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Kohl-Pharma kauft Apotheken-Dienstleister

     
 
 

6.7.07

 

AVIE, das erste System-Partner-Konzept für selbständige Apotheker in Deutschland, kommt aus unserer Region.

Der Apothekenwelt stehen grundlegende Veränderungen ins Haus. „Im Lebensmitteleinzelhandel hat der Weg von der Tante Emma zum Lidl 25 Jahre gebraucht, bei den Apotheken wird das in den nächsten fünf Jahren geschehen“, sagt Dr. Thomas Kerckhoff. „Dann wird sich nicht mehr die Frage stellen, ob eine Apotheke einem System angehört, sondern welchem System sie angehört.“

Gut die Hälfte der heute noch eigenständigen Apotheker werden auf diesem Weg ihre Selbstständigkeit verlieren, sagt der Geschäftsführer des Beilsteiner Apotheken-Dienstleisters Avie voraus. „Die Reformen im Gesundheitswesen haben zu schmerzhaften Renditeverlusten in den Apotheken geführt“, stellt Thomas Kerckhoff fest.

Seit gestern gehört das von ihm geführte Unternehmen zu 100 Prozent zur Kohl Medical AG in Merzig, der bisher schon 75 Prozent der Anteile gehalten hatte. „Jetzt haben wir die Finanzmittel, die wir für die weitere Expansion brauchen“, sagt Kerckhoff. Schließlich hat der Avie-Chef ehrgeizige Ziele: Das Beilsteiner Unternehmen soll zu einem der drei größten Systemanbieter in diesem Markt werden. Aktuell haben sich 56 Häuser dem Franchise-System der Beilsteiner angeschlossen.

Es ist ein umfassendes Leistungsangebot, das Avie den Mitgliedsapotheken anbietet. Es reicht von der Marktanalyse der Standorte bis zur Personalauswahl, der Buchhaltung und dem Einkauf. Im Gegensatz zu anderen Verbünden ist die Bindung bei Avie viel enger. Kerckhoff: „Bei andern hat der Apotheker sie eine Affäre. Uns muss er heiraten.“

Zusätzliche Synergieeffekte verspricht sich Kerckhoff von der Komplettübernahme durch Kohl Pharma nicht. „Wir arbeiten ja heute schon zusammen, etwa beim Rechenzentrum.“

Avie wurde im Frühjahr 2004 von gegründet Joachim Birkle und positionierte sich als „Erfinder des Apotheken-Franchise“. Im vergangenen Jahr setzten die Avie-Apotheken nach eigenen Angaben über 140 Millionen Euro um. „Der Markt zieht an“, beobachtet Kerckhoff, der im Februar als Ziel für das laufende Jahr die Verdopplung der angeschlossenen Apotheken angegeben hatte. „Wir müssen rentabel werden“, sagte er gestern. „Dafür brauchen wir noch einige Standorte.“ Birkle scheidet nach dem verkauf seiner Anteile aus der Firma aus.

Die Kohl Medical AG ist eine zu 100 Prozent in Familienbesitz befindliche Holding mit Sitz im saarländischen Perl. Zu Kohl Medical gehören neben Avie die Firmen Kohlpharma und Assist Pharma. Kohl-Pharma (900 Mitarbeiter) importiert Marken-Arzneimittel aus EU-Mitgliedsstaaten und verkauft sie in Deutschland zu günstigeren Preisen. Der Umsatz lag laut Thomas Kerckhoff zuletzt bei einer Milliarde Euro.

Quelle Heilbronner Stimme vom 3. Juli 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de

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