Arbeitsreich war das Jahr 2006 für Bechtle. „Aber der Erfolg hat uns für den Kraftakt entschädigt“, sagt Vorstandschef Ralf Klenk. Um 11,4 Prozent hat sich das Vorsteuerergebnis verbessert - und genau an dieser Kennzahl messen die Neckarsulmer ihren Erfolg. Der Umsatz ist dagegen nur um vergleichsweise magere 3,6 Prozent gewachsen.
Im größeren Segment Systemhaus sind die Neckarsulmer mit 817 Millionen Euro Umsatz auf der Stelle getreten - in der Schweiz hat Bechtle bei den Systemhäusern sogar ein deutliches Umsatzminus verbuchen müssen. Dennoch ist die Entwicklung im Systemhaus-Geschäft nicht ohne: Durch den Preisverfall müssen die Neckarsulmer mindestens zehn Prozent mehr verkaufen, erklärt Klenk, um den Umsatz zu halten.
Der Wachstum im vergangenen Jahr stammt fast ausschließlich aus dem deutlich kleineren Handelssegment E-Commerce, das seine Umsätze mittlerweile schon zu zwei Dritteln im Ausland erwirtschaftet. Um beinahe zehn Prozent haben die Neckarsulmer hier den Umsatz gesteigert - auf 403 Millionen Euro.
Beim Ergebnis lagen die beiden Segmente mit 22,5 Millionen Euro (Systemhaus) und 23,1 Millionen (E-Commerce) gleichauf. Trotz der Schwierigkeiten in der Schweiz haben die Systemhäuser ihr Ergebnis im vergangenen Jahr um über 20 Prozent verbessert. Dass die Bechtle-Gesellschaften in der Schweiz weniger verdient haben als zuletzt, macht schon die folgende Zahl deutlich: Die Steuerquote ist von 28,9 Prozent auf 33 Prozent gestiegen. Die Eigenkapitalquote liegt bei stolzen 60 Prozent.
Große Ziele
Im laufenden Jahr will Klenk den Umsatz von 1,22 auf 1,3 bis 1,35 Milliarden Euro steigern. Vor Steuern soll dann ein Ergebnis von 48 Millionen Euro herauskommen. Große Zukäufe plant Bechtle nicht, „günstige Gelegenheiten“ zur Stärkung der Marktposition möchte der Vorstandschef aber durchaus nützen - die „Kriegskasse“ ist gut gefüllt. Wachstum soll auch die E-Commerce-Zweitmarke ARP bringen, die mittelfristig in allen Bechtle-Märkten aufgebaut werden soll. Im Mai startet ARP in Frankreich. Größer werden sollen auch die Geschäfte mit der öffentlichen Hand - hier haben die Neckarsulmer strategisches Know-how aufgebaut.
Am Ziel, den Umsatz bis 2010 auf zwei Milliarden und die Umsatzrendite auf über fünf Prozent zu erhöhen, hält Klenk indes fest - obgleich er zugibt, dass dies „mehr als nur sportlich ambitioniert“ ist. Das Unternehmen verfüge nach dem Umbau der Konzernstruktur über ein so gutes Fundament, dass dieser Wachstumssprung möglich sei.
Quelle Heilbronner Stimme vom 30. März 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de
Hintergrund
Bechtle und der Tec-Dax
„Wir sind drin”, sagt Bechtle-Chef Ralf Klenk zum Thema Tec-Dax. Das ist zwar bereits seit September 2004 der Fall ganz selbstverständlich ist die Tatsache dennoch nicht: Im Vorfeld der turnusmäßigen Überprüfung der Indizes war darüber spekuliert worden, dass Bechtle herausfliegen könnte. Erst durch die Fusion der beiden Tec-Dax-Werte Freenet und Mobilcom sei dann wieder ein Plätzchen für die Neckarsulmer freigeworden, wurde damals kolportiert. Den Platz am unteren Ende des Tec-Dax-Rankings erklärt Klenk unter anderem mit der Aktionärsstruktur: Die beiden Großaktionäre Familie Schick (32 Prozent) und BWK (18,5 Prozent) haben zusammen mehr als die Hälfte der Bechtle-Papiere in ihren Depots liegen. Entsprechend werden an der Börse relativ wenig Aktien gehandelt. Hinzu kommt, dass sich die Aktie in den vergangenen Jahren unterdurchschnittlich entwickelt hat, weshalb der Börsenwert der Bechtle AG vergleichsweise klein ist. „Diese Werte können wir nur bedingt beeinflussen”, sagt Klenk. „Aber wir sind froh, dass wir gelistet sind.” mfd
Zur Person
Thomas Olemotz
Seit vier Wochen ist der neue Bechtle-Finanzvorstand jetzt im Amt, Noch sei er am Lernen, aber er haben ein „gutes Gefühl” sagte Dr. Thomas Olemotz am Rande der Bilanz-Vorlage in Stuttgart. Sein „gutes Gefühl” rührt auch daher, dass er von einem Unternehmen kommt, das ebenfalls stark von einer Familie geprägt ist: Bisher arbeitete der 44-Jährige in verschiedenen Positionen für die BMW-Großaktionärsfamilie Quandt. Für Vorstände, die von außen kommen, ist Bechtle kein leichtes Pflaster: Fünf haben die Neckarsulmer in den vergangenen Jahren verschlissen. Im Gegensatz zum letzten Versuch, der nach drei Wochen zu Ende war, scheint die Chemie an der Spitze diesmal aber zu stimmen. mfd
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