Die Zeichen stehen auf Wachstum. Das erfolgreiche Unternehmen Hornschuch hat jetzt ein 25 Millionen Euro schweres Investitionsprogramm aufgelegt.
Wann Hornschuch den letzten Kalander gekauft hat, weiß keiner mehr so genau. Irgendwann in den 60er Jahren muss das gewesen sein. Damals beschäftigte der Folienhersteller über 2000 Mitarbeiter und das Geschäft boomte. Jetzt haben die Hohenloher eine weitere dieser Spezialmaschinen bestellt, mit denen Kunststoffgranulat mittels Hitze und Druck zu Folie verarbeitet werden kann.
Geordert ist die Maschine bereits, die das Herzstück eines 25 Millionen Euro schweren Investitionsprogramms ist, das das von Rolf Gemmersdörfer geführte Unternehmen jetzt aufgelegt hat. Ein gutes Jahr, bevor sie laufen wird, ist die neue Folienpresse bereits zur Hälfte ausgelastet. „Wir haben vergangenes Jahr das für 2007 geplante Wachstum vorweggenommen“, sagt Technik-Vorstand Hans-Hinrich Kruse. „Jetzt gibt es Engpässe in der Produktion, obwohl wir in den vergangenen sechs Monaten etwa 50 neue Mitarbeiter eingestellt haben.“ Deswegen haben die Hohenloher die eigentlich erst für 2009 geplante Großinvestition um ein Jahr vorgezogen.
Wachstum
Auch 2007 stehen die Zeichen auf Wachstum. Nach vier Monaten liegt Hornschuch laut Gemmersdörfer um 15 Prozent über dem Vorjahr. Auch die unter der Marke „d-c-fix“ geführte Endverbrauchersparte sei an der Talsohle angekommen. „Ab jetzt bekommen wir ein langsames, aber konstantes Wachstum“, sagt Kruse. Neben neuen Absatzkanälen setzt das Unternehmen auf Design: Zwei- bis dreimal im Jahr wollen die Hohenloher frische Optiken bringen. „Mit neuen Ideen kommt man auch beim Handel an“, sagt Gemmersdörfer.
Neues gibt es auch im Industriekunden-Geschäft: „Cool Colors“ heißt ein Produkt, auf das Vertriebsmanager Lothar Machule große Hoffnung setzt. Mit im wahrsten Sinne kühlen Farben wollen die Hohenloher etwa dafür sorgen, dass sich Motorradsitze aus Kunstleder weniger aufheizen. Mittelfristig will Gemmersdörfer mit solchen Ideen den Umsatz auf 200 Millionen Euro anheben - zuletzt waren es gut 140 Millionen.
Investoren
Möglich gemacht hat den neuen Schwung eine Veränderung der Eigentümerstruktur im vergangenen Jahr: Eingefädelt hat den Deal, der mit der DZ-Bank und der L-Bank zwei „Finanzinvestoren der etwas anderen Art“ (Kruse) nach Weißbach gebracht hat, Roland Streckfuß, seines Zeichens Firmenkundenleiter der Raiffeisenbank Kocher-Jagst. „Unser Antrieb ist nicht, dass wir so schnell wie möglich absahnen wollen. Uns ist wichtig, dass so ein Unternehmen in der Region bestehen bleibt“, sagt Streckfuß. „Als regionale Bank sind wir auf solche Kunden angewiesen. Und ich möchte gar nicht daran denken, wie viele Baufinanzierungen wackeln würden, wenn Hornschuch nicht mehr da wäre.“
Nicht allein über die Vermittlungsprovision wirkt sich das Geschäft auf die Bilanz der Raiba Kocher-Jagst aus: Die Konrad Hornschuch AG ist jetzt der größte Kunde der kleinen Raiffeisenbank mit Sitz in Ingelfingen. „Einen solchen Deal hatte uns keiner zugetraut“, freut sich Roland Streckfuß.
Hintergrund: Mehrheit bei Mitarbeitern
Etwa 30 Mitarbeiter der ersten, zweiten und dritten Führungsebene haben sich im Zuge des Eigentümerwechsels an ihrem Arbeitgeber beteiligt. Zusammen halten sie jetzt 50,1 Prozent, den Rest teilen sich das genossenschaftliche Dachinstitut DZ-Bank und eine Tochter der Karlsruher L-Bank. Über ein Kredit-Sonderkontingent hat die Raiba Kocher-Jagst einigen Mitarbeitern bei der Finanzierung ihrer Beteiligung unter die Arme gegriffen. „Zu Konditionen, die man sonst nur bekommt, wenn man eine Immobilie finanziert”, sagt Streckfuß.
Quelle Heilbronner Stimme vom 15. Mai 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de
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