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Dinos aus der Region sind die Saurier-Stars

     
 
 

2.4.07

 

April 1977: Der Bau der Autobahn Heilbronn-Nürnberg schreibt Geschichte. Doch nicht etwa Ingenieure erregen die Aufmerksamkeit von Presse, Funk und Fernsehen, sondern Paläontologen. Die Urzeitforscher bergen bei Kupferzell binnen zwei Monaten ein hunderte Millionen Jahre altes Skelett nach dem anderen aus dem Unteren Keuper. Dort, wo heute die Blechlawine durch Hohenlohe rollt, wurde vor 30 Jahren die mit 30 000 Stücken größte Amphibienfundstelle Europas entdeckt.

Hauptrolle

Wie das Grabungsteam damals arbeitete, lässt sich nun wieder nachempfinden. Im Stuttgarter Naturkundemuseum wurde ein kleiner Teil der Jahrhundertfundstelle nachgebaut. Nicht nur Kupferzell spielt eine Hauptrolle in der Landesausstellung „Saurier - Erfolgsmodelle der Evolution“, die heute ihre Pforten öffnet. Auch Pfaffenhofen hat in der Dino-Szene einen klangvollen Namen.

Etwa ein Viertel der in der Schau gezeigten Exponate stammt aus der Region zwischen Zabergäu und Crailsheim und die Hälfte der Fossilien. Teile einer Pflasterzahnechse aus Sinsheim sind zu sehen, Muscheln aus Jagstfeld, eine Schilfbank aus Bad Friedrichshall, Fragmente eines Mastodonsaurus aus Bauersbach. „Aus Hohenlohe stammen mit die besten Funde in Europa“, sagt Ausstellungsmacher Rainer Schoch. Die Gegend sei vergleichbar mit dem weltbekannten Holzmaden. „Ich führe oft internationale Forscher hin - da ist das Staunen oft groß.“

Schein-Krokodil

Der Batrachotomus kupferzellensis erhielt gar seinen Namen vom Fundort. Der „Lurchschlächter“ machte vor 233 Millionen Jahren die Brackwassersümpfe unsicher. Seine Kauwerkzeuge ließen ihn dabei nie im Stich - sie wuchsen immer wieder nach, warum das so genannte Scheinkrokodil stets mit Zahnlücke herumlief, fanden die Wissenschaftler heraus. Viele Originale werden erstmals öffentlich ausgestellt: der weltweit größte Unterkiefer des gewaltigen Mastodonsaurus etwa, ein Sechs-Meter-Lurch mit bis zu 15 Zentimeter langen Fangzähnen.

Warum die Region in Sachen Urzeit für die Forscher so ergiebig ist, verdeutlicht das Stück eines Steinbruchs, dessen Erdschichten teilweise aus Fragmenten aus Berlichingen bestehen, teilweise täuschend echt nachgebildet wurden. „Allein im Muschelkalk stecken fünf Millionen Jahre drin“, erklärt Schoch. Damals, vor 237 Millionen Jahren, ragten in Mitteleuropa nur wenige große Inseln aus dem riesigen Ozean. Zwischen den Riffen jagte flink der bis zu sieben Meter lange Nothosaurus nach Fischen und Reptilien, der Tanystropheus reckte seinen meterlangen Giraffenhals. In der Trias, im frühen Erdmittelalter, entstanden Säugetiere, Fische und Dinos. Und einer der artenreichsten Fundorte dieser Epoche vor 250 bis 200 Millionen Jahren ist der Weiße Steinbruch in Pfaffenhofen. „Dort zu graben wäre für mich das Ultimative“, meint Schoch.

Schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, als noch Stubensandstein abgebaut wurde, zeigte sich dort die Artenvielfalt der Urzeit. Noch heute birgt dieses Gebiet Schätze, ist sich der Wissenschaftler sicher. Allerdings ist der Steinbruch Naturdenkmal, um eine Grabung muss Schoch kämpfen. Und er hofft, auf ähnliche Szenen zu stoßen wie die auf einem Diorama in der Ausstellung dargestellte. Sie zeigt die Zeit des Mittleren Keuper vor 212 Millionen Jahren. Aus dem Meer waren in der Region über die Jahrmillionen Sümpfe und später trockenere Landschaften geworden.

Die aus Brasilien und Argentinien stammenden Dinosaurier hatten sich über die ganze Welt verbreitet. Die aus dem Boden geholte Vorlage für das Diorama stammt zwar aus Trossingen. „Das könnte aber genauso gut in Pfaffenhofen spielen“, sagt Rainer Schoch. Denn etliche der Tiere wurden auch im Zabergäu gefunden: ein Liliensternus etwa, ein Fünf-Meter-Räuber, der sich im Team wohl sogar an den Plateosaurus heranwagte. Oder den Procomposgnathus, einen gefiederten Dinozwerg. Er gilt als ganz früher Urahn der Vögel.

Öffnungszeiten

Die Schau ist von 31. März bis 30. September täglich außer montags geöffnet. Zeiten: Von 9 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr, samstags, sonntags und feiertags bis 19 Uhr, Eintritt acht Euro, ermäßigt fünf Euro.

Saurier

 
         
         
 
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