Alle Landkreise in der Region haben im Zukunftsatlas 2007 von Prognos ihre Position gegenüber dem Regionalranking von 2005 teils erheblich verbessert.
Das Abschneiden der Region ist für IHK-Hauptgeschäftsführer Heinrich Metzger aber „kein Grund, sich auf den eigenen Lorbeeren auszuruhen“. Dass die Stadt Heilbronn von Platz 53 auf 151 abgerutscht ist, nennt er „schmerzhaft“. Eine einleuchtende Erklärung dafür habe er keine. „Dieses Ranking macht aber deutlich, wie hoch die Dynamik und wie groß die Unterschiede in den einzelnen Städten und Kreisen sind.“ Der IHK-Hauptgeschäftsführer sieht sich durch die Studie darin bestätigt, einen regionalen Pakt Zukunft abzuschließen: „Auch wenn sich Heilbronn-Franken in den vergangenen Jahrzehnten ausgezeichnet entwickelt hat, müssen wir weiterhin daran arbeiten, dass unsere Region sich auch in Zukunft behaupten kann. Mit dem Pakt sind wir da auf dem richtigen Weg.“
Bayern und Baden-Württemberg deutschlandweit vorne
Der Aufbau Ost hat in den vergangenen drei Jahren in einigen Regionen spürbare Fortschritte gemacht. Eine Reihe von Städten und Kreisen in den neuen Bundesländern haben ihre Wettbewerbsfähigkeit in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die drei ostdeutschen Spitzenstandorte Dresden, Potsdam und Jena bewegen sich inzwischen in der gleichen Liga wie westdeutsche Top-Regionen. Das ist ein Ergebnis des „Zukunftsatlas 2007“, den das Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos für das Handelsblatt erstellt hat.
Insgesamt zeichnet die Studie ein differenziertes Bild von der Lage in den neuen Bundesländern. „Licht und Schatten liegen im Osten dicht beieinander“, sagt Christian Böllhoff, Geschäftsführer der Prognos AG. Denn trotz der Erfolge einiger Regionen sind die neuen Länder insgesamt weiter ein wirtschaftlicher Problemfall. „Die Fortschritte im Osten sind da, aber sie sind leider sehr punktuell“, betont Böllhoff. „Die Wachstumsregionen strahlen zu wenig aus. Insgesamt ist der Osten nicht über den Berg.“
Zum zweiten Mal nach 2004 hat die Schweizer Denkfabrik die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit aller 439 kreisfreien Städte und Landkreise Deutschlands untersucht. Grundlage der Studie sind 29 verschiedene Indikatoren, darunter Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten sowie Kennzahlen zur demographischen Entwicklung, zur Innovationskraft und zur sozialen Lage.
Das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle hat sich seit 2004 noch weiter verstärkt, zeigt die Untersuchung. Immer mehr Städte und Landkreise in Bayern und Baden-Württemberg lassen den Rest der Republik hinter sich. Sieben der acht Regionen der Spitzengruppe mit „Top-Zukunftschancen“ liegen in Bayern, eine in Baden-Württemberg. Auch von den 35 Städten der zweiten Gruppe, denen Prognos sehr gute Zukunftschancen attestiert, kommt die Mehrheit (19) aus beiden süddeutschen Ländern. Aus Nordrhein-Westfalen schaffen es vier Städte in diese Gruppe (Düsseldorf, Leverkusen, Aachen und Münster), aus Niedersachen nur eine (Wolfsburg). „Die wirtschaftlichen Kraftzentren Deutschlands liegen ganz eindeutig in Bayern und Baden-Württemberg, wobei der Südwesten stärker von der Substanz lebt und einzelne Kreise und Städte bei der Dynamik zulegen müssen, um weiter vorne zu bleiben“, sagt Peter Kaiser, Projektleiter Zukunftsatlas bei Prognos.
Unangefochten an der Spitze liegt der Ballungsraum München. Die ersten drei Plätze gingen wie bereits 2004 an den Landkreis und die Stadt München sowie den benachbarten Kreis Starnberg. Zunehmend strahlt die wirtschaftliche Potenz auch in das Münchener Umland aus: Die an die bayerische Landeshauptstadt angrenzenden Landkreise Miesbach, Ebersberg und Dachau sind zu Regionen mit „sehr guten Zukunftschancen“ aufgestiegen.
Insgesamt steht der Wirtschaftsstandort Deutschland besser da als 2004, zeigt die Untersuchung. 43 Regionen haben laut Prognos sehr hohe oder sogar „Top-Zukunftschancen“ – vor drei Jahren war diese Spitzengruppe nur etwa halb so groß. „Die Voraussetzungen für einen länger anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung sind damit gegeben“, betont Böllhoff.
Die größte Bewegung im Ranking hat es in Ostdeutschland gegeben: Acht der zehn Städte und Kreise, die ihre Position im Ranking am stärksten verbessert haben, liegen in den neuen Bundesländern. Der größte Aufsteiger der Studie ist Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern: Die Hansestadt stieg innerhalb von drei Jahren um 224 Plätze auf und liegt jetzt auf Rang 101.
Anders als 2004 schaffen drei ostdeutschen Städte – Dresden, Potsdam und Jena – in diesem Jahr den Sprung in die gesamtdeutsche Top-20. Sie schneiden damit deutlich besser ab als die westdeutschen Metropolen Köln, Frankfurt und Hamburg. Vor drei Jahren war Jena auf Platz 24 noch der einzige ostdeutsche Standort, der ganz oben rangierte.
Neben den Vorzeige-Standorten bescheinigt Prognos jetzt 28 ostdeutschen Städten und Kreise einen „ausgeglichenen Chance-Risiko-Mix“ – mehr als dreimal soviel wie 2004. Vor allem Regionen, die an der Verkehrsachsachse Hannover-Berlin liegen, haben aufgeholt – und solche, die über hohe wirtschaftliche und technologische Kapazitäten verfügen. „An einigen Kristallisationspunkten findet ein Aufholprozess Ostdeutschlands statt“, betont Böllhoff.
Auch die Zahl der absoluten wirtschaftlichen Problemfälle in Ostdeutschland hat abgenommen: Vor drei Jahren sah Prognos bei 101 der 113 ostdeutschen Städte und Kreise mehr Risiken als Chancen. Heute sehen die Experten noch für 81 Regionen in den neuen Ländern größere Probleme. Wie 2004 liegen alle Regionen, denen die Forscher hohe oder sehr hohe Zukunftsrisiken attestieren, in den neuen Bundesländern. „Ländliche strukturschwache Regionen Ostdeutschlands sind die größten Sorgenkinder“, sagt Böllhoff. Defizite in der Wirtschaftsstruktur und die abgelegene Lage schaukeln sich dort gegenseitig auf.
Probleme haben auch zahlreiche Regionen in Nord- und Westdeutschland. „Zahlreiche Regionen im Mittelfeld haben sich etwas verschlechtert“, so Peter Kaiser von Prognos. „Der Strukturwandel und die Wirtschaftsflaute nach der Jahrtausendwende haben deutliche Spuren hinterlassen.“
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