| Eine innovative Studie analysiert erstmals für die baden-württembergischen Stadt- und Landkreise die einzelnen Komponenten der längerfristigen industriellen Beschäftigungsdynamik.
Die vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) Tübingen, die Wirtschaftsminister Ernst Pfister heute in Stuttgart vorgestellt hat, untersucht anhand von Betriebsdaten aus der amtlichen Industriestatistik für Baden-Württemberg, in welchem Umfang die regionale Beschäftigung einerseits durch die Expansion beziehungsweise die Schrumpfung bestehender Betriebe und andererseits durch Gründungen und Schließungen sowie von der Zu- und der Abwanderung von Betrieben beeinflusst wird.
Die Beschäftigungsentwicklung in den baden-württembergischen Landkreisen sei in den 80ern und 90er Jahren im industriellen Bereich recht unterschiedlich verlaufen, sagte Pfister. Während in den 80er Jahren immerhin noch die Hälfte der Kreise einen Beschäftigungszuwachs verzeichnen konnte, waren es in den 90er Jahren nur noch 6 von 44 Kreisen.
Bei der Jobschaffung in den 90er Jahren entfielen etwa drei Viertel auf den Arbeitsplatzzuwachs in bereits bestehenden Betrieben. Der Jobaufbau durch Neugründung von Betrieben lag bei einem knappen Viertel, während der Beschäftigungszuwachs durch Firmenzuwanderung mit 0,1 von 4,2 Prozent keine allzu große Bedeutung hatte.
Insgesamt lege, so Pfister, die Studie folgende Zusammenhänge nahe: Erstens, je qualitativ hochwertiger die Arbeitsplätze in den Kreisen, desto günstiger die Beschäftigungsbilanz. Dies gelte insbesondere auch im Hinblick auf die jeweilige Ausstattung mit Personal aus dem Bereich Forschung und Entwicklung. Zweitens, je besser die verkehrsinfrastrukturelle Anbindung der Unternehmen, etwa an die Autobahn, desto günstiger die Beschäftigungsentwicklung. Drittens, je weniger Abgabenlasten durch die Gewerbesteuer für Unternehmen im Kreis, desto vorteilhafter die Beschäftigungsdynamik.
Darüber hinaus komme die Studie, so Pfister, zu dem Ergebnis, dass die baden-württembergischen Landkreise mit einer hohen Exportorientierung, mittelständischen Strukturen, einem niedrigen Anteil gering qualifizierter Beschäftigter und niedrigen Lohnkosten eine bessere industrielle Beschäftigungsentwicklung aufweisen. Dahingegen hätten Faktoren wie die regionale Arbeitslosenquote, eine Branchenkonzentration oder die Baulandpreise keinen Einfluss auf die Schaffung von Jobs.
„Wichtig ist die Pflege der bestehenden Unternehmen, denn sie sind, - wie die Studie eindeutig belegt- der wichtigste Jobmotor in den Landkreisen. Aber auch die Förderung von Neugründungen spielt eine bedeutende Rolle bei der Schaffung von Arbeitsplätzen“, fasste der Wirtschaftsminister zusammen.
Die Nettobetrachtung der Beschäftigungsentwicklung zeige weiterhin, so Pfister, dass im untersuchten Zeitraum in immerhin 13 der 44 baden-württembergischen Kreisen der Saldo aus der Gründung und Schließung von Betrieben zu einem industriellen Beschäftigungsanstieg führte. Demgegenüber zeige die Betrachtung der bestehenden Betriebe, dass nur 6 von 44 Kreisen die durch das Schrumpfen von Betrieben bedingten Arbeitsplatzverluste durch Beschäftigungsaufbau in expandierenden Betrieben ausgleichen oder überkompensieren konnten.
Pfister: „Eine solche Analyse liefert erstmals vertiefte Erkenntnisse, denn sie kann hinter die Kulissen der Beschäftigungsentwicklung schauen, indem sie die gleichzeitig ablaufenden Expansions- und Schrumpfungsprozesse beleuchtet.“
Minister Pfister kündigte an, auch den Kreisen diese wichtigen regionalwissenschaftlichen Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen, um einen Abgleich der Ergebnisse mit dem Vor-Ort-Erfahrungswissen zu ermöglichen.
Quelle: Wirtschaftsministerium
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