Das neue „Mustang-Museum für die Zukunft“ in Künzelsau ist fertig. Es wurde gestern der Presse und rund 30 geladenen Gästen vorgestellt.
Beim Weg ins Obergeschoss dringt das Geratter von Nähmaschinen ans Ohr der Museumsbesucher. Die Illusion ist perfekt. Dort, wo 1932 Luise Hermann und sechs Näherinnen mit der Produktion von Berufsbekleidung wie Kittelschürzen begann, sitzen auch heute wieder Näherinnen. Allerdings sind es Puppen. Und das Nähmaschinengeratter kommt aus Lautsprechern. Dennoch wirkt die Szenerie täuschend echt. Tatsächlich ist auch alles echt: Der Raum, der Boden, die Hocker, auf denen die Näherinnen saßen.
Jeans und Zeitgeschichte
Das neue „Mustang-Museum für die Zukunft“ in Künzelsau ist fertig. Es wurde gestern der Presse und rund 30 geladenen Gästen vorgestellt. Die Öffentlichkeit hat am 6. Mai bei einem „Tag der offenen Tür“ Gelegenheit, das Museum rund um die Jeans aus Künzelsau kennen zu lernen. In der Austraße 10, unweit der Stadthalle, entstand auf 280 Quadratmetern ein Museum, das einerseits Jeans als Spiegel der Zeitgeschichte zeigt, andererseits auch sehr persönliche Einblicke in das Leben der Firmengründerfamilien Hermann und Sefranek erlaubt. In der Diele ist ein Kofferturm aufgebaut. Die Deckel der Koffer sind offen. Drin sind Bildschirme zu sehen. Luise Hermann kommt ins Bild. Koffer deshalb, weil viel historisches Material schlicht in Koffern aufbewahrt worden war. Albert Sefranek, heute 87 Jahre, erzählt, er habe frühzeitig angefangen, Werbeunterlagen oder Briefbögen zu sammeln. „Sonst verschwindet das.“ An ein Museum habe er damals aber nicht gedacht.
Musik dazu Dass jetzt ein öffentlicher Raum dort entstanden ist, wo er sich früher mit „Oma“ - gemeint ist Luise Hermann, seine Schwiegermutter - zum Kaffee traf, ist für ihn ein etwas merkwürdiges Gefühl. Aber: „Ich muss im Nachhinein sagen, das Museum hat von vielen Seiten Resonanz gefunden. Das Museum ist vielleicht keine schlechte Sache, auch kommerziell gesehen.“
Neben den Anfängen der Firma und dem Siegeszug der „Hermann Cowboy Hosen“ in den 50er Jahren wird vor allem der Wandel der Firma Mustang zum Komplettanbieter für Lifestyle und Mode beleuchtet. Projektionen und Touchscreen-Monitore beziehen den Besucher aktiv mit ein. Abschluss des Museumsrundgangs ist ein Besuch im kleinen Kino. „True Story“ wird dort gezeigt - die Geschichte der Marke Mustang.
Ein Soundsystem sorgt dafür, dass der Besucher mit passender Musik aus der jeweils behandelten Epoche beschallt wird. Heiner Sefranek, Geschäftsführender Gesellschafter, betont, dass das Museum „nichts Statisches“ bleiben, sondern ständig ergänzt werden soll. „Es soll leben.“ Die Agentur „Atelier & Friends“ hat ein Raum-in-Raum-Konzept umgesetzt: In die Zimmer des bis 2001 bewohnten Hauses wurden Schau-Räume zu Themen wie Marketing, Lifestyle oder Veredelung eingezogen.
Quelle Heilbronner Stimme vom 27. April 2007 von Henry Doll www.stimme.de
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