Im Raum Heilbronn ist die „grüne Technik“ inzwischen ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor. Viele neue Arbeitsplätze sind entstanden.
Die Idee, den Raum Heilbronn zur Umwelttechnologie-Region zu machen, wurde Ende der 1990er Jahre wieder begraben. Dennoch ist grüne Technik ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor im Unterland. Durch den Klimawandel wird die Bedeutung der Branche noch zunehmen.
Schon seit mehreren Jahrzehnten wird im Heilbronner Telefunkenpark – damals sogar noch unter der Marke Telefunken – an der Solartechnik geforscht. Visionäre Prospekte aus den 80er Jahren zeigen große Photovoltaik-Kraftwerke in der Wüste und eine Wasserstoff-Infrastruktur auf. Zum Umsatzbringer werden die Heilbronner Solarzellen aber vor allem im Weltraum: Seit 1964 wurden mehr als 300 Satelliten mit Solarzellen aus Heilbronn bestückt. Inzwischen firmiert das Unternehmen mit 70 Beschäftigten als Azur Space Solar Power.
Wie der Phönix aus der Asche der abgewickelten Firma Kaco Elektro ist die Neckarsulmer Kaco Gerätetechnik als Hersteller von Wechselrichtern für Sonnenstromsysteme aufgestiegen. Mit weit über 100 Mitarbeitern, globalen Aktivitäten und drei Werken in Neckarsulm gehört diese Firma zu den Aushängeschildern der Branche. „Klimaschutz ist zuerst eine Frage der Überzeugung und dann des Geschäfts“, sagt Geschäftsführer Ralf Hofmann, der seine Maschinen neuerdings mit Ökostrom aus Schönau laufen lässt.
Wechselrichter – also Geräte, die den von den Solarzellen produzierten Gleichstrom in Wechselstrom verwandeln – baut auch die Hohenloher Würth-Elektronik-Gruppe. Mit der Schwäbisch Haller Solarfabrik, in der rund 125 Mitarbeiter Dünnschicht-Solarzellen fertigen, entwickelt sich Würth zunehmend zu einem bedeutenden Spieler in der Photovoltaik- Branche: Bis zum Jahresende soll die Kapazität auf eine Nennleistung 30 Megawatt ausgebaut werden.
Mit gut 40 Mitarbeitern ist die Firma Endress & Widmann im Neuenstädter Gewerbepark im Kochertal einer der größten Installateure von Photovoltaikanlagen in der Region. „Die Klimadebatte spürt man in der Nachfrage schon“, sagt Geschäftsführer Friedhelm Widmann. „Wichtig wäre aber mehr politische Unterstützung.“ Wachstum sieht er vor allem im Bereich der Solarwärme. „Das bauen wir weiter aus.“ Zusätzlich zu seinen 40 Mitarbeitern vor Ort beschäftigt Widmann bundesweit nochmals 80 Leute, die auf die Montage von Photovoltaikanlagen spezialisiert sind.
Rückenwind spürt auch die Güglinger Firma Rotex, die unter anderem Sonnenkollektoren fertigt. Die Nachfrage steigt steil: Noch im Frühjahr soll mit dem Bau einer neuen Produktionshalle begonnen werden. Es sind aber nicht nur die großen Firmen, für die sich durch die Klima-Debatte neue Märkte eröffnen – auch wenn sich das nicht genau in Zahlen fassen lässt. „Wir haben jedenfalls eine steigende Zahl an Lehrgangsteilnehmern“, sagt Martin Goedeckemeyer vom Bildungs- und Technologiezentrum der Heilbronner Handwerkskammer. In den vergangenen dreieinhalb Jahren wurden 120 Handwerker zu Gebäudeenergieberatern ausgebildet. Allein in diesem Jahr werden weitere 80 hinzukommen, sagt Goedeckemeyer.
„An diesem Rieseninteresse sehen wir, dass das Themen sind, die für die Handwerker wichtig sind“, sagt der Innovationsberater. Hinzu kommen Weiterbildungskurse für verschiedene Gewerke, die mit Energiespartechnik zu tun haben. „Da zeigen wir, wie man ein Haus energetisch ganzheitlich betrachtet.“ Die Nachfrage nach seinen Angeboten erklärt er mit der steigenden Nachfrage der Kunden seiner Teilnehmer.
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