Die älteste Maschine in der Werkstatt ist noch älter als der Familienbetrieb: Aus dem Jahr 1897 stammt die Blechabkantmaschine. Noch immer ist sie in Gebrauch, um Blech zu biegen. „Sie funktioniert sehr gut“, sagt Rolf Reiner. Sohn Achim führt den Klempnerei- und Anlagentechnikbetrieb in der vierten Generation. Jetzt ist die Firma 100 Jahre alt.
Dass ein Handwerksbetrieb einen solchen Geburtstag feiern kann - das ist etwas Besonderes. Darauf sind die Reiners stolz. „In einer Garage, dort wo jetzt die Kreissparkasse ist, hat mein Großvater Theodor Reiner eine Flaschnerei gegründet“, weiß Rolf Reiner. Ob das schon vor 1907 war, ist nicht ganz sicher. Aus diesem Jahr stammt ein Schriftstück, das der 68-Jährige gefunden hat - ein Steuerbescheid. So gilt 1907 als das Geburtsjahr. Theodor Reiner war es auch, der die Blechabkantmaschine gekauft hatte. Und die Rundmaschine, in die Achim Reiner noch heute Bleche einspannt, um sie zu Rohren zu formen. Theodors Sohn Julius übernahm den Betrieb 1947. Er zog später in die Hauptstraße um.
In den Anfangsjahren fertigte der Familienbetrieb über den Winter Bettschüsseln, Literbecher, Gießkannen und Backschüsseln aus Metall. Rolf Reiner: „Die Muster sind zum Teil noch da.“ Im Sommer wurden Dachrinnen montiert oder Installationen gemacht.
Das klassische Klempner- oder Flaschnerhandwerk - Kamin- und Wandvertäfelungen, Dachrinnen und Regenrohre installieren - gehört auch heute noch zur Reinerschen Palette. Achim Reiner und seine vier Mitarbeiter machen auch Sanitär-Installationen und Komplettrenovierungen von Bädern. Neuerdings orten sie zudem Lecks in Wänden und Decken und machen Bautrocknung. Mit einer Hausmesse haben die Reiners kürzlich ihr Jubiläum gefeiert. Das ganze Jahr über gibt es Aktionen.
In den 80er- und 90er-Jahren hatte der Betrieb zwischen zehn und 15 Mitarbeitern. „Dann ging die Bautätigkeit zurück“, sagt Achim Reiner. So wurde die Zahl reduziert. Wenn es heute mal eng wird, helfen sich Kollegen untereinander aus. Oder Achim Reiner greift auf Zeitarbeitsfirmen zurück. Im Vergleich zu früher sei die Arbeit vielschichtiger und Vieles schwieriger geworden, sind sich Vater und Sohn einig. „Der Konkurrenz- und der Preisdruck sind größer geworden“, sagt Achim Reiner. Die Preisschwankungen bei den börsennotierten Metallen würden immer größer. „Damit muss man klar kommen.“ Die Technik schreitet schnell voran. „Es ist wichtig, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Fortbildungen und Messebesuche werden wichtiger.“ Und natürlich: Die Bürokratie nimmt mehr und mehr Zeit in Anspruch. Etwa die Hälfte seines 13-Stunden-Tags sitzt Achim Reiner im Büro, die andere Hälfte ist er „draußen“. Klar: „Ohne EDV geht es nicht mehr.“ Und das Positive? „Installationen sind heute leichter zu handhaben. Moderne Maschinen erleichtern die körperliche Arbeit.“
Generationswechsel Die EDV hat Achim Reiner eingeführt, als er den Betrieb vor drei Jahren von seinem Vater übernommen hatte. Wie das öfter so in einem Familienbetrieb ist: Der Generationswechsel ist nicht ganz einfach. „Es gab schon ein bisschen einen Kampf“, sind die beiden ehrlich. Heute lachen sie darüber.
Ob die fünfte Generation den Betrieb fortführt? Der 42-jährige Achim Reiner hofft natürlich, dass eines seiner Kinder weitermacht. „Aber verlangen würde ich es nicht.“ Der Einsatz, den man bringen müsse, sei enorm hoch. Früher, bei ihm selbst, und auch bei seinem Vater, war es anders. Da hat einen niemand gefragt, ob man in die Firma einsteigen will. „Das war selbstverständlich. Da ist man halt reingewachsen.“
Quelle Heilbronner Stimme vom 16. Juli 2007 von Anja Krezer www.stimme.de |