Die Audi AG hat mit ihrem Pilotprojekt Silverline in ihrem Neckarsulmer Werk neue Chance für ältere, erfahrene Mitarbeiter in der Fertigung geschaffen.
Die Produktion des Sportwagens R 8 ermöglicht längere Intervallzeiten in kleinen Gruppen. „Diese Arbeit hat den Vorteil, dass die Bewegungsabläufe vielfältiger als in der Serienfertigung sind“, erläutert Walter Raml vom Audi- Personalwesen.
Derzeit fertigen rund 50 Mitarbeiter täglich rund 18 bis 20 Exemplare des zirka 100 000 Euro teuren Sportwagens. Der Name des Projektes ist nicht nur von den leicht ergrauten Schläfen so manchen Mitarbeiters hergeleitet, sondern auch von der häufig silbernen Farbe der schnellen Flitzer.
Statt auf aufwendige Maschinenausstattung setzt die quattro GmbH, eine 100 Prozentige Audi-Tochter, bei dem 420-PS-starken Sportwagen auf Handarbeit. So werden etwa bei der Serienfertigung der günstigeren Limousine A 6 zwei Teile in eineinhalb Minuten in das Auto eingesetzt; beim R 8 sind es 50 Teile, die in 45 Minuten in einer bestimmten Reihenfolge montiert werden müssen. Die Gruppe besteht aus vier Männern, bei der Serienfertigung sind es acht bis zwölf. „Es geht dabei nicht darum, dass die Menschen in der R 8- Fertigung weniger arbeiten müssten als zum Beispiel beim A 6. Es geht darum, einseitige Belastungen zu vermeiden“, erläutert Raml. Silverline sorge für eine freiere Zeiteinteilung und mildere den Stress für diejenigen, die sich mit komplexen Arbeitsgängen nicht überfordert fühlen.
Das Projekt ist auch aus der Beschäftigung der Werksärzte mit dem demografischen Wandel der Belegschaft entstanden. Horst Mann, Leiter des Gesundheitswesens, erläutert: „Es überrascht viele, aber im Schnitt nehmen ab 30 Jahren Körperkraft und Koordinationsfähigkeit bei den Menschen ab. Andererseits nehmen bei vielen Mitarbeitern Eigenschaften wie Übersichtsfähigkeit, Integrationsfähigkeit und generell soziale Fähigkeiten zu.“ Deshalb strebe er an, Alternativen zu den sich ständig wiederholenden Bewegungsabläufen zu finden. Die Belegschaft für die R 8-Fertigung ist allerdings beileibe keine Seniorenmannschaft. Das Durchschnittsalter der 50 Mitarbeiter liegt bei 37 Jahren. Die Spanne reicht von 22 bis 53 Jahren.
Die erste Resonanz der Beschäftigten, die allesamt Banderfahrung haben, ist positiv. Der gelernte Kfz-Lackierer Thomas Helter (46) etwa erzählt: „Vorher hattest du zwei Teile zum Einbauen, jetzt sind es bis zu 50. Da musst du schon geistig mit dabei sein. Aber ich wollte ja nichts Einseitiges mehr.“ Auch der Neckarsulmer Betriebsrat steht voll hinter dem Projekt. Sein Vorsitzender Norbert Rank schwärmt: „Lebenslanges Lernen ist bei Audi keine leere Worthülse.“ Aber erst eine Bewertung des werksinternen Gesundheitsdienstes soll gesicherte Erkenntnisse bringen. Raml: „Ob Elemente aus diesem Projekt in die Serienfertigung einfließen, wird dann erst nach dieser Bilanz entschieden.“ (lsw)
Quelle Heilbronner Stimme vom 10. April 2007 www.stimme.de
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