht jeden Raum aufs Neue interessant, birgt Überraschungen, und es wird nie langweilig." Während Rieß sich dem nächsten Ausstellungsraum zuwendet, hat im Obergeschoss jemand Grund zur Freude: Schwarz. Endlich hat Felix den Stift gefunden und kann sein Schild bemalen. Das Schild und ein Schwert aus Holz wird er stolz mit nach Hause bringen. Doch Felix hat noch mehr im Gepäck. Heute hat er Dinge gelernt, die einprägen, er hat Geschichten gehört, an die er sich bestimmt erinnern wird.
 
Quelle Stuttgarter Zeitung vom 19. März 2007 von Matthias Marquart www.stuttgarter-zeitung.de

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