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Gesamtpaket zur Stärkung der Hauptschule verabschiedet

     
 
 

27.6.07

  Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Kultusminister Helmut Rau streben eine individuellere Förderung durch Pädagogische Assistenten an. Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit zwischen Hauptschulen und Realschulen ausgebaut und mehr Unterrichtsstunden in Deutsch und Mathematik angeboten werden.

 „Wir wollen mit einem umfassenden Maßnahmenpaket die schulische Ausbildung der Hauptschülerinnen und Hauptschüler entscheidend verbessern und dadurch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Um eine individuellere Förderung der Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen, führen wir Pädagogische Assistenten ein. Sie sollen die Lehrkräfte entlasten, indem sie unterstützend Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten mit dem Lernstoff haben, parallel zum Unterricht intensiv fördern“, erklärten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Kultusminister Helmut Rau am Dienstag (26. Juni 2007) in Stuttgart. Außerdem werden 305 Stellen für Hauptschullehrer entsperrt. Diese werden über die kommenden drei Schuljahre für den erweiterten Pflichtunterricht zugunsten der Basisqualifikationen und die flächendeckende Einführung des Praxiszuges zusätzlich benötigt.

Der Ministerrat hat einem Gesamtpaket zur Stärkung der Hauptschule zugestimmt, das ab nächstem Schuljahr schrittweise umgesetzt wird. Insgesamt werden für alle Maßnahmen Mittel in Höhe von 26 Mio. Euro jährlich zur Verfügung gestellt. Das Gesamtpaket umfasst wie vom Ministerpräsidenten bereits angekündigt 40 Mio. Euro aus Steuermehreinnahmen, die für die Finanzierung des Pädagogischen Assistenten eingesetzt werden.

Pädagogische Assistenten unterstützen Lehrkräfte

„Die gesamte Hauptschulzeit wird durchgängig geprägt sein von gezielter Förderung, Lernstandserhebung und Ausbildungsnähe. Um diese Maßnahmen noch effektiver umzusetzen, werden wir den Pädagogischen Assistenten einsetzen“, hoben Ministerpräsident Oettinger und Kultusminister Rau hervor. Die Pädagogischen Assistenten sind keine eigenverantwortlich unterrichtenden Lehrkräfte. Sie werden vor allem in den Fächern Deutsch und Mathematik eingesetzt. In Absprache mit dem Klassenlehrer sind sie beispielsweise für besondere Fördermaßnahmen verantwortlich, arbeiten in jahrgangsübergreifenden Klassen mit und unterstützen die Lehrkräfte bei Verhaltensauffälligkeiten von Schülerinnen und Schülern während des Unterrichts. Der Beschäftigungsumfang pro Schule orientiert sich an der Größe der Schulen und den speziellen pädagogischen Herausforderungen der Schulen.

Personen mit Lehramtsausbildung, die in keinem aktiven Beschäftigungsverhältnis stehen, Ausbilder in Betrieben, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie oder Erzieherinnen und Erzieher sind für diese Aufgabe geeignet. Mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen können voraussichtlich 300 Vollzeitverträge finanziert werden. Die Entscheidung über Auswahl und Einsatz liegt beim Schulleiter, der über ein Schulbudget verfügen kann.

Pädagogisches Unterrichtskonzept nachhaltig weiterentwickeln

„Wir glauben an die Zukunft der Hauptschulen. Deshalb stärken wir ihre Arbeitsmöglichkeiten“, unterstrichen der Ministerpräsident und der Kultusminister. In den Klassen 5 und 6 wird der Wissensstand der Hauptschülerinnen und Hauptschüler in Deutsch, Mathematik und Englisch ermittelt, um anhand der Ergebnisse den ggf. notwendigen Förderbedarf festzulegen. In Klasse 7 folgt die Kompetenzanalyse. Ihre Resultate bilden eine Grundlage für die Beurteilung der
persönlichen Kompetenzen und die Berufsorientierung. Mit der Einführung der flächendeckenden Praxiszüge in den Klassen 8 und 9 wird die Ausbildungsfähigkeit der Hauptschülerinnen und Hauptschüler entscheidend verbessert.

- Mehr Deutsch- und Mathematikunterricht ab Klasse 5

Um die Basiskompetenzen zu stärken und die für den weiteren Berufsweg entscheidende Ausbildungsreife so früh wie möglich sicherzustellen, erhalten die Hauptschülerinnen und Hauptschüler zukünftig mehr Unterricht in Deutsch und Mathematik. Dazu wird die Kontingentstundentafel flexibilisiert und um insgesamt drei Stunden in den Klassenstufen 5 und 6 erweitert. Damit können die individuellen Fach- und Methodenkompetenzen sowie die personalen und sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler nachhaltig gestärkt werden. Hierfür werden dauerhaft 172 Deputate eingesetzt - ab dem Schuljahr 2007/08 115 und im darauf folgenden Schuljahr 57 Deputate.

