Reinhold Würths Begeisterung für Sizilien hat tiefe Wurzeln. Wurzeln, die bis in seine Schulzeit zurückreichen.
Damals hörte der Künzelsauer Unternehmer zum ersten Mal vom Stauferkaiser Friedrich II., dem Enkel Barbarossas, der in Palermo residierte. „Dieser außergewöhnliche Kaiser hat mir immer imponiert“, gesteht der 72-Jährige.
Eine ähnlich Faszination wie vom Stauferkaiser, den seine Zeitgenossen auch als Stupor mundi, als das Staunen der Welt, bezeichneten, geht heute vor allem für Sizilianer aus dem Kunst-, Kultur- und Wissenschaftsbereich von Reinhold Würth aus. Seit 2003 unterstützt der Hohenloher nicht nur die Restaurierung der Capella Palatina, der Kapelle im Palast, die im 12. Jahrhundert von Friedrichs Großvater, König Roger II., erbaut worden ist und 2001 bei einem Erdbeben schwer beschädigt wurde. Er bereichert das kulturelle Leben der sizilianischen Metropole seit 2005 jedes Jahr mit einer Ausstellung moderner Kunst aus seiner Sammlung. Für dieses Engagement erhielt Reinhold Würth nun die Ehrendoktorwürde der Universität Palermo in Kunstgeschichte. Für den Rektor der Universität, Prof. Giuseppe Silvestri, ist Würth „eine wichtige Persönlichkeit der europäischen Kultur, ein Mäzen, der in die Kultur unseres Planeten investiert.“ Prof. Dr. Maria Concetta di Natale stellte den Hohenloher in ihrer Laudatio gar in eine Reihe mit hochkarätigen Kunstsammlern von den Medici bis zu Giuseppe Emanuele Ventimiglia Cottone, Prinz von Belmonte, und Agostino Gallo. Wie sie habe auch er seine Privatsammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ihr damit „bildenden und sozialen Charakter“ verliehen.

Blitzlichtgewitter Nicht nur beim Festakt und der Pressekonferenz im Palazzo Steri kam der Industrielle gar nicht mehr aus dem Blitzlichtgewitter heraus. Bereits bei seinem Besuch in der Capella Palatina, wo sich Würth über die Restaurierung informierte, war das erste Interview für den italienischen TV-Sender RAI fällig. Er fühle sich als „europäischer Bürger“, erklärte er den Journalisten. Sein Engagement in Sizilien sei somit eine „Kontribution an die res publica, der ich mich sehr verpflichtet fühle.“ Also an ein alle Grenzen überschreitendes bürgerliches Gemeinwesen. Bei seiner Antrittsrede als Ehrendoktor der Kunstgeschichte betonte Würth zudem weitere Aspekte der Bedeutung von Kunstsammlungen im Eigentum von Unternehmen. Sie könnten nicht nur das Image des Unternehmens fördern, sondern auch Künstler unterstützen, die noch nicht Eingang in die internationale Kunstszene gefunden hätten.
Partnerschaft „Das ist eine sehr glückliche Wahl“, gratulierte Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen den sizilianischen Kollegen, zur Auswahl des neuen Ehrendoktors aus Hohenlohe. Er hatte Würth nach Sizilien begleitet, als Rektor der Universität, die Würth die ersten Ehrendoktorwürde verliehen hatte. Und aus dem ersten Kennenlernen der Universitätsrektoren könnte sich noch manches entwickeln. Denn mittlerweile geht Reinhold Würths Engagement über das Kunstmäzenatentum hinaus: Er nutzte die Gelegenheit, um die Universitäten von Palermo und Tübingen ins Gespräch - und damit eine universitäre Partnerschaft zwischen einer schwäbischen und sizilianischen Universität auf den Weg zu bringen. Dem sizilianischen Stauferkaiser Friedrich hätte diese Initiative sicher gefallen.
Quelle Heilbronner Stimme vom 12. Mai 2007 von Barbara Griesinger www.stimme.de
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