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Ursprung der Albert-Schweizer-Kinderdörfer

     
 
 

6.7.07

 

50 Jahre sind vergangen, seitdem der berühmte Tropenarzt und Friedensnobelpreisträger Dr. Albert Schweitzer die Patenschaft für das erste Albert-Schweitzer-Kinderdorf übernommen hat. Es war Margarete Gutöhrlein, die ihn als Paten gewinnen konnte. Diese mutige ältere Dame setzte im Nachkriegsdeutschland ihre Idee zielstrebig in die Tat um. Sie gründete im baden-württembergischen Waldenburg ein Kinderdorf für verwaiste und alleingelassene Kinder.

Heute bieten rund 130 Albert-Schweitzer-Kinderdorffamilien in ganz Deutschland Kindern, die nicht bei ihren Eltern leben können, ein Zuhause. Hier finden sie Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Zuwendung. Neben der Aufnahme von Kindern in Not wollen die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und -Familienwerke familiäres Leben überall dort erhalten oder wieder möglich machen, wo es ohne Hilfe nicht mehr gelingt. Deshalb stehen wir Kindern und Familien in schwierigen Lebenssituationen mit Rat und Tat zur Seite.

„Ich bin nicht wirklich erwachsen geworden, aber ich finde mich in der Erwachsenenwelt gut zurecht. Das verdanke ich unter anderem dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf.“ Roland Hampf machte keine großen Worte, aber er erntete einen riesengroßen Applaus. Das erste Kinderdorfkind war der heimliche Star des Festakts zum 50-jährigen Bestehen des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs in Waldenburg.

1957 gründete Margarete Gutöhrlein das Kinderdorf. Als Namenspatron und ideeller Unterstützer trat ihr der Arzt, Musiker und Menschenfreund Albert Schweitzer zur Seite. Kinder aus zerrütteten Verhältnissen sollten in einer Pflegefamilie Halt und Unterstützung finden. Das erste dieser Kinder war im Jahr 1960 der heute 54-jährige Roland Hampf. „Ich habe hier eine wunderschöne Kindheit erlebt“, erinnert er sich an seine Jahre in Waldenburg.

Diese Dankbarkeit ist für Professor Dr. Gerald Hüther ein klarer Ausdruck dafür, dass Roland Hampf in Waldenburg das erhalten hat, was Kinder brauchen: „das Vertrauen dazuzugehören und die Chance, wachsen zu dürfen - mit einem Wort: Liebe.“ Professor Hüther, Neurobiologe aus Göttingen, hielt den Festvortrag im Zelt vor dem Kinderdorf. Und weil sein Vortrag alles andere als akademisch abgehoben war, erntete er fast ebenso viel Beifall wie Roland Hampf.

Das Bedürfnis nach Bindung und Wachstum entwickelt sich beim Menschen bereits im Mutterleib, lautet eine Kernaussage des Hirnforschers. Ein zweiter wichtiger Satz: „Das Hirn ist ein Beziehungssystem.“ Es wachse mit Beziehungen und Beanspruchungen. Woraus für Gerald Hüther folgt: „Das Hirn ist formbar. Es ist nie zu spät, an irgendeinem Punkt seines Lebens noch einmal anzufangen.“ Das lineare Entwicklungsbild vom Gehirn sei widerlegt, sagt Hüther.

Wo ein Neuanfang möglich ist, wächst die Perspektive gerade für Kinder, die in ihren ersten Lebensmonaten und -jahren schlimme Erfahrungen gemacht haben. Das Betriebsklima, sprich: die Umwelt sei wichtig, um die Angst zu überwinden. Die Grundregel zur Hilfe sei, so Hüther, „dass man das verloren gegangene Vertrauen wiederschenkt“.

Dieser Aufgabe haben sich die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer verschrieben. Nach Waldenburger Vorbild sind deutschlandweit elf weitere Kinderdörfer entstanden. Sieben Pflegefamilien gibt es in Waldenburg, 130 sind es in der ganzen Republik.

Die pädagogischen Fachkräfte des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs in Waldenburg unterstützen nicht nur die sieben Pflegeelternpaare, sondern sie wirken weit in den Hohenlohekreis hinein. Etwa mit der Informations- und Kooperationsstelle gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen im Hohenlohekreis (Infokoop) oder bei der Jugendsozialarbeit in einigen Städten und Gemeinden.

Zahlreiche Grußwortredner - vom Staatssekretär im Stuttgarter Sozialministerium bis zur Vertreterin des rumänischen Partner-Kinderheims - würdigten die Verdienste des Kinderdorfs. Für die musikalische Auflockerung sorgte der Chor des Ganerbengymnasiums Künzelsau. Auch für ihn gab’s reichlich Applaus.

Quelle Heilbronner Stimme vom 2. Juli 2007 von Peter Hohl www.stimme.de

Weitere Informationen unter

http://kinderdorffreunde.de/home/
 
         
         
 
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