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Lambretta feiert am Geburtsort

     
 
 

5.6.07

 

Die Lambretta - in den Wirtschaftswunderjahren war sie der Inbegriff von Mobilität. Am Wochenende fanden ihre Besitzer den Weg nach Neckarsulm.

Es riecht nach Benzin. Laut knattern die Motoren - Lambretta-Fans fühlen sich rundum wohl. Kein Weg ist zu weit, kein Wetter zu schlecht, um beim internationalen Treffen in Neckarsulm mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen.

500 Kilometer liegen hinter dem Belgier Marc Stuyck. Der 36-Jährige hat seinen Motorroller ins Auto gepackt und sich auf den Weg ins Unterland gemacht. „Jedes Wochenende machen wir das“, erzählt der 36-Jährige, sein Kumpel bestätigt es mit einem Kopfnicken. Wo immer Lambretta-Fahrer der Geselligkeit frönen, stoßen weitere dazu.

Im Seitenwagen Werner Klemms Augen strahlen mit denen seiner Frau Maria um die Wette. Das rüstige Ehepaar stammt aus Untergruppenbach. Unternehmen die beiden eine Spritztour, sitzt sie im Seitenwagen. Der 77-Jährige war NSU-Mitarbeiter. 150 bis 200 Lambrettas seien pro Tag von ihm und seinen Kollegen produziert worden. Jetzt die Vielzahl der schnittigen Exemplare aus ganz Deutschland, England und Irland, aus Amerika, Australien und Japan in Neckarsulm beieinanderstehen zu sehen, erfüllt ihn mit Stolz. Keine Frage.

Mit Stil Vor dem großen Verpflegungszelt tummeln sich die Zweiräder. Männer gehen mit ernstem Blick in die Knie, fachsimpeln über Technik und Ausstattung. „Ein Rockertreffen für Arme, aber mit Stil“, kommentiert Harry Ortner mit breitem Grinsen und nimmt sich gut gelaunt selbst auf den Arm. Aus Salzburg ist der 36-Jährige angereist. Auf dem Sitz der Lambretta. Die gibt im Original 80 Stundenkilometer her. Der Österreicher hat sein Exemplar „ein bisschen aufgemotzt“, wie er freimütig einräumt. 105 Kilogramm bringt Ortner auf die Waage, dazu das Reisegepäck: „Da hab’ ich zylindermäßig was machen müssen.“

„Es war unser Traum vom Reisen“, schwärmen Udo und Christa Voigt aus Schwerte bei der Erinnerung an die späten 50er-Jahre. Das Wirtschaftswunder sorgte für Fernweh bei Jung und Alt. Sich ein Auto zu kaufen, kam trotzdem für viele nicht in Frage. „Ein VW kostete knapp 5000 Mark“, erzählt Voigt. Für eine Lambretta reichte der Verdienst. 1760 Mark blätterte der heute 67 Jahre alte Rollerfahrer damals hin. Mit ihr ging es über die Alpen nach Italien, zur Weltausstellung Expo nach Brüssel oder nach Istanbul zur Rallye.

In der Nähe des Neckarsulmer Sportgeländes Pichterich blitzen blank polierte Zierleisten an weiß-blauen, orangenen oder grünen Fahrzeugen. Zufrieden blickt Organisatorin Ruth Averbeck vom Lambretta Club Deutschland drein. Wie die 18. Euro-Lambretta läuft? „Super.“ Zwar standen Festzelt und Küche am Freitagmittag unter Wasser, der ausgelassenen Partystimmung konnte der Regen nichts anhaben. Nachts um zwei sei die Polizei aufgetaucht und habe die Lambretta-Fans ins Bett geschickt. Nostalgie und Abenteuerlust halten sich bei den Teilnehmern die Waage. Was den typischen Lambretta-Fahrer auszeichnet? „Toleranz, Offenheit“, überlegt Ruth Averbeck. Schließlich komme man mit erstaunlich vielen Leuten aus unterschiedlichsten Ländern ins Gespräch. Die Liebe zum kultigen Zweirad ist eben grenzenlos.

Quelle Heilbronner Stimme vom 5. Juni 2007 von Heike Kinkopf www.stimme.de

Foto Werner Kuhnle