Nächste Woche steht er beim Händler, der R8. Das ist der nächste Meilenstein in der noch jungen Geschichte des Audi-Sportwagens. „Der R8 ist wirklich ein Neckarsulmer Kind“, sagt Werner Frowein, Chef der Neckarsulmer Audi-Tochter Quattro GmbH.
REPORTAGE - Dass er viel Spaß an dem neuen Flitzer hat, sieht man Frowein auf den ersten Blick an. „Obwohl ich das Auto jetzt schon seit über drei Jahren fast täglich sehe, löst es immer noch Emotionen in mir aus. Es ist eine große Freude zu sehen, mit welcher Begeisterung die Mitarbeiter jetzt an ihm arbeiten.“ Insgesamt 250 Audianer sind in der Halle B14 zugange, in der zurzeit an jedem Arbeitstag in zwei Schichten 18 R8 entstehen - in der Spitze sollen es 25 Stück werden, sagt Frowein. 80 Mitarbeiter sind für den Karosseriebau zuständig, 150 Mann für die Endmontage - Frauen sind nur ganz wenige dabei.
Viele Besucher Nur für den Lack verlassen die Autos die Montagehalle - dort laufen sie gemeinsam mit dem A8 und dem Lamborghini durch die Tauchbäder, bevor sie wieder zurück in die R8-Halle gebracht werden. Dadurch kann man auf kleinstem Raum fast vollständig mitverfolgen, wie der Sportwagen entsteht. Drei bis vier R8-Interessenten haben die Neckarsulmer seit Oktober täglich durch die Halle geführt - entsprechend lang ist die Warteliste: Eine Jahresproduktion des 100 000-Euro-Autos ist bereits verkauft, noch bevor der erste R8 überhaupt beim Händler steht.
Es ist wie ein großes Puzzle-Spiel, bis das Auto fertig ist: 5169 Teile von 482 Lieferanten aus vier Kontinenten müssen zusammengebaut werden. Am richtigen Ort und in der richtigen Reihenfolge. 308 Schrauben werden eingedreht, 782 Stanznieten gesetzt und fast 100 Meter Schweißnaht pro Auto gezogen. „Alles Handarbeit“, frohlockt Frowein. Fast alles jedenfalls. Fünf Roboter werden dort eingesetzt, wo es technisch nötig ist - zum Beispiel bei den gewindefurchenden Schrauben, die ins blanke Blech gedreht werden: Für die ist kein manueller Schraubendreher stark genug.
Kaum Roboter Die Roboter sind übrigens Überbleibsel vom Ökoauto A2, das bis 2005 in Neckarsulm gebaut wurde. Damit sie in das neue Ambiente passen, wurden die knallorangenen Stahl-Kollegen in ein dezentes anthrazit umgespritzt - passend zum Rest der Halle, die in den Farben silber, hellgrau und weiß gestrichen ist. Gerade im Karosseriebau des neuen Kraftprotz’ sind auch viele ehemalige A2-Mitarbeiter dabei. Nicht beim Motor, aber beim Blech ist der nämlich ein enger Verwandter des R8: Beide Karossen sind fast komplett aus Aluminium.
Am Ende der Montagehalle ist der „Supermarkt“, erklärt R8-Fertigungsleiter Helmut Stettner. Dort holen sich die Werker die Teile ab, die sie in einem 45-Minuten-Takt verbauen. „Da ist sehr viel Mitdenken erforderlich.“ Auch, weil sich die Leute die Zeit selbst einteilen müssen. „Die 45 Minuten sind gut ausgefüllt“, sagt Stettner. „Zeit für größere Pausen ist da nicht eingeplant.“ Am Ende muss der Warenkorb leer sein. „Dann weiß der Werker, dass er alle Teile verbaut hat.“
Gruppenarbeit Weil auch die R8-Fertigung in Gruppen organisiert ist, muss jeder Werker auch die Arbeitsinhalte zweier Kollegen können. Insgesamt sind das 135 Minuten. Deswegen setzen die Neckarsulmer beim R8 gerne erfahrene Mitarbeiter ein - der älteste ist 53 Jahre alt. Der Altersschnitt ist mit 37 dennoch nicht höher als sonst im Werk: Viele Monteure haben den R8 schon in der Entwicklung begleitet.
Nicht nur der Qualität wegen wird der R8 in einer Manufaktur hergestellt - auch, weil sich das rechnet. Mit 28 Millionen Euro waren die Investitionen in die Anlagen vergleichsweise gering - angesichts der kleinen Stückzahlen hätten sich mehr Roboter nicht bezahlt gemacht. Der R8 spielt eben in einer anderen Liga als seine Geschwister. Der teuerste Neckarsulmer ist er dennoch nicht: Je nach Motorisierung kann der A8 auch ohne Extras schon mehr kosten.
Quelle Heilbronner Stimme vom 17. April 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de
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