- Kompetenzanalyse über Stärken und Schwächen

Die Kompetenzanalyse, die flächendeckend in Klasse 7 eingeführt wird, besteht aus einem Praxisteil, einem Gespräch sowie schriftlichen Aufgaben. Dabei werden auch motorische (Grob- und Feinmotorik), methodische (Planungsfähigkeit, Ergebnisorientierung) und psychische Leistungsmerkmale (Leistungsorientierung, Frustrationstoleranz, Arbeit unter Tempovorgaben) gemessen. Ziel der Analyse ist es, Berufsfelder ausfindig zu machen, die optimal zu den Talenten der Jugendlichen passen. Dabei wird das ermittelte individuelle Kompetenzprofil mit Anforderungen verschiedener Berufe vergleichen. Der Vergleich erlaubt damit eine Aussage, welche Berufe am besten zum Schüler passen und welche Kompetenzen unter Umständen noch erworben werden sollten, um dem Anforderungsprofil des angestrebten Berufs zu entsprechen. „Die Kompetenzanalyse vermittelt uns Erkenntnisse darüber, was die Schülerinnen und Schüler können. Sie fragt nicht nur danach, was sie nicht können“, unterstrich Rau.

- Praxiszug in den Klassen 8 und 9

Im Rahmen des Praxiszugs soll durch regelmäßige Praxiszeiten im Betrieb an bis zu zwei Tagen pro Woche oder in Blockform die Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler verbessert werden. Gleichzeitig soll durch das persönliche Kennenlernen potenzieller Bewerberinnen und Bewerber die Bereitschaft der Betriebe erhöht werden, Hauptschülerinnen oder Hauptschüler auszubilden. Der Praxiszug ist ein abgestimmtes Projekt zwischen Schule und Betrieb, der durch die jeweilige Wirtschaftsstruktur und Ausbildungssituation vor Ort regional unterschiedliche Formen haben kann.

Es erfolgt keine Trennung zwischen Werkrealschülern und den Schülerinnen und Schülern, die verstärkt Praxiserfahrung sammeln. Beide erhalten zukünftig dieselbe Unterrichtszeit zur Verfügung gestellt. Damit ist in den Klassen 8 und 9 eine zusätzliche Fördermöglichkeit von fünf Wochenstunden garantiert. Hierfür werden dauerhaft 133 Deputate zusätzlich bereitgestellt (43 ab 2008/09, weitere 90 ab 2009/10).

Kooperation zwischen Hauptschulen und Realschulen weiter ausbauen

„Aus den intensiveren Kooperationen zwischen Haupt- und Realschulen ergeben sich in Zukunft für die Hauptschülerinnen und Hauptschüler zusätzliche Möglichkeiten, die mittlere Reife zu schaffen“, betonten Oettinger und Rau. Nach dem Schulgesetz sind Kooperationen in Schulverbünden bereits möglich. Sie werden bereits an rund 60 Standorten praktiziert. Diese Kooperation soll zukünftig weiter ausgebaut werden. Sie bietet neben einer unkomplizierten Zusammenarbeit zwischen den Schularten zahlreiche Möglichkeiten, die Qualität des schulischen und außerschulischen Angebots zu verbessern.

Es sollen schulartübergreifende Unterrichtsangebote (gemeinsame Projekte, LRS-Angebote), schulartübergreifende Gruppenbildung, gemeinsame außerunterrichtliche Angebote (Bündelung des Einsatzes von Schulsozialarbeit, Jugendbegleitern, AG-Angeboten, Hausaufgabenbetreuung) sowie schulartübergreifender Lehrereinsatz und Ganztagesbetrieb möglich sein. Eine gemeinsame Schulleitung ist wünschenswert.

Darüber hinaus ist beabsichtigt, durch eine gezielte Förderkonzeption am Ende der Klassenstufen 6 und 8 Brücken zwischen den Schularten zu schaffen. Dieses Kooperations- und Fördermodell soll leistungsstarken Hauptschülern den Zugang zur Realschule eröffnen. Elemente wie die Diagnose des Leistungsstandes, die Bildungsempfehlung der Hauptschule für eine Teilnahme am Fördermodell sowie die Teilnahme am Unterricht der Realschule mit einer zusätzlichen Förderung dieser Schülerinnen und Schüler prägen das zukünftige Kooperationsmodell, das allen Hauptschülerinnen und Hauptschülern offen steht.

"SchuB" und Kooperationsklassen flächendeckend einführen

Außerdem wird das Projekt Schule und Betrieb ("SchuB“) flächendeckend für die Klassenstufen 8 und 9 eingeführt werden, das gezielt auf die Anforderungen der betrieblichen Ausbildung vorbereitet. Das Konzept „SchuB“ wurde gemeinsam mit der Landesvereinigung baden-württembergischer Arbeitgeberverbände entwickelt, an Hauptschulen getestet und von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg in einer wissenschaftlichen Expertise zum Einsatz in den Schulen empfohlen. Die bisher an 51 Standorten verankerten Kooperationsklassen zwischen Hauptschule und dem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) werden bis zum Schuljahr 2009/10 allen 175 BJV-Standorten eingesetzt.

Ganztagsschulen werden bevorzugt an Hauptschulen eingerichtet

„Ganztagsschulen sind ein weiterer Weg, um schulische Förder- und Integrationskonzepte zu verbessern“, betonten Ministerpräsident Oettinger und Kultusminister Rau. Die Landesregierung setze bei ihrem Ausbauprogramm einen klaren Schwerpunkt auf die Hauptschulen. In diesem Jahr werden 44 Hauptschulen als Ganztagsschulen mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung und 36 Hauptschulen als offene Ganztagsschulen eingerichtet. Dafür werden im ersten Jahr insgesamt 52 Deputate benötigt. Diese Zahl steigt Jahr für Jahr deutlich an.

Quelle: Kultusministerium

 
         
         
 
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