Nicht nur die gute Konjunktur führt zu Engpässen. Parallel sinken die Arbeitslosenzahlen - in einzelnen Berufen gibt es fast keine Arbeitssuchenden mehr.
Sie sind begehrt wie ein Schluck Wasser in der Wüste - und ebenso selten zu haben. „Ingenieure gibt’s nicht mehr“, sagt Gerhard Häussermann. „Da haben wir schon viel ohne Erfolg in Annoncen investiert.“ Wie dem Geschäftsführer des Leingartener Schaltgeräteherstellers W. Gessmann geht es derzeit vielen Firmen im Unterland. Und das nicht nur bei Ingenieuren.
„Leute mit CNC-Erfahrung sind weg vom Markt“, hat etwa Markus Löw vom Lauffener Spann- und Greiftechnik-Hersteller Schunk erfahren müssen. Das Unternehmen fährt nun eine Doppelstrategie: Zum einen werden Anzeigen geschaltet, zum anderen nächstes Jahr 20 Prozent mehr Auszubildende eingestellt. „Wir werden im Jahr darauf die Zahl nochmals aufstocken“, kündigt Löw an.
Nicht nur die gute Konjunktur führt zu Engpässen. Parallel sinken die Arbeitslosenzahlen - in einzelnen Berufen gibt es fast keine Arbeitssuchenden mehr. Im April lag die Arbeitslosenquote im Stadt- und Landkreis Heilbronn bei 5,6 Prozent. Für den Mai zeichne sich eine weiter positive Entwicklung ab, sagt Martin Diepgen, Leiter der Arbeitsagentur Heilbronn. Noch gibt es im Bezirk keine Vollbeschäftigung - im Nachbarbezirk Schwäbisch Hall ist es je nach wissenschaftlicher Definition mit einer Quote von 4,3 Prozent schon so weit. Daher hat der Haller Agenturleiter Elmar Zeller mit Schwäbisch Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim Unternehmen am Mittwoch an einen Tisch gebeten, um nach Auswegen zu suchen. Denn das gegenseitige Abwerben von Facharbeitern hat begonnen.
Dies geschieht auch schon im Unterland. „Wir haben Probleme, die Leute zu halten“, berichtet Markus Löw. Gerhard Häussermann hat ebenfalls Abwerbeversuche bemerkt. Der Schwaigerner Kunststoffverarbeiter Söhner setzt auf Personalvermittler und persönliche Kontakte. Dabei werde die überregionale Suche nach Mitarbeitern wichtiger, heißt es. Einige Auswege gibt es noch. „Wir stellen jetzt auch Leute ein, die älter als 50 sind“, berichtet Rolf Busch, Geschäftsführer bei Franz Schneider Armaturen in Nordheim. „Ingenieure gibt es fast gar nicht mehr - zum Glück haben sich einige unserer Leute selbst weitergebildet.“ Bei W. Gessmann werden die Lücken mit Leiharbeitern gefüllt - „uns bleibt gar nichts anderes übrig“, sagt Häussermann.
Halbwegs entspannt ist die Lage außerhalb der Industrie, etwa bei der Kreissparkasse. „Wir finden noch alles, was wir brauchen“, sagt Sprecherin Natalie Schuler-Perrin. „Es ist aber nicht mehr so einfach wie früher.“
Die Arbeitsagentur Heilbronn setzt statt auf einen runden Tisch auf intensives Wirken im Hintergrund, um schlechter vermittelbare Arbeitslose den Firmen schmackhaft zu machen. „An beiden Enden des Spektrums tut sich was“, hat Martin Diepgen bemerkt: Die Bereitschaft sei gestiegen, sowohl mehr auszubilden als auch ältere Jobsuchende einzustellen. „Es ist nicht so, dass gar nichts mehr geht.“
Quelle Heilbronner Stimme vom 26. Mai 2007 von Heiko Fritze www.stimme.de
Foto Heilbronner Stimme Archiv/dpa
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