Preisträger beim erstmals ausgelobten Innovationspreis der Wirtschaftsförderung Main-Tauber (wmt) sind die Unternehmen Vacuubrand, Weinig und Wittenstein intens.
Im vergangenen Jahr ausgelobt, wurde er nun zum ersten Mal verliehen: der Innovationspreis der Wirtschaftsförderung Main-Tauber (wmt). Am Donnerstagabend erhielten die Wertheimer Firma Vacuubrand den schlanken weiß-gelben Glaspokal aus der Werkstatt von Karl-Heinz Ittig in der Kategorie I (Unternehmen bis zu 250 Mitarbeitern) für ihren Emissionskondensator Peltronic. Die Firma Weinig bekam ihn für ihr Durchlauf-Profilier-Zentrum "Conturex" in der Kategorie II (Unternehmen ab 250 Mitarbeiter). Ein Sonderpreis für ihre Knochenverlängerung "Fitbone", der tumorkranken Kindern ein gleichmäßiges Wachstum ermöglicht, wurde Wittenstein intens verliehen.
"Innovationen sind der Stoff aus dem die Zukunft besteht", meinte Landrat Reinhard Frank sichtlich erfreut über die große Resonanz der Wirtschaftsunternehmen auf den Wettbewerb. 22 Firmen hatten sich um den Innovationspreis beworben, bei dem Ideen zumindest als Prototyp umgesetzt sein mussten. Die Wirtschaftsförderung Main-Tauber, bestehend aus den 18 Städten und Gemeinden des Landkreises, dem Landkreis, der IHK, der Handwerkskammer sowie der Steinbeis-Stiftung und finanziell gesponsert von der Sparkasse Tauberfranken, bewertete nicht allein die Neuheit eines Produktes, sondern auch den potentiellen Nutzen und Marktchancen.
Bei der feierlichen Preisvergabe im lichten Casino der Vereinigten Spezialmöbelfabriken der VS ging es neben den prämierten Produkten in erster Linie um Bedeutung und Nutzen von Innovationen. Und das heißt konkret: um den Standort Deutschland, die Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt, um Arbeitsplätze und den Erhalt von Wohlstand und Lebensqualität. Als Ziel des Wettbewerbs nannte der Landrat die Bündelung von Kräften im Kreis und die Schaffung von Netzwerken.
Der Beauftragte des Landes beim Bund, Prof. Dr. Wolfgang Reinhart, betonte in seinem Grußwort, dass Baden-Württemberg gemessen an der Bevölkerungszahl mit 125 Patentanmeldungen pro 100 000 Einwohner Spitzenreiter in Deutschland sei. "Erfinder und Pionierunternehmer wie Gottlieb Daimler, Carl Benz und Robert Bosch haben den Grundstock für die weltweite Bedeutung des Standorts Baden-Württemberg gelegt", sagte Reinhart. Und er sprach den Mut an, den es bräuchte um Neues auf den Markt zu bringen, um eben Unternehmer und nicht Unterlasser zu sein. Den Innovationspreis der Wirtschaftsförderung Main-Tauber bezeichnete er als "guten Schritt in die Zukunft".
Ulrike Hagenbuch vom SWR, die den Abend moderierte, stellte den Festredner des Abends, Prof. Dr. Johann Löhn vor, der 1983 das Transfernetz der Steinbeis-Stiftung aufgebaut hat und Präsident der Steinbeis Hochschule Berlin ist.
Löhn ging es in seinem Vortrag weniger um technische Innovationen, sondern um die Bedingungen und Chancen von Innovationen vor dem Hintergrund von Globalisierung und Strukturwandel. Letztlich sei es die Informationstechnologie, die den Strukturwandel befördert und neue Wertschöpfungsketten ermöglicht habe. Dadurch erzielten immer weniger Menschen eine immer höhere Wertschöpfung, für die Grenzen keine Barrieren darstellten.
Löhn merkte an, dass in diesem Zusammenhang nationale Regierungen eine immer geringere Rolle spielten und Hierarchien immer mehr zusammen brächen. Das bedeute auch eine Zunahme an Kriminalität und grenzenlose Finanzmärkte. "Eine langsame Entwicklung ist nicht mehr möglich, weil die Welt ein Dorf ist", stellte er heraus.
Löhn hatte acht Ratschläge im Gepäck, die er als Grundlage für strategische Arbeitsgruppen in Unternehmen empfahl. Der erste galt dem Punkt Internationalisierung, die für Firmen und den heimischen Standort durchaus eine Chance darstellten, weil sie auch Arbeitsplätze im Inland schafften. Zudem müssten Technologien in der Praxis erfolgreich implementiert und hoch qualifizierte High-Tech-Leute und Firmen zusammenkommen. Dabei gelte es, das Augenmerk von Entwicklungen immer auch auf deren Nutzen zu richten. "Die Balance zwischen Hart- und Software muss stimmen", so Löhn.
Als weiteren strategischen Punkt nannte er das Finden von "qualifizierten Nischen". Nicht stetig etwas komplett Neues zu suchen und zu erfinden wertete er als Geheimnis des langfristigen Erfolgs, sondern das Verfeinern, den Ausbau und die Weiterentwicklung von Bestehendem sowie das Zurückholen von Kernkompetenzen, um die Fertigungstiefe zu erhalten. Bei all den Bemühungen sollten die Kundenwünsche allerdings nicht aus dem Blick verloren werden.
Als wichtig erachtete Löhn zudem die Schaffung von Netzwerken auch innerhalb eines Unternehmens, weil jeder im Unternehmen ein Subunternehmer sei. "In einer Hierarchie muss niemand etwas können, nur zuständig sein", merkte der Steinbeis-Mann mit Blick auf so manche Firmenstruktur ironisch an. Er plädierte, Mitarbeitern Kreativität und Freiraum zu belassen, weniger zu diskutieren und den Blick mehr auf die Umsetzung von Entwicklungen zu richten. "Wer kompetent ist, ist auch Chef", so Löhn.
Darüber hinaus müsse eine gute Fort- und Weiterbildung nach dem Prinzip des lebenslangen Lernens gewährleistet sein, die schon allein wegen der Wertschätzung ihren Preis koste. Hvb
Quelle Fränkische Nachrichten vom 24. März 2007 www.fnweb.de
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